Dermatologie: Was gibt es Neues?

Atopie und Ekzemerkrankungen 

Patientinnen bei welchen eine Kaiserschnitt Geburt nicht unbedingt notwendig ist, sollten aus allergologischer Sicht diese auch nicht bekommen, da dieser Geburtsvorgang das Allergieentwicklungsrisiko für die Säuglinge signifikant erhöht. Die Empfehlung zum Vollstillen für 4 Monate zur Allergieprävention ist bereits bekannt, hier wird erneut erwähnt, dass das frühe Hinzufügen von Fisch als Beikost auf Grund der hohen Omega 3 Fettsäuren zu empfehlen ist. Die Empfehlung zur Abschaffung einer Katze auf Grund des höheren Risikos einer Entwicklung einer Katzenhaarallergie wurde in soweit relativiert, dass man nun empfiehlt in allergischen Hochrisikofamilien keine Neuanschaffung einer Katze zu planen, wenn ein Kind geboren wurde.

Zur Primärprävention des atopischen Ekzems wurde eine Studie durchgeführt, die belegt, dass eine konsequente Basispflege der Haut mit feuchtigkeitsspendenden Pflegecremes direkt nach der Geburt in Hochrisikofamilien das Auftreten einer atopischen Dermatitis beim Kind um bis zu 50% reduzieren kann.

Die Entwicklung der atopischen Erkrankungen bei Kindern verläuft typischerweise so, dass sich in den ersten 2 Lebensjahren zuerst die Ekzemerkrankung und Nahrungsmittelallergien manifestieren und dann mit dem ca. 5. Lebensjahr das allergische Asthma und die allergische Rhinokonjunktivitis ausbrechen kann. Es zeigte sich, dass bei Patienten mit einer atopischen Dermatitis das Risiko zur Ausbildung eines allergischen Asthmas um das sechsfache erhöht ist. Auch konnte festgestellt werden, dass der Verlauf der Ekzemerkrankung sich im Lauf der Jahre geschlechtsspezifisch unterschiedlich verhält. So bleibt bei 10% der Mädchen einer Altersgruppe die Ekzemerkrankung im Lauf der ersten 20 Lebensjahre stabil und bei Jungen sinkt dieser von initial auch 10% auf 4% bis zum 20. Lebensjahr.

Eine interessante Beobachtung ist, dass es wohl bei einem Erstkontakt mit potentiellen Allergenen über die Mundschleimhaut eher zu einer Toleranz und Nichtentwicklung von Allergien auf diese Substanzen (v.a. Nahrungsmittel) kommt, als wenn sich die Kinder mit diesen Allergenen über die Haut sensibilisieren. Dies konnte besonders für die häufige und z.T. starke Allergie gegenüber Erdnüssen in einer israelischen Studie gezeigt werden. Dies wurde dort im Vergleich zu Babys aus israelischstämmigen Familien, welche in Großbritannien geboren wurden festgestellt, da es in Israel im Gegensatz zu Großbritannien üblich ist auch Neugeborene und Säuglinge mit Erdnussflips als Beikost zu füttern. Diese Kinder entwickelten im Laufe der Zeit signifikant weniger Erdnussallergien als die Kinder im vereinigten Königreich. Da es sich bei der Erdnuss allerdings um ein sehr potentes Allergen handelt, kann allerdings schon eine Sensibilisierung der Säuglinge durch lediglich Erdnussanteile im Hausstaub entstehen, ohne dass die Kinder je direkt mit einer Erdnuss in Kontakt kamen.

Ist eine atopische Dermatitis manifest, so stellt sich bei dieser chronischen Erkrankung natürlich stets die Frage der Therapie. Hier konnte ein Vergleich einer Therapie mit ausschließlich Hydrocortison oder Pimecrolimus und bei Bedarf Hydrocortison zeigen, dass die Kombinationstherapie überlegen ist, da bei gleich gutem Effekt eine signifikante hohe Steroideinsparung möglich ist. In diesem Rahmen wird auch nochmal die nachdrückliche Empfehlung für die proaktive Therapie zur Erhaltung eines guten Therapieergebnisses erwähnt. 2 mal pro Woche einmal täglich eine Behandlung mit einer der oben genannten Therapieoptionen zeigt langfristig eine gute Kontrolle der Erkrankung, sowohl für Kinder auch als für Erwachsene. Die Therapie mit dem Calcineurininhibitor Pimecrolimus, auch bei akutem Ekzem und täglicher vorübergehender Anwendung, konnte einen gleichen Effekt wie Hydrocortison erzielen. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten,dies schließt auch die spätere Entwicklung von Malignomen mit ein. Auch konnte kein erhöhtes Infektionsrisiko festgestellt werden. Auch wenn es offiziell erst für Kinder ab dem 2. Lebensjahr zugelassen ist, traten auch bei der Behandlung von jüngeren Kindern keine Komplikationen auf.

Die Empfehlung einer juckreizstillenden Begleittherapie mit Antihistaminika kann allerdings nicht mehr gegeben werden, da ein zufriedenstellender Effekt nicht zu beobachten ist.

Eine positive Korrelation zwischen Adipositas und atopischer Dermatitis konnte in den USA und in Asien, nicht aber in Europa nachgewiesen werden.

Hoffnung besteht für Patienten mit sehr ausgeprägter Neurodermitis. Hier werden in den kommenden Jahren voraussichtlich neue systemische Medikamente zugelassen werden. Zum einen steht dann ggf. Ustekinumab aus der Psoriasistherapie zur Verfügung wie auch der neue Wirkstoff Dupilumab als dann erstes speziell für die atopische Dermatitis entwickeltes Biologikum gegen Interleukin 4.

Das große und wichtige Feld der allergischen Kontaktekzeme wird auch weiterhin von Nickel angeführt. Hier konnten Studien zeigen, dass Kinder mit einer Zahnspange seltener Nickelallergien entwickeln - dieser Effekt steigt sogar auf 65% weniger Kontaktallergien, wenn die Zahnspange vor dem ersten Ohrlochstich schon getragen wird.

Auch ein Kontaktekzem durch den Gebrauch der in Mode gekommenen E-Zigarette ist häufiger zu beobachten, da die Gehäuse häufig Nickelhaltig sind. Auch bis zu einem Drittel der in Deutschland hergestellten Werkzeuge im Handwerkerbereich sind Nickelbelastet.

Ein weiter zunehmendes Problem stellt eine Allergie gegenüber Methylisothiazolinon dar. Dieser Stoff ist vor allem in Wandfarben sehr weit verbreitet und kann daher Malern große Probleme bereiten.

Interessant ist auch die Tatsache der Kontaktekzemauslösung durch diverse Produkte der Sonnenblume und auch der Magnolie, welche zunehmend mehr Verbreitung bei uns findet.

Früher führten die Friseure stets die Hitliste der beruflich belasteten Patienten mit Kontaktallergien an. Diese wurden in den letzten Jahren durch greifende Präventionsmaßnahmen der Friseurbetriebe von den ZahnarzthelferInnen abgelöst.

Ein Urlaubsmitbringsel der eher unerfreulichen Art stellt auch die Korallendermatitis dar. Urlauber die Schnorcheln oder Tauchen können bei hoffentlich ungewolltem Kontakt mit diesen Organismen zuerst eine toxische Reaktion entwickeln die sich jedoch in eine Typ IV Allergie weiter entwickeln kann und somit länger Probleme bereitet. Also sollte nicht nur aus Umweltgründen unbedingt auf Kontakt mit Korallen verzichtet werden.

Eine interessante wenn auch nicht sehr verbreitete Problematik stellt eine Omeprazolallergie bei Tierärzten und Haltern von Rennpferden dar. Da Rennpferde auf Grund des Stresses in ca. 90% Magengeschwüre entwickeln, werden diese regelhaft mit Omeprazol meist in oral verabreichter Paste behandelt. Dieser regelmäßige Kontakt mit der Substanz aber auch schon der Atem der so behandelten Pferde kann bei einem gewissen Klientel eine Sensibilisierung auf diese Protonenpumpenhemmer induzieren. 

Psoriasis

Ein interessante interdisziplinäre Beobachtung bei Psoriasis ist die Tatsache, dass Psoriasispatienten deutlich häufiger an Depressionen erkranken als die Normalbevölkerung. Zahlen schwanken hier zwischen 10-50%. Erklärt wird dieser Mechanismus durch die konstanten Entzündungsprozesse im Körper, die zum Beispiel auch bei anderen Komorbiditäten wie der Parodontitis eine Rolle spielen.

Eine sehr groß angelegte Untersuchung der kompletten dänischen Bevölkerung konnte auch zeigen, dass Pat. abhängig vom Schweregrad der Psoriasis und der Komorbiditäten eine um bis zu 2 bis 4 Jahre reduzierte Lebenserwartung im Vergleich zur Normalbevölkerung haben können.

Hier wurden zuletzt 2 neue Medikamente auf den Markt gebracht. Zum einen eine neue Tablettentherapie als “second line” Option mit dem Wirkstoff Apremilast (hierbei handelt es sich um kein Biologikum) sowie eine neue injizierbare “first line” Therapie mit dem Wirkstoff Secukinumab. Der große Vorteil von Apremilast liegt in der einfachen Handhabung mit einer Einnahme von 2 Tabletten täglich und bisher nicht bekannten schweren Nebenwirkungen sowie damit einhergehend keinem vom Hersteller empfohlenen Verlaufskontrollschema oder Laborkontrollen. Auch hat das Medikament eine Zulassung für die Psoriasisarthritis. Die Ergebnisse jedoch sind im Vergleich zu dem anderen neuen Wirkstoff Secukinumab weniger überzeugend. Die langfristig selbst zu injizierende Spritzentherapie mittels Fertipen mit diesem Biologikum konnte sehr hohe Reduktionen des Schweregrades der Psoriasis erzielen. So erreichten fast 80 % der Patienten einen PASI 75, dass heißt eine Besserung der Symptomatik um 75%. Eine für Biologika vergleichsweise hohe Therapiesicherheit konnte auch nachgewiesen werden, am häufigsten konnten Candidainfektionen beobachtet werden. Ein Wermutstropfen sind jedoch auch weiterhin die hohen Therapiekosten dieser Präparate.

Interessant für Kinder ist, dass der Wirkstoff Adalimumab nun auch schon eine Zulassung ab dem 4. Lebensjahr für die kindliche Psoriasis hat.

Genodermatosen




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