Früher war die Zukunft länger [11]

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Kapitel 3 / 3

Lisa zögerte kurz, aber dann erzählte sie ihrer Tochter von der im Zug vergessenen Brille, von den vielen Mails, die folgten, von den Treffen in München und Berlin. Von dem Zettel und „I." sprach sie nicht. Diese unangenehme Geschichte schob sie beiseite. Daran wollte sie jetzt nicht denken. Sie deutete nur an, dass ihr Freund und sie sich über die Frage, wo und wie man Weihnachten feiere, ins Streiten gekommen seien und man zurzeit nicht viel voneinander höre.

Danach geriet sie, ohne es zu merken, ins Schwärmen. Sie sprach von Karls Fürsorglichkeit, seinem Witz, seinem Charme, seinen vielen Interessen. Zwischendurch stellte Anne viele Fragen. Nach dem Aussehen, dem Beruf, dem Familienstand des Mannes. Und schließlich die entscheidende: „Willst du ihn heiraten?"

„Nein, nein," versicherte Lisa, „an Heirat denkt keiner von uns. Und auch nicht ans Zusammenziehen."'

„Warum eigentlich nicht?" beharrte Anne. „So eine long-distance-love-affair ist schon für junge Leute anstrengend und risikoreich. Und die haben häufig gar keine andere Wahl, weil ihre Jobs sie an unterschiedliche Standorte binden. Für ältere Leute ist das sicher auch nicht einfach, weit fahren zu müssen, um sich sehen zu können. Dabei wäre es für dich doch kein Problem, bald in Altersteilzeit oder Rente zu gehen und dann kannst du dir deinen Lebensabend einrichten wo und mit wem du willst."

„Aber was wäre dann mit euch?"

„Also, Mama, dann besuchen wir dich in Berlin und nicht in München. Ist für Eva und mich sogar näher." Anne sah wie immer zu allererst die praktische Seite.

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