Herzforschung - aktuelle Nachrichten

Unsicherheit, aber vor allem Ängste prägen den Alltag eines Herzpatienten. Um diesen Ängsten wenigstens etwas vorzubeugen, informieren wir unsere Leser regelmässig über die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung. Denn neben der ärztlichen Behandlung und der persönlichen Selbstdisziplin spielen auch sie eine bedeutende Rolle, um Betroffenen das Leben zu erleichtern. Hier ein Überblick über die wichtigsten Neuigkeiten in Sachen Herzgesundheit

  • ©Sonja Calovini - Fotolia

Grundlagenforschung: Mechanismus für Entstehung von Arteriosklerose entdeckt

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben Forscher einen Mechanismus identifiziert, der weitere Erklärungen für die Entstehung von Arteriosklerose liefert. Demnach sorgt ein bislang unbekanntes Protein für die Heilung von geschädigten Gefäßwänden und verursacht dabei eine Phase übermäßiger Zellteilung, die für die Gefäßverdickung mitverantwortlich ist. Nun soll versucht werden, dieses Protein in seiner Aktivität zu hemmen – dies hat zwar keinen Einfluss auf die Gefäßheilung, kann aber die akute Verdickung entscheidend verringern. Dieser Erkenntnis sollen nun Patientenstudien am UKE folgen1 .

Stabile Angina pectoris: Keine Angst vor intensiven Sporteinheiten

Patienten mit einer stabilen Angina pectoris schrecken vor sportlicher Betätigung oft zurück. Der Grund: Die Beschwerden treten gerade bei körperlicher Anstrengung auf oder verstärken sich dann. Ein Fehler, denn Sport bessert langfristig den Gesundheitszustand und verringert das Infarktrisiko. Eine bessere Lösung ist es, vor der Sporteinheit prophylaktisch ein Nitrospray (z. B. Nitrolingual® akut) zu verwenden. Das enthaltene Glyceroltrinitrat entspannt die glatte Muskulatur der Blutgefäße und sorgt für deren Erweiterung: Das Herz wird entlastet und der Sauerstoffmangel im Blut wird vermindert. Die PET-Studie2 belegt: Sportliche Betätigung (bei 70% der maximalen körperlichen Belastbarkeit) in Kombination mit dem Nitrospray senkt das Infarktrisiko sowie das Risiko von Schlaganfällen deutlicher als das operative Einsetzen eines Stents. Eine Studie3 aus Norwegen kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass selbst höhere Anstrengungen und intensives Training (bis zu 95% der maximalen Herzfrequenz) für Herzpatienten kein Problem darstellen. Im Gegenteil: Langfristig hat intensiver Sport sogar noch bessere Auswirkungen auf Gesundheit und Fitness als lediglich moderate Trainingseinheiten.

Biomarker für instabile Angina pectoris identifiziert

Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. (DZHK) haben ein Set von microRNAs identifiziert. RNA ähnelt im Aufbau der menschlichen DNA und steht für Nukleinsäure, deren wesentliche Funktion in der biologischen Zelle darin besteht, genetische Informationen in Proteine umzuwandeln und in Form von m(essenger)RNA als Informationsträger zu agieren. Mithilfe von microRNAs könnte die Diagnosestellung einer instabilen Angina pectoris im Klinikalltag erleichtert werden. Aktuell sind Angina-pectoris-Beschwerden nur schwer von anderen Brustschmerzen zu unterscheiden. Ein Biomarker für instabile Angina pectoris könnte zur Prävention eines drohenden Herzinfarktes beitragen, indem die richtige Behandlung schneller zum Einsatz kommen kann. Die Forscher des DZHKs wollen die Tauglichkeit dieser microRNA-Indikatoren nun in einem größeren Probandenkollektiv testen4

Frühwarnsystem erhöht Lebensqualität für Herzpatienten

Die DAK-Gesundheit bietet als erste Krankenkasse ein Frühwarnsystem gegen Schlaganfälle für Herzpatienten an: In der Pilotphase erhalten 1.000 Schlaganfall-Patienten einen Herzmonitor. Die ambulante Implantation eines Bio-Monitors ermöglicht über ein „Home Monitoring“ die dauerhafte Überwachung ihrer Herztätigkeit. Der behandelnde Kardiologe erhält bei Unregelmäßigkeiten sofort ein Alarmsignal. Experten rechnen damit, dass sich die Wahrscheinlichkeit weiterer Schlaganfälle mittels einer rechtzeitigen Therapie um ca. 50 Prozent senken lässt. Aufgrund der täglichen Datenübertragung des Bio-Monitors erhöht sich die Gewissheit bei der Diagnosestellung im Vergleich zu bisherigen ambulanten Untersuchungen und Langzeit-EKGs deutlich. Weitere Informationen dazu finden Interessierte unter: www.dak.de/herzmonitor

Mehr Todesfälle bei extremer Hitze und Kälte

Eine aktuelle Studie des Helmholtz Zentrums in München bestätigt: Die Zahl der Todesfälle in Deutschland steigt sowohl an besonders heißen Tagen als auch bei extremer Kälte an. Laut den Forschungsergebnissen steigt die Zahl der tödlich verlaufenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem Temperaturanstieg von 20 auf 25 Grad um 9,5 Prozent und bei einem Temperaturabfall von minus eins auf minus acht Grad um 7,9 Prozent. Die Auswirkungen von Hitze halten über mehrere Tage an, die von Kälte sogar bis zu zwei Wochen. Die aus Temperaturschwankungen resultierenden Herzschwächen, Herzrhythmus-Störungen und Schlaganfälle betreffen überwiegend ältere Menschen. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen und Verhaltensempfehlungen: Hohe Temperaturen erhöhen unter anderem das Thromboserisiko, niedrige Temperaturen wirken sich hingegen besonders stark auf den Blutdruck aus5.


  1. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Abruf: 25.07.2014. 

  2. Hambrecht R. et al. 2004: Percutaneous Coronary Angioplasty compared with exercise training in patients with stable coronary artery-disease – A Randomized Trial. Circulation 109: 1371-1378. 

  3. Trine Moholdt, Erik Madssen, Øivind Rognmo, Inger Lise Aamot [^2013]:: The higher the better? Interval training intensity in coronary heart disease; Journal of Science and Medicine in Sport, 12.08.2013 (10.1016/j.jsams.2013.07.007). 

  4. Zeller, Keller, Wild, Münzel, Blankenberg 2014: Assessment of microRNAs in patients with unstable angina pectoris; European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehu151. 

  5. Susanne Breitner, Kathrin Wolf, Annette Peters, Alexandra Schneider 2014: Short-term effects of air temperature on cause-specific cardiovascular mortality in Bavaria, Germany; Heart doi:10.1136/heartjnl-2014-305578. 




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