Obwohl es in der Vergangenheit schon viele Maßnahmen zur Reduzierung von Blei gab, konnten die Forscher aufzeigen, dass Störungen der intellektuellen und emotionalen Entwicklung oft mit erhöhten Blei im Blut einhergehen. Veröffentlicht wurde die Studie vor Kurzem in der Fachzeitschrift Archives of Diseases in Childhood.
Die Forscher nahmen Blutproben von knapp 600 zweieinhalbjährigen Kindern. Bei 27 Prozent fanden sie mehr als fünf Mikrogramm Blei pro Deziliter Blut. Als man dieselben Kinder im Alter von sieben bis acht Jahren verschiedenen Leistungs- und Verhaltenstests unterzog, stellten sich Zusammenhänge zur früher erhobenen Bleibelastung heraus. Kinder mit fünf bis zehn Mikrogramm Blei erreichten bei Lese- und Schreibtests nur halb so viele Punkte wie Kinder mit geringeren Bleiwerten. Ab zehn Mikrogramm war zudem antisoziales Verhalten bis hin zur Hyperaktivität dreimal so häufig. "Kinderärzte sollten Kinder mit derartigen Auffälligkeiten nach Blei im Blut untersuchen. Denn Blei gehört zu den vielen Umweltfaktoren, die die Entwicklung beeinflussen", empfiehlt Studienleiter Alan Emond.
Blei ist ein Gift, das das Nervensystem des Menschen angreift. "Chronische Bleibelastung kann zu Verhaltensauffälligkeiten, zu Lethargie, Bewegungsstörungen, kolikartigen Bauchschmerzen und auch zur Minderung der Intelligenz führen", erklärt Martin Ebbecke vom Gift-Informationszentrum Nord gegenüber pressetext. Anders als viele gefährliche Substanzen, die in kleinen Mengen für den Körper sogar notwendig seien, habe Blei keinen physiologischen Wert. "Einen unschädlichen minimalen Grenzwert gibt es somit nicht." Wenngleich Bleibelastung Hyperaktivität auslösen könne, hält es Ebbecke jedoch für falsch, die Störung nur auf diesen einzigen Faktor zurückzuführen, da eine Vielzahl von Ursachen beteiligt sein könnte.




