Es sind die
Gerüche, die mich an das meiner Kindheit erinnern. Der Duft nach Cevapcici,
nach Djuvec-Reis, süßem Wein vom Amselfeld, den die Eltern tranken und an dem
wir heimlich nippten, und Eis in grässlichen Farben - so künstlich, dass es uns
Kinder schon wieder total faszinierte. Istrien in den sechziger Jahren, das
waren Campingplätze mit Kleinstadtausmaßen, felsige FKK-Strände, zu denen vor
allem die benachbarten Triestiner am Wochenende zum Schauen pilgerten,
glasklares Wasser voller stacheliger Seeigel. Istrien - das war die billige
Alternative zu Italien und Spanien, schnell erreichbar aus Österreich und
Deutschland, auch wenn es die Tauernautobahn noch lange nicht gab.
Jahrzehnte liegen zwischen den Erinnerungen meiner Kindheit und der Rückkehr in eine Landschaft, die einerseits so vertraut, andererseits aber auch so verändert auf das Wiederentdecken wartet. Die Halbinsel, nur ein winziger Teil davon gehört zu Slowenien, ist Kroatien Andockstelle an das ersehnte EU-Europa. Mit viel Liebe zu bisher verborgenen Details entdeckt man das noch immer stattliche architektonische Erbe der Donaumonarchie, in der die östliche Adriaküste für Adel und Bürgertum des Habsburger Reiches zur begehrten Sommerfrische zählte. 90 Jahre nach dem Verschwinden der einstigen Weltmacht besinnt man sich mit Stolz auf sie zurück. Und so verwundert es auch nicht, dass k. u. k. Museen allenthalben aus dem Boden schießen - sehr zur Freude der zahlreichen Österreicher, die hier noch immer, oder besser, schon wieder, begeistert die Sommermonate verbringen. Zahllose alte Prachtbauten in großen und kleinen Ortschaften wurden und werden liebevoll restauriert, präsentieren sich gerne in leuchtendem Schönbrunngelb, bergen in ihrem gemütlichen Inneren kleine Läden, die alles verkaufen, was der Mensch so braucht - oder auch nicht. Und der Mensch braucht vor allem Kulinarik - denn ganz Istrien ist im Gourmetrausch.
Nein, man möchte nicht zurück zum Billigtourismus Jugoslawiens, mit seinen riesigen Hotelkomplexen, wo vor allem viel auf den Tellern liegen musste. Kroatien und vor allem Istrien, hat sich ein umfangreiches touristisches Zukunftskonzept gegeben, welches für „sanften, umweltverträglichen Tourismus" steht und die Region an der nördlichen Adria mausert sich langsam aber sicher zum Delikatessentempel Europas.










