Da strahlt zunächst ein sogenanntes Doppelkloster (Augustiner) in
Interlaken in unsere Gegenwart, ein Teil für Männer, der andere für
Jungfrauen - und schon sind die Namen der zwei Viertausender über dem
Ort geklärt: Mönch und Jungfrau. Ja, und woher hat der Eiger seinen
Namen? Nach den gesicherten Auskünften der Etymologie kann damit nur
der dritte Personenverband im Tal gemeint sein: Die dem Kloster
(leib-)eigenen Bauern, sein Eigentum, die Eigner = Eiger (auch Aiger
geschrieben). Natürlich hat auf Grund der (Leib-)eigenschaft der
Untertanen der Eiger die geringere Höhe.
Die Abhängigkeiten im Berner Oberland funktionieren bis um 1480. Dann zeigt sich der unbändige Freiheitsdrang der Schweizer, fast ein halbes Jahrhundert vor den deutschen Bauernkriegen lockert sich unter dem Mönch das Feudalrecht, die Jungfrauen des Klosters in Interlaken müssen nach Bern, denn es „nahm das unordentliche Leben dermaßen darinnen überhand", wie wir im Zedlerlexikon 1735 lesen.
Während sich die Sozialstrukturen lösen, bleiben alte Namen aus dem Römerreich: Interlaken = zwischen den Seen (= inter lacus), gemeint sind der Brienzer- und Thunersee. Mürren, sich gleich einer Mauer auftürmend, kommt von lateinisch murus = Mauer. Wir stehen vor den Beatushöhlen (beatus = heilig) und vor dem Dorf Kiental, dessen Name sich in der Spätantike gebildet haben mag. Althochdeutsch chien = Kiefer.
Und hier im fast tausend Meter hohen Kiental tritt Ende April 1916 Lenin auf der Zweiten internationalen Sozialistischen Konferenz auf, achtmal ergreift er das Wort, achtmal spricht er von der bevorstehenden Revolution in Rußland. Noch genau 18 Monate sind bis dahin. Das Gottesgnadentum des barbarischen Zaren bricht dann zusammen, weitere Reiche folgen im Jahr darauf. Wie er betont, erlebt Lenin in der Schweiz das Freiheitsstreben und -beben der Menschen und zitiert in diesem Zusammenhang auch Karl Marx: „Nie kann ein Volk, das andere Völker unterdrückt, frei sein."









