Gefährliches „Feuer“

Die Häufigkeit von bösartigen Tumoren im Mund- und Rachenbereich hat sich in den letzten 30 Jahren etwa verdoppelt. Männer sind davon etwa fünf- bis zehnmal so oft betroffen wie Frauen. „95 Prozent der Tumore in diesem Bereich gehen von den Schleimhäuten des oberen Atmungs- und Verdauungstraktes aus”, erklärt Professor Heinz Maier, Leiter der HNO-Abteilung am Bundeswehrkrankenhaus Ulm.

„Bei starken Rauchern, die mehr als 20 Zigaretten am Tag über mehr als 20 Jahre rauchen, ist das Risiko, an einem Kopf-Hals-Krebs zu erkranken, um das Zehnfache erhöht”, schätzt Professor Maier. Ein ebenso wichtiger Faktor sei regelmäßiger Alkoholkonsum. Der Konsum von täglich einem Viertel Wein oder einem halben Liter Bier - dies entspricht etwa 25 Gramm Alkohol pro Tag - lässt das Risiko bei Männern ansteigen. Bei Frauen wird dieser Effekt bereits bei 10 Gramm Alkohol pro Tag erzielt.

Alkohol und Tabak gemeinsam verursachen noch größere Schäden. „Wer gleichzeitig raucht und Alkohol konsumiert, potenziert sein Risiko enorm”, erklärt der Ulmer Mediziner. Das Krebsrisiko ist dann um das 100-Fache höher als bei Nichtrauchern und Nichttrinkern.

Ein weiterer Risikofaktor ist mangelnde Mundhygiene. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse haben ergeben, dass es noch einen wichtigen Risikofaktor für Krebs im Mund-Rachenraum gibt: der Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre, auch Reflux genannt. Durch die aufsteigende Magensäure kommt es zu Verätzungen der Rachen- und Kehlkopfschleimhaut. Dies führt zu chronischen Entzündungszuständen, die das Risiko für eine Tumorbildung erhöhen. Professor Maier: „Eine neue Studie zeigt, dass 60 bis 80 Prozent der an Krebs im Rachenbereich und am Kehlkopf erkrankten Patienten unter Sodbrennen oder saurem Aufstoßen leiden. Es konnte sogar gezeigt werden, dass bei Nichtrauchern, die an Kehlkopfkrebs erkrankt sind, 100 Prozent einen Reflux haben.”

Sodbrennen und saures Aufstoßen sind weit verbreitet. Sie wären mit einfachen Mitteln vermeidbar und auch medizinisch einfach behandelbar. Professor Maier: „Meistens lässt sich der Reflux durch eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und eine medikamentöse Behandlung mit Säureblockern beseitigen und damit das Krebsrisiko deutlich senken.”

Wird ein Krebs früh erkannt, steigt die Heilungschance. „Bei der Früherkennung kann man meist mit minimal invasiven Operationsmethoden eine Heilungsrate von 86 Prozent erzielen. Im Spätstadium liegt diese nur noch bei etwa 28 Prozent.” .




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