Kapitel 2 / 4
Von: Karl Urban
Betreff: Weihnachten?
Datum: 7. November
Liebste Lisa!
Vergiss den Zettel einfach. Das ist nichts von Bedeutung. Lass uns lieber positiv denken: Was hältst Du denn von meinem Vorschlag, Weihnachten gemeinsam in Berlin zu feiern? Als ich letzte Woche davon sprach, bist Du kommentarlos darüber hinweggegangen. Dabei liegt Weihnachten ausgesprochen günstig in diesem Jahr. Schau mal in den Kalender: Heiligabend fällt auf einen Montag. Da hast Du sicher frei. Und wenn Du Dir Donnerstag und Freitag nach den Feiertagen Urlaub nimmst, könntest Du schon am 21. kommen und bis zum 1.1. bleiben. Wäre das nicht wunderbar? Wir machen es rundherum gemütlich, genießen Kunst und Kultur, gehen einmal um den Schlachtensee, danach schön essen. Was meinst Du?
Sei geküsst und umarmt
Von Deinem Karl
Von: Elisabeth Müller
Betreff: -
Datum: 9. November
Lieber Karl,
wie Du eben am Telefon so richtig bemerktest: Ich mag nicht mit Dir telefonieren, ich mag Dir kaum noch mailen, so sehr beschäftigt mich die Frage: Wer ist I.? Und warum trägst Du einen Zettel mit ihrer Liebeserklärung mit Dir herum? Ich war davon ausgegangen, dass Ehrlichkeit zu den unumstößlichen Grundsätzen unserer Beziehung gehört.
Lisa (ratlos)
Von: Karl Urban
Betreff: Raus aus dem Schmollwinkel!
Datum: 10. November
Ach, Lisa, Liebste,
mach doch keinen Elefanten aus einer Mücke! Was Dich so erzürnt, war ein Stück Papier, beschrieben vor einiger Zeit von einer Frau, die mir damals wenig und seit langem gar nichts bedeutet. Mit Dir und mir und unserer Liebe füreinander hat das überhaupt nichts zu tun.
Immerhin, Deine Eifersucht freut mich. Sie zeigt mir, dass ich Dir wirklich etwas bedeute. Aber nun komm doch bitte wieder raus aus Deinem Schmollwinkel, lass es uns so schön haben wie sonst.
Alles Liebe
Dein Karl
Von: Elisabeth Müller
Betreff: -
Datum: 12. November
Karl,
hier geht es nicht um Eifersucht als eitle Selbstbestätigung für Dich. Und auch nicht um den Schmollwinkel für mich. Kinder mögen sich dorthin zurückziehen, wenn ihnen ein Wunsch abgeschlagen wurde. Hier geht es um Vertrauensverlust, Enttäuschung und - ja - Wut. Ich bin verzweifelt und eben auch wütend, dass das, was so schön und harmonisch begann, bereits zu Ende ist.
Auf Nimmerwiedersehen
Lisa




