Derma-Update November 2014

Diese beachtenswerte Veranstaltung hat sich inzwischen im Reigen der deutschsprachigen Dermatologen-Kongresse etabliert. In konzentrierter Form werden dem Zuhörer die neuesten Entwicklungen in allen Bereichen der Dermatologie präsentiert. Ebenso konnten die rund 1000 Teilnehmer auf ein gut ausgearbeitetes Skript zurückgreifen. Aufgrund der großen Nachfrage wurde als zweiter Austragungsort Berlin angeboten, der ebenso ausverkauft ist.

Atopie

Ein wichtiges Thema war auch dieses Jahr wieder Schwangerschaft und Allergieprävention. Hier gab es neue Daten zu Vitamin D Substitution in der Schwangerschaft. So gibt es Hinweise, dass ein zu hoher Spiegel das Auftreten einer Atopie beim Neugeborenen erhöhen könnte.

Eine interessante Entwicklung, die zum Teil konträr zu früheren Studien ist, ist das Thema des frühen Milch- und Erdnusskonsums in der Schwangerschaft. Hier gibt es in neuen Studien Hinweise darauf, dass ein solcher Konsum protektiv wirkt und das Risiko für Atopie beim Neugeborenen senkt. Dennoch ist es zu früh um hier diätetische Empfehlungen diesbezüglich zu geben.

Bisher gibt es generell keine diätetischen Empfehlungen in der Schwangerschaft laut den aktuellen Leitlinien, bis auf die Empfehlung zu regelmäßigem Fischkonsum.

Als ein gewisser Risikofaktor für eine spätere und schwächere Remission einer kindlichen Neurodermitis wird auch das Halten von Katzen, nicht jedoch von Hunden genannt.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass es Hinweise gibt, dass es bei der Aufnahme von Lebensmitteln oral und Kontakt mit diesen über die Mundschleimhaut eher zu einer Immuntoleranz kommt. Kommt es jedoch erst zu Hautkontakt mit den Lebensmitteln, erhöht dies bei Atopikern eher das Allergierisiko, so vorallem bei Erdnuss, welche auch in Pflegeprodukten und der Raumluft vorkommen kann.

Superinfektionen bei Neurodermitis werden in der Regel durch Staphylococcus aureus ausgelöst. Hier zeigen sich jedoch immer mehr Resistenzen, v.a. gegen Penicilline in bis zu 60% der Fälle. Daher ist eher die Empfehlung, in einem solchen Fall mit Cephalosporinen der ersten Generation zu arbeiten. Bei weniger starkem Befall empfiehlt sich die Anwendung von topischen Antiseptika. Hier bieten sich vorallem Triclosan und Chlorhexidin an.

Zur Therapie der Neurodermitis mit topischen Calcineurininhibitoren gibt es auch nach über 10 Jahren noch keine verlässlichen konkreten Hinweise, dass diese wirklich das Hautkrebs- und Lymphom-Risiko erhöhen.

Bei Kontaktallergien scheint Kobalt an Bedeutung zu gewinnen, da es immer mehr auch in verschiedenen v.a. gefärbten Lederprodukten wie z.B. Sofas und Schuhen nachzuweisen ist und nicht mehr nur wie so oft zusammen mit Nickel in Metallen.

Auch das Konservierungsmittel Methylisothiazolinon (MI) ruft immer häufiger Kontaktallergien hervor. Leider kommt es immer noch in vielen Kosmetikartikeln und Pflegeprodukten vor. Häufig kommt dieser Stoff auch in Wandfarben vor, was v.a. bei Malern zu einem Problem führen kann.

Psoriasis

Ein neues systemisches voraussichtlich bald verfügbares Medikament zeigt vielversprechende Studienergebnisse. So führt der neue IL-17 Antagonist Secukinumab in einer 300 mg Dosierung alle 4 Wochen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden mit einem PASI 90 nach 52 Wochen bei 62% der Probanden. Auch liegt ein gutes Nutzen-Risiko-Profil hierfür vor.

Zum Abschuppen der Psoriasisplaques empfiehlt man zwischenzeitlich immer weniger Salicylsäure auf Grund seiner Toxizität und hohen systemischen Resorptionsrate. V.a. bei Kindern ist hiervon abzuraten. Vor allem am Kopf wird empfohlen Unguentum emulsificans aquosum mit oder ohne beigemischtem Kortikoid zu verwenden, da dies einen guten keratolytischen Effekt besitzt.

Eine Nagelpsoriasis geht signifikant häufiger mit einer mykologischen Koinfektion einher, und zwar in fast 20% der Fälle. Dennoch ist bei einem Pilzbefall der Nägel nicht unbedingt eine systemische antimykotische Therapie empfohlen, da sie in nur 30% der Fälle von Erfolg gekrönt ist und zudem keinen positiven Effekt auf den Verlauf der Nagelpsoriasis hat.

Ein wahrscheinlich noch unterschätztes Thema ist die Korrelation zwischen Psoriasis und Parodontitis. So zeigte eine groß angelegte Studie aus Taiwan bei 100.000 Probanden ein 50% höheres Risiko für Patienten mit einer chronischen Parodontitis eine Psoriasis zu entwickeln. Als wichtigster Kofaktor wird das Rauchen angesehen. Rauchen erhöht bei Psoriasis-Patienten im Vergleich zu hautgesunden Menschen stark das Risiko für eine Parodontitis. Daher sollten gerade rauchende Psoriasis-Patienten mit einem akuten Schub im Rahmen der Triggersuche sich zahnärztlich v.a. hinsichtlich einer Parodontitis vorstellen.

Akne und Rosacea

Bei der Akne tarda konnte in einer asiatischen Studie auch der Nikotinabusus als ein deutlicher negativer Einflussfaktor identifiziert werden. Zudem schlagen antibiotische Therapien relativ schlecht an, daher wird eine Therapie mit Vitamin A Präparaten empfohlen.

In der Stillzeit sind, im Gegensatz zur Schwangerschaft, auch topische Retinoide als sicher anzusehen. Auch BPO, welches schon seit 80 Jahren in der Aknetherapie eingesetzt wird, gilt in der Stillzeit als sicher, genau so wie Azelainsäure. Sollte eine systemische Therapie von Nöten sein, bietet sich hier Erythromycin oder Clindamycin an.

BPO ist generell für einen schnellen Wirkeintritt einer erfolgreichen Aknetherapie verantwortlich und sollte nur in 2,5% Dosis in Kombinationen verwendet werden, da eine höhere Dosierung nicht mit einem besseren Effekt sondern nur mit mehr Nebenwirkungen einhergeht.

Als systemische Alternative zu Isotretinoin wurde in einer Studie die Kombination aus Doxycyclin 200 mg + Adapalen + BPO untersucht. Diese Kombination erbrachte eine Besserung von 78%, Isotretinoin jedoch von 93%.

Auch das Thema Isotretinoin und chronisch entzündliche Darmerkrankungen wurde diskutiert, und es bleibt festzustellen, dass auch solche Patienten grundsätzlich hiermit behandelt werden können.

Als relatives neues Präparat ist nun Brimonidin für die Rosacea erythematosa verfügbar. So konnte gezeigt werden, dass es nicht zu einer Anhäufung des Wirkstoffs im Blut kommt und man von einem guten Sicherheitsprofil ausgehen kann. Der Wirkungseintritt beginnt nach ca. 30 min und hält dann bis zu 12 Stunden an. Nach Absetzen des Medikamentes kam es zu keiner Verschlechterung im Vergleich zum Ausgangsbefund. Eine langfristige Verbesserung ist mit dem Präparat nicht zu erreichen, es wirkt also nur während der Anwendung, dafür aber verlässlich.

Ein neues und auch sehr vielversprechendes Präparat, welches für Mitte nächsten Jahres erwartet wird, ist topisches Ivermectin 1%. Es zeigte eine vergleichbare bzw. eine gar leicht bessere Wirkung als 0,75% Metronidazol und ein signifikant längeres rezidivfreies Intervall.

Auch die Diskussion der Anwendung von Doxycyclin 40 mg/Tag systemisch bei okulärer Rosacea wurde geführt. Aufgrund von fehlenden Patienten mit dieser Problematik in der Zulassungsstudie wird dies im Beipackzettel leider nicht empfohlen, was immer wieder auch zu Diskussionen mit den Patienten führt. Dieses Medikament ist aber, wie eine neue Studie nun auch schwarz auf weiß unsere Erfahrungen bestätigt, hoch wirksam und notwendig bei der okulären Rosacea, v.a. in der Langzeittherapie. Auch bei der Nachkontrolle nach über einem Jahr nach Beendigung der Therapie waren 80% ophthalmologisch komplett abgeheilt.

Photodermatologie

Dass UV Licht das Risiko für Hautkrebs erhöht ist nicht neu, nun zeigte eine Studie aber auch, dass das UV Licht auch die Metastasierungstendenz bei Melanomen erhöhen kann.

Ein auch immer wieder von den Patienten vorgebrachtes Argument ist das Vorbräunen vor dem Sommer bzw. dem Urlaub um die Haut an die “Sonne zu gewöhnen”. Hier konnte nun durch eine Studie schön gezeigt werden, dass dies überhaupt nichts bringt und nur einem Lichtschutzfaktor von ca. 3 entspricht. Effizienter Sonnenschutz beginnt aber erst ab 20, daher ist das Vorbestrahlen zum Erreichen einer “schützenden Bräune” sinnlos und nicht zu empfehlen! Es ist sogar eher schädlich, da man sich in einer falschen Sicherheit wiegt, die wiederum zu einem laxeren Umgang mit der Sonnenbestrahlung führen kann, was im Endeffekt gar zu mehr Sonnenbränden führt, wie eine Arbeit aus den USA gezeigt hat.

Auch wird immer wieder die Anwendung von Sonnencremes falsch durchgeführt. Um den Faktor zu erreichen, der auf der Sonnencreme angegeben wird, ist es notwendig 2 mg pro cm2 aufzutragen. Dies entspricht beim Gesicht ca. der Menge eines Teelöffels. Generell ist auch zu empfehlen immer nach einer Stunde erneut nachzucremen.

Wenn es auch bei der Vitiligo keine neuen therapeutischen Erkenntnisse gibt, so hat eine eine weitere Studie nochmal bestätigt, dass im Gegensatz zu früheren Vermutungen, Vitiligo Patienten kein erhöhtes Hautkrebsrisiko haben, warum dem so ist weiß man noch nicht ganz genau.

Bei der Neurodermitis und der Phototherapie gibt es nun klare Empfehlungen die eine UV-B Schmalband Therapie der UVA-1 Therapie und der UV-A Therapie vorziehen. Generell spricht die Neurodermitis aber nicht so gut auf UV Strahlung an wie z.B. die Psoriasis. Bei schweren Fällen ist aber eine Bade PUVA eine gute Therapieoption und einfacher Handzuhaben als eine systemische PUVA.

Was PUVA generell betrifft, so wurde nochmal betont, dass nach zwei Bestrahlungen ein Tag Pause erfolgen sollte, und 3-4 Bestrahlungen pro Woche sinnvoll sind. Zudem sollte man nicht direkt zwei mal hintereinander die Bestrahlungsintensität steigern, da die UV Reaktion oft erst zeitversetzt auftritt.

Sexuell übertragbare Erkrankungen und Viruserkrankungen

Wie die letzten Jahre, muss man auch dieses Jahr leider wieder feststellen, dass die Syphillisneuinfektionen weiter ansteigen. Erneut sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 14% gestiegen. Die Therapie bleibt gleich, auch wenn es aktuell Probleme gibt Benzathin-Penicillin in Deutschland zu bekommen, daher muss zum Teil der Umweg über Österreich genommen werden oder die Patienten müssen stationär per infusionem in den Krankenhäusern behandelt werden.

Auch Chlamydien sind ein immer noch aktuelles Thema, dies tritt v.a. bei jungen Frauen und Mädchen auf. Als Therapie der ersten Wahl wird hier Doxycyclin 100 mg 2x/Tag für eine Woche empfohlen. Alternativ ist die einmalige Gabe von Azithromycin 1 g per os möglich.

Eine andere Studie zeigte, dass Pat. bei denen ein Herpes zoster nachgewiesen werden konnte, diese im Verlauf nach oft 6 Jahren ein höheres Risiko für die Entwicklung eines Apoplex oder Myokardinfarktes haben, vor allem wenn die Infektion vor dem 40. Lebensjahr stattgefunden hat

Allergologie

Eine immer wieder diskutierte Frage: Lebt es sich besser auf dem Bauernhof, zumindest aus allergologischer Sicht? Eine große holländische Studie zeigt nun, dass nicht nur das Leben auf einem Bauernhof, sondern auch schon das Leben in der Nähe eines Bauernhofes, auf dem Tiere gehalten werden, das Risiko für allergische Erkrankungen vermindert. Ob Urlaub auf dem Bauernhof schon ausreicht, dies lässt die Studie jedoch offen.

Was die Einnahme von Probiotika während der Schwangerschaft bzw. die Gabe ab dem 6. Lebensmonat betrifft, so zeigte eine Studie lediglich einen leichten protektiven Effekt auf die Ausbildung einer Rhinokonjunktivitis. Daher kann man feststellen, dass es nicht schadet, der Nutzen aber nicht wirklich überzeugend erscheint.

Zudem gibt es eine neue Leitlinie zur Primärprävention von Nahrungsmittelallergien. Besondere Neuerungen sind hier nicht zu verzeichnen, wichtig ist folgendes: Stillen für 4-6 Monate, keine diätetische Einschränkung bei der Mutter notwendig, Einführung vieler verschiedener komplementärer Lebensmittel ab dem 4. Lebensmonat (ohne Restriktionen wie z.B. für Milch, Eier oder Nüsse), Empfehlung zum Verzehr von Fisch in Schwangerschaft und Stillzeit und in der frühen Kindheit.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) wird in Deutschland noch bei zu wenigen Patienten durchgeführt. So erhielten nur 7% der Rhinitispatienten und 5% der Asthmapatienten laut einer Untersuchung eine SIT. Für deutlich mehr Patienten wäre eine solche Therapie aber sinnvoll. Leitliniengerecht ist die Einleitung wenn Allergenkarenz nicht möglich ist oder nicht ausreicht, um Beschwerdefreiheit zu erzielen.

Es gibt auch neue Studien, die zeigen, dass nicht nur eine sublinguale SIT (SLIT) auf Gräserpollen erfolgreich sein kann sondern nun auch Daten für eine Birken und Ragweed SLIT vorliegen, die die Wirksamkeit bestätigen. Dem ist jedoch bisher noch nicht so für die Behandlung gegen die Hausstaubmilbenallergie.

Vor einer SIT gegenüber Bienen- oder Wespengift sollte immer die Serumtryptase bestimmt werden und wenn möglich ACE Hemmer abgesetzt werden.

Eine andere interessante Studie untersuchte die Fahrtüchtigkeit von Rhinitispatienten und kam zu dem Ergebnis, dass die Rhinitis selbst diese beeinträchtigt und sie durch moderne Antihistaminika und nasale Kortikoide wieder ausgeglichen werden kann. Eine Therapie ist also gerade zur Unfallprävention zu empfehlen!

Bei einer chronisch spontanen Urticaria (csU) sollten als Diagnostik immer mind. ein Differentialblutbild, eine Blutsenkung oder CRP erstellt werden. Weitere Untersuchungen nur bei anamnestischen Hinweisen.

Eine sehr interessante neu zugelassene Behandlungsoption bei csU ist Omalizumab bei antihistaminerger Therapieresistenz. Hierbei werden alle 4 Wochen 150-300 mg injiziert, über einen Zeitraum von meist 4 bis 6 Monaten. Bei 69% der Patienten einer kanadischen Studien zeigte sich dann auch noch nach 24 Monaten eine Beschwerdefreiheit.

Anaphylaktoide Reaktionen werden bei Kindern hauptsächlich durch Nahrungsmittel ausgelöst (58%), bei Erwachsenen jedoch hauptsächlich von Insektengiften (55%). Ab einer anaphylaktischen Reaktion Grad II sollte die Anwendung von Adrenalin erfolgen, a.e. mittels Autoinjektor, dies wird immer noch zu selten verabreicht.

Die Wahrscheinlichkeit an einer Nahrungsmittelallergie im anaphylaktischen Schock zu versterben liegt bei im Mittel ca. 1:1.000.000, die Wahrscheinlichkeit ermordet zu werden liegt bei 1:100.000. Dies zeigt, dass die Angst diesbezüglich nicht gerechtfertigt ist.

Wichtig ist auch die Tatsache das schwerwiegende Arzneimittelallergien auch noch bis zu 2 bis 6 Wochen nach Therapiebeginn auftreten können. Der Goldstandard für die Testung auf Arzneimittelallergien bleibt weiterhin die Provokationstestung.

Schwangerschaft

Im folgenden eine Übersicht über die 4 häufigsten Hauterkrankungen in der Schwangerschaft.

  1. Das Pemphigoid gestationis ist eine seltene, selbstlimitierende bullöse Autoimmundermatose. Diese tritt zumeist ab dem 2. Trimenon bis postpartal auf und kann als einzige Schwangerschaftsdermatose in 10% der Fälle auch das Kind betreffen. Klinisch kommt es am Abdomen unter Einbeziehung der umbilicalen Region zu urticariellen Hautveränderungen ohne Striae. Bei Folgeschwangerschaften ist oft ein Rezidiv zu beobachten.

  2. Bei der polymorphen Schwangerschaftsdermatose (PEP oder PUPPP) handelt es sich um eine sehr häufig auftretende Erkrankung die auch selbstlimitierend innerhalb von 4 bis 6 Wochen verläuft, meist zum Zeitpunkt der höchsten abdominalen Distensio. Der Beginn ist fast immer innerhalb der Striae distensae abdominal und es zeigen sich polymorphe Hautveränderungen unter Aussparung der umbilicalen Region. Rezidive sind hier untypisch und das Labor ist unspezifisch. Das Kind ist nicht beeinträchtigt.

  3. Eine für das Kind risikoreichere Erkrankung ist die intrahepatische Schwangerschaftscholestase, welche vor allem im 3. Trimenon und familiär gehäuft auftritt. Bei der Mutter zeigt sich nur Pruritus und fast ausschließlich Kratzexkoriationen. Die Diagnosestellung gelingt nur durch die Bestimmung der Gesamtgallensäuren im Serum, dies kann aber nicht in allen Laboren bestimmt werden. Leberwerte und Bilirubin können normwertig sein. Einzige sinnvolle Therapie ist die Ursodesoxycholsäure.

  4. Die jedoch häufigste Dermatose in der Schwangerschaft ist die atopische Schwangerschaftsdermatose (AEP). Diese tritt meist früher auf als die anderen Hauterkrankungen, in 20% bei schon bekannter atopischer Dermatitis, aber in 80% erstmalig. Die Unterscheidung zur ähnlichen PUPPP liegt hauptsächlich in dem nicht typisch Beginn im Bereich der Striae und im früheren Auftreten, meist schon im ersten Trimenon. Antihistaminika und Steroide sind auch hier Mittel der Wahl, auch UVB Therapie ist möglich.

Ein sehr wichtiges Thema ist natürlich auch immer, wie man in der Schwangerschaft therapieren kann und darf.

Hier gibt es zwischenzeitlich sehr verlässliche Empfehlungen mit hoher Sicherheit. Topische Steroide können sicher bis zu insgesamt 300g über die gesamte Schwangerschaft hinweg gegeben werden, auch stärkere Wirkstoffklassen. Allerdings wird dadurch das Risiko für mütterliche Striae erhöht, v.a. abdominal. Systemisch ist Prednisolon Mittel der Wahl. Hier sollten aber vorallem zwischen Woche 8-11 10-15 mg/Tag nicht überschritten werden.

Bei den Antihistaminika sollten ältere Präparate wie Loratidin und Cetirizin verwendet werden. Auch Dimetinden ist möglich. Dosierungen sind wie auch außerhalb der Schwangerschaft.

Leidet die Patientin unter einer Akne kann man mit Benzoylperoxid und Azelainsäure topisch behandeln (kommt auch häufig in Lebensmitteln vor), Erythromycin, Clindamycin und Metronidazol sind topisch auch möglich, systemisch wäre bis zur 15. SSW Doxy- oder Minocyclin möglich.

Bei mütterlicher Psoriasis können Steroide und auch UVB Therapie erfolgen. Calcipotriol und auch Tacrolimus gelten in begrenztem Maße auch als sicher. Dithranol darf nicht verwendet werden. Systemisch wäre Ciclosporin möglich. Biologika, Methotrexat und Retinoide dürfen nicht verwendet werden. Bei einer geplanten Schwangerschaft sollte bei UVB Therapie Folsäure gegeben werden, da UV Licht den Folsäurespiegel senkt und ein ausreichender Spiegel aber gerade in der Frühschwangerschaft sehr wichtig ist.

Als topische Antibiotika sind außer Erythromycin, Clindamycin und Metronidazol auch Fusidinsäure und Mupirocin sicher. Systemisch sind Penicilline und Cephalosporine die erste Wahl. Aciclovir ist ebenfalls systemisch möglich. Verrucae vulgares können mit Salicylsäure oder Kryotherapie behandelt werden. Podophyllotoxin und Imiquimod sind nicht zu empfehlen bei Condylomata, hier sollte Kryotherapie oder Kauterisation erfolgen.

Pilzinfektionen können lokal mit Miconazol, Clotrimazol oder ggf. Terbinafin behandelt werden. Bei Skabies ist Permethrin einsetzbar.

Als lokales Anästhetikum ist Lidocain während der gesamten Schwangerschaft zu empfehlen. EMLA, also Prilocain sollte nicht verwendet werden.

Bei Männern sollte Finasterid 4 Monate vor geplanter Konzeption abgesetzt werden.

Lasertherapie

Das Lasern von Tattoos wird v.a. in Zukunft ein immer häufigeres Thema. Generell sollten immer erst 2 bis 3 Probebehandlungen durchgeführt werden. Zudem sollten zwischen den Sitzungen mind. 8 Wochen liegen und man benötigt zumeist um die 15 Sitzungen. Zudem hat man festgestellt, dass bei Rauchern der Behandlungserfolg schlechter ist. Dies sollte man zu Beginn der Behandlung kommunizieren.

Enttäuschende Ergebnisse zeigen sich bei der Laserbehandlung des Melasmas, so dass hierfür eine solche Therapie nicht empfohlen werden kann. Das Melasma ist eine chronische nicht heilbare Hautveränderung. Sonnenschutz ist genauso effektiv wie eine Laserbehandlung.

Die Photoepilation erreicht in der Regel nach ca. 6 Monaten eine Reduktion der Haare um ca. 50%-70%. Am ehesten zu empfehlen sind hierfür Alexandritlaser und Diodenlaser. Aber auch eine Epilation mittels IPL Blitzlampe ist bei nicht dunklen Hauttypen mit vergleichbaren Ergebnissen möglich.

Bei den zwischenzeitlich erhältlichen Heimgeräten kommt es auf Grund der deutlich schwächeren Energiedichte nach meist 3 Monaten ohne Behandlung immer wieder zu einem Wiedernachwachsen der Haare, häufig sogar noch mehr als vor der Therapie, so dass man genau das Gegenteil dadurch erreicht.

Nicht melanozytäre Hauttumoren

Medikamente können einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Entwicklung von “weißem Hautkrebs” haben. So weiß man schon länger, dass photosensibilisierende Medikamente dieses Risiko erhöhen können. Eine amerikanische Studie belegt dies vor allem für Hydrochlorothiazid und empfiehlt daher eher die Einnahme von ACE-Hemmern.

Auch Cyclosporin, v.a. bei Organtransplantatierten verwendet, erhöht in Kombination mit Sonnenlicht das Risiko für Plattenepithelcarcinome (SCC) um bis zu 100fach. Ähnliche Beweise oder Studienergebnisse für dieses Risiko bei topischen Calcineurininhibitoren gibt es bisher interessanterweise (noch?) nicht. Auch Azathioprin ist eines dieser “riskanteren” Medikamente.

Eine andere Studie ging der Frage nach, wie viel höher denn das Risiko für ein Zweitmalignom ist. Das Risiko nach einem Basalcellcarcinom (BCC) erneut ein solches zu bekommen, lag bei ca. 30%. Bei SCCs lag der Wert bei ca. 13%.

Generell kam eine Studie zu der Aussage, dass man nach einem malignen Hauttumor ein um 60% höheres Risiko für ein Zweitmalignom eines beliebigen Organs hat. Bei Patienten mit einem malignem Melanom (MM) vor dem 40. Lebensjahr erhöht sich dieses Risiko gar um über 500%.

Als positiver könnte man die Ergebnisse einer dänischen Studie an über 4 Millionen Einwohnern bewerten. Diese zeigte statistisch ein geringeres Risiko für Myokardinfarkt (-21%) bzw. “irgendeine” Todesursache (-11%) nach einem Melanom. Und auch ein Zusammenhang zwischen vermehrtem Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für die Entstehung von BCCs konnte nicht gezeigt werden. Hohe Mengen an Kaffee und Teegenuß, v.a. in Kombination, wiederum reduzieren sogar das Risiko für BCCs.

Für die Behandlung von superfiziellen BCCs bis zu einer Tumordicke von 0,4 mm eignet sich als nicht chirurgische Alternative die photodynamische Therapie (PDT) (2 Behandlungen innerhalb 2 Wochen) und auch Imiquimod topisch (5 mal pro Woche über 6 Wochen).

Wie steht es um die Hautkrebsvorsorge in Deutschland? Eine Studie von Allgemeinärzten bei dieser präventiven Maßnahme zeigt, dass das richtige Erkennen eines Melanoms durch “qualifizierte Hausärzte” leider zu schlecht ist, um von einem effektiven Screening sprechen zu können. Dies verdeutlicht erneut die Tatsache, dass eine effektivere Hautkrebsvorsorge nur durch Dermatologen erfolgen kann.

Zum frühzeitigen Erkennen gibt es auch innovative technische Neuerungen. “MelaFind” und auch “Nevisense” erlauben die Treffsicherheit der Melanomerkennung auf fast 100% zu erhöhen. Dies erlaubt also nicht nur die Trefferquote zu steigern, sondern auch weniger (im Nachhinein “unnötige”) Excisionen durchzuführen.

Ein interessanter Aspekt konnte bei Patienten die Viagra einnehmen beobachtet werden. Und zwar haben diese, wie auch Patienten mit einem Prostatacarcinom, ein ca. 83% höheres Risiko an einem Melanom zu erkranken. Dies hört sich ziemlich hoch an, im Vergleich zu einem aber ca. 600% erhöhtem Risiko, wenn man mehr als 100 Nävi hat, relativiert sich diese Zahl ein wenig. Nichtsdestotrotz sollten diese Patienten in Zukunft vielleicht intensiver auf die Hautkrebsvorsorge aufmerksam gemacht werden.

Neue Zahlen gibt es auch für das durchschnittliche MM in Europa, und damit sehr gravierende Unterschiede. So werden für Deutschland 5-Jahres-Überlebensraten (JÜR) von 89,4% angegeben, beim Schlusslicht Bulgarien jedoch nur 49,6%.

Bei den dünnen Melanomen (bis 1 mm Tumordicke) scheint sich als Besonderheit zu beweisen, dass diese zwar relativ selten metastasieren, aber wenn dann typischerweise meist erst 5 bis über 10 Jahre postoperativ. Die 12 JÜR wird hier mit 85,3% angegeben.

Stadium IV Melanome, also mit Fernmetastasen, sind die am schwierigsten zu behandelnden Formen, die bisher mit sehr schlechten Überlebensraten einhergingen. Hier gibt es optimistisch stimmende neue Studien zu neuen Therapeutika. Kombinationstherapien wie z.B. Dabrafenib mit Ipilimumab sind sehr vielversprechende Ansätze. Auch die neuen PD1-Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab sind nicht nur besser verträglich sondern zeigen auch eine deutliche Lebensverlängerung und höhere Remissionsraten als bisherige Präparate. Eine Studie, welche die Kombinationstherapie von Nivolumab und Ipilimumab untersuchte, erbrachte nie zuvor erreichte mediane Überlebenszeiten von 40 Monaten.

Wie sich dies weiterentwickelt bleibt jedoch noch abzuwarten, erlaubt aber durchaus einen gewissen Optimismus.




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