Im Nordwesteck Spaniens geht die Sonne eine Stunde später unter als in Mitteleuropa, hier (in Fisterra) beginnt (oder endet) der Kontinent, die Muschel der Heidengöttin Venus wurde zum Symbol des heiligen Jakob des Älteren, von dem man wider besseres Wissen behauptet, er habe hier (in Santiago) seine letzte Ruhestätte gefunden. Wenige Stichworte nur - und schon sind wir in einer der facettenreichsten Regionen Europas, in der die einzige Gesetzmäßigkeit der Widerspruch ist: Galicien.
Ria de Pontevdera - Küsten im Norden - Balenaro de Lugo
Zwischen Asturien und Atlantik empfängt man die Pilger aus aller Welt, spricht aber eine Sprache (Galicisch), die sonst keiner versteht, viele bekennen sich zum Papsttum und glauben an Hexen. Es ist das Land, in das man am Rand einer zauberhaften Förde (Ria de Pontevedra) eine an Häßlichkeit nicht mehr zu überbietende Zelluloidfabrik setzte, in dem der Vater von Fidel Castro (in Lancara) und Franco (in El Ferrol) geboren wurden, nach dem immer noch die Hauptstraße der Hauptstadt Santiago benannt ist, eine Region, in der antike Bauten so gut erhalten sind wie zur Zeit der Imperatoren und gleichzeitig Kirchen verfallen (und deshalb geschlossen sind), wo es tatsächlich passiert, daß der Fremdenführer (wir kommen gleich darauf zurück) den Bus durch die „Hähnchenfabrik" in Ourense steuern läßt, aber nicht an das Ufer, wo eine Römerbrücke und ein prächtiger Dom zu bestaunen sind.
Galicien präsentiert sich dem Gast so einzigartig als Anfang und Ende Europas, als daß man es auf Anhieb verstehen könnte. Und so erschließt es sich eigentlich nur demjenigen, der Franco, Fabriken und Fremdenführer flieht und die Idylle zwischen Küste und Kastanienwäldern sucht. Und wir denken an Thales von Milet, der vor 2500 Jahren schrieb: „Das Wasser ist das Maß aller Dinge." Ein Zitat, das sich so herrlich auf Galicien münzen läßt! Die Küsten im Norden der Region sind traumhaft schön und ruhig. Hier vereinen sich See und Sand, Küste und Himmel zu einer Farbsymphonie á la Südsee. Das Paradies muß ähnlich ausgesehen haben!










