Klang und Gesang der Heimat zwischen Höhen der Kultur und Verfall der Natur
Das Berner Oberland lud im Herbst zu einem großen Festival der Folklore
ein, das eine reizvolle Geschichte eines der schönsten Regionen unserer
Erde präsentierte.
Das ursprünglich sehr arme Land zieht seit über 200 Jahren die Genies
an, die unter weißen Gipfeln, senkrechten Wasserfällen und kühnen
Hochgebirgspfaden auf Lebensformeln kommen, die weithin beachtet werden.
Parallel dazu bilden sich wahre Mythen um Mönch (4107 Meter) und
Jungfrau (4158 Meter): Eine der kühnsten Bergbahnen der Welt mit dem
höchsten Bahnhof Europas wird gebaut, die besten Skiläufer aus aller
Herren Länder küren hier den allerbesten, der Eiger (3970 Meter) wird
zum internationalen Prüfstein der Kletterer, Kaiser und
Schönheitsköniginnen geben sich ein Stelldichein, man sieht
Nobelpreisträger und Hollywoodgrößen - und neuerdings treffen sich hier
zwischen letzten Blumen und erstem Schnee die Volksmusikanten, um die
tote Zeit mit Leben zu füllen und die Fremden auch auf die Geschichte
der einst so notleidenden Bergwelt hinzuweisen.
Da treten einheimische Senner in ihrer roten Montur auf, beide Hände in den Hosentaschen, und stimmen einen Gesang an, der eine Begrenzung der Höhen genauso auszuschließen scheint wie die Berge ringsum. Der Hackbrettspieler reißt das Publikum zu wahren Stürmen der Begeisterung hin, denen sich auch der Chef der Jungfraubahn nicht verschließt, der an deren Endstation natürlich ganz andere Sturmwinde kennt. Außer Frage, man bewundert auch die feschen Schweizerinnen, die das schöne Erbe der Großmutter mit der Mode der Zeit genauso in Einklang bringen wie die Töne ihrer Musikinstrumente und Kehlen.
Schaut man den Akteuren auf der Bühne zu, ihrer Leidenschaft und Lebensfreude, dann erschließt sich einem auch die Vergangenheit besser, dann weiß man plötzlich, woher Eiger, Mönch und Jungfrau ihre Namen beziehen. Trotz der Armut, die Europa wiederholt zu großen Spendenaktionen verleitet, versteht man es schon vor Jahrhunderten ausgezeichnet, dem kurzen Leben länger anhaltende Freuden abzutrotzen.










