Kapitel 3 / 2
„Doch nun mal das Positive", nahm Martin den Faden wieder auf. „Erzähl mir doch mal, was dir an Lisa gefällt. Was hat sie, was andere Frauen nicht haben?"
Karl runzelte die Stirn. Ihn ärgerten Martins Anzüglichkeiten. Er hatte den Verdacht, dass sein Freund das wusste und absichtlich so flapsig über Dinge sprach, die Karl wichtig waren. Eigentlich mochte er nicht darauf eingehen, aber er wollte wirklich gern über Lisa reden.
„Ja, also", fing er an, „sie sieht sehr hübsch und gepflegt aus, hat Humor, kann über sich selbst lachen, sie ist sehr selbständig, vermittelt mir aber trotzdem das Gefühl, irgendwie meinen Schutz zu brauchen." Nun kam er in Fahrt: „Sie eröffnet mir neue Welten, gibt mir Lebensmut, sie tut mir gut. So lebendig wie mit ihr habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt."
„Gleich "neue Welten", zog Martin ihn auf. „Geht´s nicht eine Nummer kleiner?"
„Du weißt schon, was ich meine. Andere Interessensgebiete eben", knurrte Karl.
„Und was ist mit dem Sex?" fragte Martin.
Karl reagierte sauertöpfisch: „Was du alles wissen willst. Aber ich kann dich beruhigen, auch da verstehen wir uns wirklich gut."
Martin nickte. „Noch eine Frage, eine letzte: Wie ist denn der status quo?"
„Funkstille," seufzte Karl. „Und ihre Emails fehlen mir so."
„Dann bleib dran," schlug Martin vor, „aufgeben wäre jetzt die falsche Taktik."
„Aber was soll ich tun?" Karl schaute ratlos. „Alles, was ich bisher versucht habe, hat sie abgewehrt."
„Wirklich eigenartig", Martin, der sich selbst für einen Frauenversteher hielt, konnte sich auf Karls Geschichte von Lisa keinen Reim machen. Irgendetwas stimmte da nicht. Trotzdem blieb er bei seinem Rat für Karl: „Wenn sie dir wirklich so wichtig ist, darfst du nicht aufgeben. Mail ihr, schicke ihr Blumen, ruf sie an - tu alles, um ihr zu zeigen, wie wichtig sie dir ist. Glaub mir, das ist nie verkehrt." Er trank den letzten Schluck aus seinem Glas.
Karl grübelte. Schließlich sagte er entschlossen: „Ja, das mache ich!" Selbst das mit dem Zettel von Ines würde er Lisa schon irgendwie erklären können. War doch eine alte Geschichte und gar nicht wichtig. Lisa würde das einsehen. So wie die Situation jetzt war, so konnte sie nicht bleiben. Dazu hatte ihre gemeinsame Geschichte viel zu schön begonnen. Er würde einen neuen Anlauf nehmen, beschloss er.
***




