Hexenschuß

Fast jeder kennt ihn - den ins Kreuz schießenden Schmerz. Und wer ihn kennt, der fürchtet ihn. Ein Hexenschuß kann einen blitzschnell außer Gefecht setzen.

In aufrechter Haltung und bei genügend kräftiger Muskulatur ist die Wirbelsäule gut ausbalanciert. Infolge von Fehlhaltungen und der Schwäche einzelner Muskelgruppen werden andere Muskelgruppen verstärkt belastet, d. h. überlastet. Es kommt zu Muskelverspannungen, die an sich schon mit Schmerzen einhergehen können. Doch nicht nur an der Muskulatur spielen sich Vorgänge ab, die zu Rückenschmerzen führen können. Der Alterungsprozeß der Wirbelsäule betrifft vor allem die Zwischenwirbelscheiben, die sogenannten Bandscheiben. Sie besitzen einen gallertartigen Kern, der von einem Ring aus festen Fasern gehalten wird. Mit der Zeit wird der Ring brüchig, der Gallertkern erhält mehr Bewegungsspielraum, als ihm eigentlich zusteht. Bei einer unbedachten Bewegung verlagert er sich, und die Wirbel verkippen leicht gegeneinander.

Die kleinen Gelenke, die die Wirbel miteinander verbinden, reagieren auf die Kippbewegung empfindlich. Sie stehen über Nervenfasern mit der Wirbelsäulenmuskulatur in Verbindung. Über dieses »Informationssystem« kommt es zur Verkrampfung der Muskulatur. Die Verkippung der Wirbelgelenke nimmt zu, der Hexenschuß »sitzt«. Sorgt der Bandscheibenkern nicht nur für eine Kippbewegung, sondern bedrängt er gar einen der Nervenstränge, die aus dem Rückenmark austreten, so spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Der Schmerz bleibt dann häufig nicht nur auf die Wirbelsäule begrenzt, sondern strahlt in die Beine, z. B. in die Kniekehle, aus. Aus dem Hexenschuß, der sogenannten Lumbalgie, wird eine Lumboischialgie, oft auch kurz Ischias genannt.

Erste Hilfe, wenn die Hexe schießt

Hat Sie ein Hexenschuß ereilt, sollten Sie sich erst einmal schonen. Besonders Sitzen ist in diesem Moment ungünstig. Am besten, Sie entlasten Ihre Wirbelsäule durch eine Stufenlagerung. Winkeln Sie Ihre Beine im Kniegelenk und in der Hüfte jeweils an, bauen Sie mit Kissen, Schaumstoff, einem Stuhl oder einer Kiste eine hohe Stufe, und legen Sie Ihre Unterschenkel darauf.

Die Schmerzen können Sie kurzfristig mit rezeptfreien Schmerzmitteln, beispielsweise mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol, bekämpfen; gegen die Muskelverspannung hilft Wärme. Bettruhe ist in der ausgeprägt schmerzhaften Phase empfehlenswert; sobald es Ihnen allerdings etwas bessergeht, sollten Sie anfangen, sich vorsichtig wieder zu bewegen. Denn eine zu lange Ruhigstellung schwächt Ihre Muskulatur zusätzlich.

Zum Arzt sollten Sie gehen, wenn

  • Sie zum ersten Mal von derartigen Schmerzen betroffen sind,
  • die Beschwerden stark ausgeprägt sind,
  • sich die Schmerzen nicht innerhalb von drei Tagen deutlich bessern,
  • sich die Schmerzanfälle häufig wiederholen,
  • die Schmerzen vor allem nachts auftreten,
  • Sie zusätzlich Fieber haben,
  • sich in den Beinen ein Gefühl der Kraftlosigkeit einstellt,
  • Sie sich nicht mehr auf Ihre Zehen oder Ihre Fersen stellen können,
  • sich Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Blase oder Mastdarm einstellen,
  • Sie Mißempfindungen wie z. B. Kribbeln oder Gefühllosigkeit im Bereich der Beine bemerken.

Im Verlauf einer körperlichen Untersuchung wird der Arzt erst einmal feststellen, wo die Ursache für die Schmerzattacke liegt. Gegebenenfalls wird die körperliche Untersuchung durch diagnostische Methoden wie Röntgen, Computertomographie und Kernspintomographie ergänzt. Die aufwendigeren unter diesen Untersuchungen werden jedoch nur im Hinblick auf ganz bestimmte Fragestellungen durchgeführt, beispielsweise bezüglich der Frage, ob eine Operation angezeigt sei oder nicht. Auch ohne ganz exakte Diagnose kann der Arzt für Schmerzlinderung sorgen, indem er schmerzstillende Medikamente spritzt. Zudem kann er Ihnen ganz gezielt Schmerzmittel und muskelentspannende Mittel verschreiben. Er wird Sie auch dahingehend beraten, welche persönliche Vorsorge Sie treffen können, um nach dem Abklingen der akut schmerzhaften Phase eine erneute Schmerzattacke zu vermeiden.

Das kann helfen

  • Manuelle Therapie: Hier werden Muskeln oder Gelenke mit bestimmten Handgriffen wieder beweglicher gemacht.
  • Bewegungstherapie, d. h. Krankengymnastik: Sie zielt darauf ab, die Funktion und das Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen zu verbessern.
  • Physikalische Maßnahmen: Dies sind sogenannte passive Verfahren wie verschiedene Massagetechniken, Wärmepackungen (Moor, Fango), Unterwasserstrahlmassagen und Wärmeanwendungen mittels Ultraschall oder Hochfrequenzströmen.
  • Reflextherapie: Unter diesem Begriff werden Verfahren zusammengefaßt, die im weitesten Sinne die Weiterleitung von Schmerzimpulsen auf Rückenmarksebene hemmen. Dazu gehören die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) und die Akupunktur.
  • Entspannungstechniken: Von ihnen kommen hauptsächlich das autogene Training und die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson in Frage. Entspannungstechniken können das Allgemeinbefinden bessern und bei der Schmerzbewältigung helfen. Unterstützt werden kann das Entspannungstraining durch Biofeedback-Verfahren, beispielsweise indem der Spannungszustand der Rückenmuskulatur durch optische oder akustische Signale bewußtgemacht wird.

Verhaltenstherapie und eine psychoanalytisch orientierte Schmerztherapie: Hilfe für die Psyche ist meist dann sinnvoll, wenn Rückenschmerzen zu einem »Dauergast« werden. Als Folge davon stellen sich nämlich nicht selten depressive Verstimmungen ein. Die Verhaltenstherapie trainiert Fertigkeiten zur Schmerzbewältigung und versucht, die Fähigkeit zur positiven Alltagsgestaltung zu verbessern. Die psychoanalytisch orientierte Schmerztherapie versucht, die seelischen Hintergründe der chronischen Schmerzen zu erhellen, um die Bewältigung eventueller ungelöster Konflikte zu ermöglichen. Da jeder Mensch Schmerzen auf andere Weise verarbeitet, muß auch individuell entschieden werden, welche psychotherapeutische Methode geeignet ist und Erfolg verspricht.

ix20 blue 1.4 - süßer Zwerg

Mit Autos verhält es sich wie mit Männern – sie gefallen auf Anhieb, oder man tut sich schwer damit. Was ...