Kapitel 1 / 2
Von: Elisabeth Müller
Betreff: Reminiszenzen
Datum: 16. September
Lieber Karl,
todmüde, aber glücklich und sogar pünktlich bin ich wieder in München gelandet. Wir zwei sind ja wirklich bis in die Puppen unterwegs gewesen. Schön, dass ich das von Dir gelernt habe, das wusste ich vorher nicht und wäre auch nicht drauf gekommen: Die Redensart „Bis in die Puppen" bezeichnet die Statuen im Tiergarten, wohin die Leute früher sonntags spazieren gingen. Ist wohl typisch „Berliner Schnauze".
Am Telefon eben habe ich Dir schon gesagt, wie sehr es mir gefallen hat. Essen, Tanzen, von einer Bar in die andere. Gestern habe ich mich gefühlt wie 30, heute spüre meine 63 Jahre an mir hängen wie Bleigewichte. Es hat mir übrigens sehr gut getan, dass Du meintest, man sähe mir mein Alter gar nicht an. Glatte zehn Jahre jünger hast Du mich geschätzt. Schmeichler! Ich muss heute um neun ins Bett und versäumten Schlaf nachholen. Sonst sehe ich bald zehn Jahre älter aus. (Hier nun eine Rechenaufgabe, eingekleidet oder nicht: Wie lange muss eine 63-jährige Frau schlafen, die ein Schlafdefizit von rund 12 Stunden hat und jede Menge Restalkohol im Blut, um wieder auszusehen wie 53?)
Sei herzlich umarmt von
der heute sehr faltigen
Lisa
Von: Karl Urban
Betreff: Re: Reminiszenzen
Datum: 16. September
Liebste, schönste Lisa!
Schlaf schön! Der lange Abend mit Dir hier in Berlin war für mich ein großes Vergnügen! Ich bin immer noch ganz atemlos von Deinem (oder besser: unserem) spontanen, liebevollen, aufregenden Kuss zum Abschied. Seitdem ich Dich kenne, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass mein Leben noch überraschende Kurven bereithält. Wann kann ich Dich wieder sehen?
Dein ziemlich hingerissener
Karl
SMS
Danke fuer die wunderschoenen rosen. Wurden gerade abgegeben, fuehle mich ja richtig umworben.
Gruss und kuss
Lisa
SMS
Sollst du auch, bist du auch.
Kuss auf Dich
Dein Karl




