Dass Übergewicht den Blutdruck in die Höhe treibt, hat
verschiedene Gründe. "Einerseits werden im Fettgewebe verschiedene
Stoffe freigesetzt, die direkt auf die Gefäße wirken. So verengen die
Blutbahnen etwa durch das Gewebshormon Angiotensin oder versteifen
langfristig durch andere Informationsparameter", erklärt der Berliner
Pharmakologe und Internist Ulrich Kintscher, Vorstandsmitglied der
Hochdruckliga. Andererseits gibt es auch
zahlreiche indirekte Verbindungen zum Übergewicht. "Dazu zählen etwa
Diabetes oder Nierenschäden durch Entzündungsfaktoren aus dem
Fettgewebe."
Abnehmen wirkt wie Medizin
Nicht jeder Übergewichtige hat automatisch zu hohen Blutdruck.
Entscheidend ist dafür laut Kintscher vor allem die Fettverteilung.
"Wenngleich der wesentliche Unterschied noch nicht geklärt ist, zeigen
bisherige Studien, dass besonders das Fett im Bauchraum zu den genannten
Risikofaktoren beiträgt." "Gesünder" ist Übergewicht dann, wenn das
Fett besser verteilt ist. "Frauen sammeln in ihrer prämenstruellen Phase
mehr Fett an den Hüften. Das könnte durchaus ein Schutz vor
Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen", so der Mediziner.
Die gute Nachricht für Abnehmwillige mit Hypertonie: Die Gewichtsabnahme hat positive Auswirkungen auf den Blutdruck und kann diesen sogar normalisieren. "Abnehmen ist per se der beste präventive als auch therapeutische Ansatz für Bluthochdruck. Dabei kommt es nicht darauf an, ob man durch Diät oder Bewegung Gewicht verliert", so Kintscher. Allerdings geht Bluthochdruck in manchen Fällen nicht auf Lebensstil-Risikofaktoren wie Übergewicht, mangelnde Bewegung und Diabetes zurück, sondern auf andere Stoffwechsel- oder Nierenleiden.
Auch Luftverschmutzung ist Risikofaktor
Umwelteinflüsse als mögliche weitere Hypertonie-Verursacher sind
laut Kintscher bisher noch wenig erforscht. Genau in diese Lücke stoßen
nun jedoch Forscher vom Institut für medizinische Informatik, Biometrie
und Epidemiologie der Universität Duisburg-Essen. Am
gerade laufenden Jahrestreffen der amerikanischen Lungenmediziner in New
Orleans präsentieren sie Ergebnisse, denen zufolge auch hohe
Feinstaub-Belastung eine Gefahr für den Blutdruck darstellt.
Die Essener Wissenschaftler erstellten dazu ein Modell der langfristigen Feinstaub-Belastung in der Region Mühlheim-Essen-Bochum auf Basis von Messdaten. Dieses verglichen sie mit Gesundheitsdaten von 5.000 Bewohnern der Region und trennten andere mögliche Risikofaktoren für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, Diabetes, Übergewicht, sozialer Status, körperliche Aktivität, Ernährung sowie Straßenlärm. "Wer in Regionen mit höherer Feinstaubbelastung lebt, ist eher Hypertonie-gefährdet", berichtet Studienleiterin Barbara Hoffmann.




