Früher war die Zukunft länger [19]

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Von: Elisabeth Müller
Betreff: Angekommen
Datum: 28. Januar

Lieber Karl,
jetzt bin ich wieder in meinen vier Wänden. Die Rückfahrt war angenehm; bei schönem Wetter ist das Autofahren gleich viel weniger anstrengend. Hier zu Hause habe ich mein Gleichgewicht wieder gefunden. Das klingt leichter, als es war. Nach der Begegnung mit Frau Hartmann hatte ich den Boden unter den Füßen verloren. Lisa - frei schwebend, ohne jede Richtung. Ein ungemütliches Gefühl. Aber wie ich Dir schon bei unserem Abschied in Bad Griesbach sagte: Ich will Vertrauen haben zu Dir und ich glaube Dir, wenn Du sagst, dass Dir Frau Hartmann nichts (mehr?) bedeutet. Alte Geschichten, wenn sie denn vergangen sind, soll man ruhen lassen, da stimme ich Dir voll zu.

Wie gut, dass wir uns ausgesprochen haben - auch wenn es Deinerseits nicht ganz freiwillig geschah. Es war spannend für mich, Deine Version zu hören. Danach ist Ines der Typ Mensch, der sich mit einem „Nein" nicht abfinden kann oder will. Und da Du Dich ihr - mal mehr, mal weniger entschieden, das musst Du schon zugeben - verweigert hast, versucht sie, Dich doch noch irgendwie zu umgarnen. Seit ich ihr ins Gehege komme, meint sie, aufs Ganze gehen zu müssen. Manchmal fürchte ich, sie kann uns gefährlich werden. Denn eine nicht gelebte Liebe wird übergroß und währt ewig. Halt Dich von ihr fern, Karl, in eine Situation wie in Griesbach möchte ich nie wieder kommen.

In der Firma gab es viel zu tun, einiges war liegen geblieben, aber mit vereinten Kräften haben wir die neue Kollektion nun fast fertig. Du hast Deine letzte Kurwoche begonnen. Möge sie Dir gut tun!

Gute Nacht!
Deine Lisa

Von: Karl Urban
Betreff: -
Datum: 30. Januar

Liebste Lisa!
Glaub mir, die letzten Tage waren ein Albtraum. Es tut mir sehr leid, dass es zu dieser Konfrontation mit Ines kam. Wo sie jetzt ist, weiß ich nicht. Sie scheint gleich am Morgen nach Eurer so genannten Aussprache abgereist zu sein. Natürlich werde ich nicht vermeiden können, ihr in Berlin immer mal wieder über den Weg zu laufen, denn wir haben nun mal denselben Freundeskreis - ohne dass sie daraus einen Besitzanspruch ableiten könnte.

Ach, Lisa, ich bin so froh, dass zwischen uns alles wieder im Reinen ist. Ich fühle mehr denn je: Wir beide sind für einander geschaffen. Wir tun uns gut.
Bleib mir wohlgesonnen!
Dein Dich (und nur Dich!) liebender
Karl