Hydroxylapatit kann Zahnschmelz reparieren
Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers, aber keinesfalls unverwundbar. Vor allem Säure greift den natürlichen Schutzmantel der Zähne an und zerstört dessen Mineralstruktur durch mikroskopisch kleine Risse und Löcher im Zahnschmelz. Hydroxylapatit ist ein kristallines Material, dessen Hauptbestandteile Calcium und Phosphat sind. Und ausgerechnet diese Bestandteile löst Säure aus dem Zahnschmelz heraus. Die Folge: Die Zähne werden empfindlicher, brüchiger und im Alter sogar durchsichtiger und kleiner. Ein geeignetes Mittel zum Schutz vor Zahnerosion gab es bislang nicht. Wissenschaftlern ist es jetzt jedoch gelungen, Hydroxylapatit (in Kombination mit Zink-Carbonat) in einer so neuartigen Struktur herzustellen, dass beschädigter Zahnschmelz damit repariert werden kann. Und Zahnbelag verhindert wird.
Schon in den 80er Jahren ergaben Untersuchungen, dass man mit Hydroxylapatit gute Erfolge in der Behandlung überempfindlicher und freiliegender Zahnhälse erzielen kann. Die zahnähnliche Substanz Hydroxylapatit wurde dazu einer Zahnpasta beigemischt. Nach zwei Tagen der Anwendung war das mit dieser Paste behandelte Dentin selbst gegenüber Elektroreizung schmerzunempfindlich. Die offenliegenden Dentinkanälchen waren durch Anlagerung des Mineralsalzes Hydroxylapatit dicht verschlossen worden.
Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Hannig (Universitätsklinik Homburg/ Saar) hat jetzt erstmals nachgewiesen, dass eine Verbindung aus Zink-Carbonat-Hydroxylapatit Zahnschmelz vor Erosion schützen kann. Die einzigartige Wirkstoff-Kombination hat der Spezialist für organische Oberflächen, Prof. Dr. Norberto Roveri von der Universität Bologna, entwickelt. Sie repariert verlorene Substanz, indem sie sich selbstständig (bioaktiv) mit dem natürlichen Zahnschmelz verbindet.
Roveri ist es als erstem Wissenschaftler gelungen, die Größe und Struktur seiner Wirkstoff-Partikel so einzustellen, dass sie auch in mikroskopisch kleinste Risse und Löcher eindringen können. Erodierter Zahnschmelz wird dadurch automatisch repariert. Ein Effekt, der zahlreichen Menschen helfen könnte: Denn einer Studie zufolge ist der Zahnschmelz bei fast jedem fünften Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren beschädigt.
Die Untersuchungen wurden zunächst im Laborexperiment durchgeführt, um unter maximal standardisierten Versuchsbedingungen die Vorgänge nachzuweisen. Dieser Effekt konnte von Prof. Hannig „in vivo" - also unter realen Bedingungen in der Mundhöhle - bestätigt werden.




