Aufstand der Seele

Stress ist immer häufiger Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen, weiß Justus. „Neben chronischen Erschöpfungszuständen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Magen-Darm-Beschwerden, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen keine Seltenheit.“ Grund dafür seien insbesondere der steigende Leistungsdruck und die Zunahme an Reizüberflutung. Aber auch Arbeitslosigkeit, Trauer und Unzufriedenheit können sich negativ auf Körper und Seele auswirken. „Über einen gewissen Zeitraum können wir uns auf starke psychische Belastungen einstellen. Dauerhaft können sie allerdings zu einer Störung führen, die nicht nur nervliche, sondern auch körperliche Auswirkungen haben kann.“

Warnsignale nicht verkennen

Frühe Warnsignale für chronische Erschöpfungszustände werden oft verkannt und unterschätzt. Dr. Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen : „Bereits andauernde Müdigkeit, Motivationsverlust, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Leistungsschwäche oder Vergesslichkeit können Anzeichen für geistige Erschöpfung oder gar Burnout sein.“ Aber auch auf den Körper wirkt sich Stress negativ aus. „Er bewirkt eine erhöhte Ausschüttung von Glukokortikoiden, also Steroidhormonen, die in der Nebennierenrinde produziert werden.“ Sie haben Einfluss auf Nervensystem, Stoffwechsel, Herz und Kreislauf. „Sie wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd, schwächen aber langfristig das Immunsystem.“ Die Folge: Die Herzschlagfrequenz erhöht sich, Blutdruck und Blutzucker steigen. „Ändert sich an diesem Zustand nichts, kann das zu Erkrankungen der Arterien, des Darmes, des Herz-Kreislauf-Systems und sogar zu Diabetes mellitus führen“, warnt die Kammergeschäftsführerin.

Arzneimittel nur begleitend einsetzen

„Bestimmte Arzneimittel können die Wiederherstellung der Gesundheit fördern und die Abwehrprozesse des Körpers regulieren. Sie sollten allerdings keine Haupttherapie-Maßahme sein“, sagt Justus. Insbesondere Heilpflanzen hätten sich als begleitende Arzneimittel-Therapie gut bewährt: Bei nervöser Erschöpfung und Konzentrationsstörungen helfe zum Beispiel Ginseng. Als Pulver, Sirup, Tee oder Fertigpräparat sei er in Apotheken erhältlich. „Mate wird häufig als Arzneimitteltee bei geistiger und körperlicher Ermüdung eingesetzt, da seine getrockneten Blätter und Blattstile Koffein enthalten.“ Gegen Anspannung, Schlaflosigkeit und Unruhe empfiehlt die Pharmazeutin hingegen Passionsblume. „Sie wirkt ausgleichend und beruhigend, hilft bei Wechseljahres-, wetterbedingten und nervösen Magen-Darm-Beschwerden und ist als Dragee, Tropfen oder Teezubereiten ebenfalls apothekenpflichtig.“ Kombinationspräparate aus Passionsblume, Baldrian und Hopfen seien zudem bei Schlafstörungen empfehlenswert. „Baldrian, Johanniskraut und Passionsblume haben zudem positiven Einfluss auf die Stimmung.“

Pflanzlich bedeutet nicht ungefährlich

Pflanzliche Arzneimittel seien aber nicht frei von Nebenwirkungen. „Ginseng sollte nicht während der Schwangerschaft und bei Diabetes mellitus oder der Einnahme von blutverdünnenden Arzneimitteln zu sich genommen werden“, so Justus. Die Anwendung von mehr als drei Monaten könne zudem zu Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und Ödemen führen. Auch Mate sei während der Schwangerschaft kontraindiziert und dürfe wegen des Koffeins nicht überdosiert werden. „Vor Einnahme von Passionsblume in der Schwangerschaft ist die Rücksprache mit dem Arzt ebenfalls erforderlich.“ In seltenen Fällen seien allergische Reaktionen auf Passionsblume möglich.

Dem Stress auf den Grund gehen

Im fortgeschrittenen Stadium des Erschöpfungszustandes sollte jedoch dringend ein Arzt aufgesucht werden. „In manchen Fällen ist eine gezielte Psychotherapie unerlässlich, ebenso wie eine damit einhergehende psychopharmakologische Behandlung mit beispielsweise Antidepressiva“, erklärt Justus. In jedem Fall sollte der Ursache des Dauerstresses auf den Grund gegangenen werden. „Wer keine Lösung für seinen Dauerstress findet, erhält auch durch pflanzliche Arzneimittel keine Besserung“, so Justus. Wichtig sei hierbei vor allem, sich den Stressfaktor einzugestehen. „Das können auch Emotionen wie Wut und Angst sein.“ Oft helfe eine Psychotherapie den Betroffenen dabei, sich selbst besser einschätzen zu können und sich realistischere Ziele zu setzen.

Eine ausgeglichene Lebensführung, regelmäßige Bewegung sowie ein gesundes Wohn- und Arbeitsumfeld seien aber ebenfalls notwendig. „Ausgleichmöglichkeiten wie Sport, Musik oder ein anderes Hobby, aber auch ausreichend Schlaf und Entspannung sind weiterhin wichtig“, weiß Justus. Bei der Ernährung sollte auf eine vitalstoffreiche Kost geachtet werden. „Das bedeutet wenig Kohlenhydrate, hochwertige Fette und Eiweiße und bestenfalls Bio-Kost, um den Körper nicht zusätzlich mit etwaigen Hormonen oder Antibiotika zu belasten.“ Joga, Autogenes Training oder Qui Gong könnten zudem den Umgang mit Stresssituationen erleichtern.




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