Dermatologie: IMCAS-Kongress Paris

Zum 19. Mal fand in Paris der International Master Course on Aging Science(IMCAS) statt. Dieser sich ausschließlich mit ästhetischer Medizin aus den Bereichen der Dermatologie und der plastischen Chirurgie befassende Welt-Kongress zog vier Tage rund ca. 6000 Teilnehmer aus 85 Ländern mit spannenden Vorträgen ins “Palais de congrès”

  • ©IMCAS 2017

Ästhetische Medizin: Neueste Techniken und modernste Gerätschaften

Hyaluronsäure und Botulinumtoxin: So wurden am ersten Tag in mehreren Live-Schaltungen, unter anderem auch direkt aus Indonesien, verschiedene ästhetische Eingriffe und Verfahren gezeigt, vornehmlich Injektionen mit Fillern. In den USA gibt es nur ca. 10 verschiedene zugelassene Präparate, in Europa über 100 Stück. Da kann man schnell mal den Überblick verlieren. Das es so viele verschiedene Produkte gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass Hyaluronsäure hierzulande nicht als Medikament angesehen wird sondern nur als Medizinprodukt wie zum Beispiel auch ein Pflaster und daher keine aufwändigen Zulassungsstudien wie bei Medikamenten erforderlich sind. Das ist auch der Grund, warum zum Beispiel Heilpraktiker Hyaluronsäure injizieren dürfen aber kein Botulinumtoxin, wobei ersteres ein höheres Nebenwirkungsrisiko hat.

Auf Verlauf der Arterien achten: So wurden dann auch an präparierten menschlichen Kadavern die wichtigsten anatomischen Strukturen dargelegt und die gefährlichsten Regionen hervorgehoben, welche bei ästhetischen Eingriffen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Gleichzeitig wurden an lebenden Probanden die dazu gehörigen ästhetischen Behandlungen durchgeführt. Besonders hervorgehoben wurde, wie wichtig es ist bei Injektionen mit Hyaluronsäure vor allem auf den Verlauf der Arterien in der temporalen Region zu achten und in der richtigen Ebene zu injizieren, entweder direkt über dem Knochen oder im Bereich des subkutanen Fettgewebes.

Fadenlifting: Noch wichtiger ist die Struktur des subkutanen Fettgewebes beim Einbringen von Fäden. Das Fadenlifting muss nicht nur um Komplikationen zu vermeiden, sondern vor allem um einen guten Effekt zu erzielen, unbedingt in diesem Gewebeanteil erfolgen. Zu tief sitzende Fäden werden an Strukturen fixiert die nicht beweglich sind und daher zu keinem Liftingeffekt führen und zu oberflächlich verlaufende Fäden wiederum scheinen durch die Haut durch. Der Effekt hält in der Regel circa 12 bis 24 Monate an und die ganze Prozedur dauert in der Regel nicht länger als 30-45 Minuten, wobei zu erwähnen ist, dass der maximale Effekt häufig erst einige Monate später zu erwarten ist.

Das Fadenlifting im Bereich des Gesichts und der Halsregion hat sich innerhalb der letzten Jahre immer mehr als erster Schritt vor einem chirurgischen Eingriff etabliert, wenn es logischerweise auch nicht so offensichtliche Ergebnisse erzielt ist es doch viel besser verträglich und einfacher und schneller durchzuführen. Bei Polymilchsäurefäden gibt es außer dem mechanischen Effekt auch noch den chemischen Effekt. Dies wurde nun zuletzt in einer histologischen Studie am Menschen untersucht. Diese hat nicht nur gezeigt, dass diese Fäden sicher sind für den Menschen, sondern dass dadurch auch vermehrt Kollagen 1 produziert wird. Diese Neokollagenese induziert wiederum eine bessere Verankerung der Fäden und wirkt synergistisch und führt zudem noch zu einer Verbesserung der Hautqualität.

Die periorbitale Region ist ein beliebtes Angriffsziel der Hyaluronsäure. Ein müdes Erscheinungsbild auf Grund einer vermehrten Tränenrinne und Verlust von infraorbitalem Volumen lässt viele Patienten den Dermatologen aufsuchen. Hierbei gibt es hauptsächlich zwei Injektionsmöglichkeiten. Entweder mit der Kanüle oder mittels einer Nadel. Am wichtigsten zu beachten sind die Gefäße und Nerven die man dabei verletzen kann. Sie befinden sich vor allem im medialen Augenbereich ca. 8-10 mm unterhalb des Orbitarandes. Entweder man geht lateral unterhalb des äußeren Augenwinkels mit der Kanüle direkt subdermal entlang des Orbitaknochens nach medial oder man kommt, von unten vom Wangenbereich her, und injiziert mehrere parallel verlaufende Bahnen von Hyaluronsäure infraorbital. Wichtig ist immer zu unterscheiden zwischen den beiden verschiedenen Fettschichten, nämlich dem oberflächlichen subkutanen dynamischen Fett und dem tiefen statischen und nicht beweglichen Fett. Möchte man nämlich mit Hyaluronsäure zum Beispiel dem Mittelgesicht mehr Volumen verleihen so ist es wichtig die Substanz in das tiefe statische Fett zu injizieren, da man sonst nicht den gewünschten Effekt erzielt. Um unnötige Komplikationen mit Fillern zu vermeiden, ist es wichtig auf Gefäße und Nerven zu achten. Vor allem die Arteria und Vena facialis sind stets zu beachten, da hier die schwerwiegendsten Nebenwirkungen auftreten können, nämlich die versehentliche Injektion von Hyaluronsäure in die Gefäße mit möglicher Okklusion, Infektion, Nekrose und in den seltensten Fällen gar Erblindung. Um dies zu vermeiden sollte man zum einen nicht parallel zum Verlauf der Gefäße injizieren sondern quer und zum anderen sollte man in Risikoarealen mehr auf dickere stumpfe Kanülen zurückgreifen, da eine Perforation oder versehentliche Injektion damit viel weniger wahrscheinlich ist. Generell ist zu empfehlen im sicheren Bereich mit den Kanülen zu bleiben, welcher sich in der Regel direkt subdermal befindet, da dort zumeist keine relevanten Gefäße verlaufen. Wichtig ist vor allem das langsame und vorsichtige Voranschieben der Kanüle und das Injizieren ohne zu starken Druck. Zudem sollte immer beim Zurückziehen der Spritze injiziert werden, also retrograd.

Sollte es doch in seltenen Fällen ausnahmsweise zu dem Verschluss eines Gefäßes kommen, ist es von größter Wichtigkeit so schnell wie möglich mittels Hyaluronidase die Hyaluronsäure wieder aufzulösen. Sollte man sich nicht sicher sein, sollte man im Zweifel nicht zögern und auch nicht untertherapieren, sondern lieber das ganze Areal “fluten”. Danach sollte man das Areal massieren und im Zweifelsfall bei nicht ausreichender Besserung stündlich die Injektionen wiederholen. Zudem sollte man begleitend antibiotisch behandeln und mit Wärmekompressen arbeiten. Im Fall von Visus-Problemen ist eine retrobulbäre Injektion notwendig, dies sollte in der Regel durch einen erfahrenen Ophthalmologen erfolgen oder durch einen hierin speziell fortgebildeten Arzt.

PRP (platelet rich plasma) – wirkt auch bei Haarausfall: Ein anderes relativ neues Thema war dieses Jahr auch “PRP”. Diese Behandlungen mit “platelet rich plasma” werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Dem Patienten wird zuerst Blut abgenommen, dieses dann zentrifugiert worauf sich zellreiches Material absetzt, welches dann dem Patienten wieder injiziert wird - in alle möglichen Bereiche des Körpers. Diese kernlosen Zellen enthalten Wachstumsfaktoren die die Bildung von Kollagen anregen. Bei jedem Menschen ist die Konzentration des Plasma und der wirksamen Bestandteile aber anders, so dass es hilfreich sein kann diese zu messen, um ein eventuelles Versagen der Therapie zu vermeiden. Die klassische Anwendung findet sich im Gesicht zur Rejuvenation der Haut, besser bekannt auch als “Vampire lifting”. Wobei man diese Behandlung in der Regel mit Skinboostern kombiniert um einen besseren Effekt zu erzielen. Weitere Anwendung findet sich zwischenzeitlich auch bei Patienten die unter androgenetischem Haarausfall leiden. Diesen Patienten wird das Material großflächig in die lichten Areale der Kopfhaut injiziert. Auch bei dem häufigen postmenopausalen Effluvium der Frau stellt dies eine interessante und harmlose Therapie dar, welche allerdings, wie alle anderen Therapien gegen Haarausfall auch, nur wirkt wenn man sie dauerhaft durchführt. Der gewünschte Effekt besteht in einer Verlangsamung bzw. dem Aufhalten des Haarausfalles sowie einer Verdickung der verbleibenden Haare um ca. 50%. Zu Beginn der Therapie wird für die ersten 3 Monate monatlich injiziert, danach alle 3 Monate einmal. PRP kann aber auch im Genitalbereich appliziert werden. Bei der Frau um die äußeren Schamlippen aufzubauen, dann aber in Kombination mit einer Eigenfettinjektion oder aber auch zur Behandlung der postmenopausalen vulvovaginalen Trockenheit von der bis zu 60% der Frauen ab einem gewissen Alter betroffen sind. Diese geht einher mit Juckreiz, Spannungsgefühl und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Interessant ist dies vor allem für Frauen, die auf Grund von Brustkrebs keine Hormontherapie durchführen können. Hier wird PRP in Kombination mit Hyaluronsäure in die hintere Vaginalwand und das Perineum injiziert, allerdings nur oberflächlich submukös.

Beim Mann wiederum wird PRP in Kombination mit Eigenfett zur Vergrößerung des Penis verwendet. Für den Patienten aufwändig ist die Nachbehandlung, da er eine Woche lang alle 2 bis 3 Stunden den Penis massieren muss, um die Bildung von Fettzysten zu vermeiden. Aber auch mit Hyaluronsäure lässt sich das Erscheinungsbild des männlichen Geschlechtsteils verbessern. Vor allem den Umfang kann man um bis zu 2,5 cm vergrößern, in der Länge ca. 1-2 cm. Hierfür werden ca. 5-10 ml Hyaluronsäure um die Schwellkörper herum injiziert. Für 48 Stunden darf der Patient sich dann nicht dem Geschlechtsverkehr hingeben.

Kryolipolyse: Ein weiteres Feld der ästhetischen Medizin ist die Reduktion von ungeliebtem Körperfett. Eine elegante Therapie ist hier die Kryolipolyse. Das Prinzip dahinter ist durch ein lokales Herunterkühlen von Fettgewebe auf 4 Grad Celsius den Zelltod von subkutanem Fett zu induzieren, ohne die darüber liegende Haut zu beschädigen, da diese weniger kälteempfindlich ist als das Fettgewebe. Beobachtet wurde dieser Effekt erstmals bei Frauen Ende des 19. Jahrhunderts die bei kalten Temperaturen häufig mit dem Pferd in der freien Natur reiten waren. Der Effekt stellt sich aber nicht sofort ein, sondern wird meist erst nach 3 bis 4 Monaten erreicht. Zwischenzeitlich gibt es Adapter in allen Größen für alle möglichen Bereiche, so unter anderem auch für das “Doppelkinn” bzw. den Hals. Bisherige Erfahrungen und Studien mit bis zu 6 Monaten Nachbeobachtung zeigen keine dauerhaften Schäden, vorübergehend kann es zu Hämatomen und sensorischen Missempfindungen wie Taubheitsgefühl kommen, welche aber in der Regel nicht länger als maximal einen Monat anhalten.




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