Dem Krebs Paroli bieten: Interview mit Cornelia Eyssen

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Cornelia Eyssen erkrankte zuerst an Lungenkrebs und erhielt dann die Diagnose Hirn-Tumor. Über ihre Erfahrungen mit diesem Schicksalsschlägen hat sie einen Blog geführt (Einmal Hölle und zurück) und dann ein berührendes Buch geschrieben, welches wir ALLEN Lesern wärmstens empfehlen möchten.

Wir haben Cornelia Eyssen gebeten, uns ein paar Fragen zu Ihrem Leben zu beantworten:

Als Journalistin haben Sie viele Menschen getroffen und interviewt. Haben Sie je, ehe Sie selbst an einem Tumor erkrankten, einen davon zum Thema Krebserkrankung befragt?

Kurz bevor ich meine Diagnose bekam, erfuhr ich von einer meiner freien Redakteurinnen, dass sie an Krebs erkrankt war. Ich hatte längere Zeit nichts mehr von ihr gehört, fragte andere Kollegen, was denn mit XY bitte los sei, ich hätte ein paar Aufträge für sie. Alle drucksten rum. Bis ich erfuhr, dass sie Krebs hat und im Krankenhaus liegt. Ich wollte ihr im Namen der Redaktion Blumen und eine Karte schicken lassen, aber die anderen Mitglieder der Chefredaktion waren dagegen. Sie wollten ihr nicht zu nahe treten. Wir sollten sie in Ruhe lassen. Ich weiß heute, dass das eine grundfalsche Entscheidung war. Ich würde schwören, dass sie sich über einen Blumenstrauß und eine Karte gefreut hätte. Die Kollegin ist kurz danach gestorben. Kurze Zeit später erfuhr ich von einer anderen Kollegin, die seit langem in meiner Redaktion arbeitete und mit der ich auch privat locker befreundet war, dass sie Krebs hat. Aber alle redeten nur hinter vorgehaltener Hand darüber. Diese Kollegin wollte nicht, dass irgendjemand von ihrer Erkrankung erfährt. Was Quatsch ist, denn jeder weiß es irgendwann. Ich finde, diese Heimlichtuerei macht es für Freunde und Angehörige und alle anderen Menschen sehr viel schwieriger, mit dem Kranken umzugehen.

Was haben Sie sich damals bei dieser Frage gedacht?

Ich hätte sie gern gefragt, wie sich das anfühlt, wie groß ihre Angst ist, was sie denkt, fühlt, hofft. Ob die Operation schmerzhaft war. Ob die Krankenschwestern nett waren. Ob sie den Ärzten vertraut hat. Was man vor einer OP wissen muss. Wie das ist, wenn man aus der Narkose aufwacht. Ob man nicht Angst bekommt, wenn die Ärzte einen vor der OP über die Risiken aufklären. All das und noch viel mehr hätte ich gern gefragt.

Haben Sie, vor Ihrer Erkrankung, mal den Gedanken verfolgt, möglicherweise selbst schwer zu erkranken?

Nie. Nie. Nie. Ich war nie im Krankenhaus. Mir hat nie irgendwas gefehlt. Keinen Arm gebrochen. Keine Sehne verzerrt. Nichts. Ich hatte nur ab und zu eine Bronchitis. Als ich noch geraucht habe. Aber vor 15 Jahren habe ich damit aufgehört und sofort angefangen Sport zu treiben. Joggen. Zuerst reichten die Luft und die Kraft nur für 200 Meter. Nach 5 Jahren konnte ich locker 1 Stunde joggen und hinterher noch 15 Minuten Workout machen.

Als Sie die erste Diagnose bekamen, war da Entsetzen oder ein nicht Wahrhaben wollen? Was spielt sich da ab im Kopf des Betroffenen?

Blackout. Nicht denken können. Leere im Kopf. Ich bin aus der Zeit gefallen. Und kurze Zeit später – vielleicht 5 Minuten, länger nicht – dann: Was kann man tun? Ich will nicht sterben. Ich will leben.

Haben Sie sofort recherchiert welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt oder sich erstmal auf den Arzt verlassen und seinen Ratschlägen bzw. Therapievorschlägen vertraut?

Es war für mich von Anfang an klar, dass ich voll auf die Schulmedizin setze. Obwohl mir viele Bekannte von alternativen Heilmethoden erzählt haben. Irgendwelche Wundertropfen. Klangschalen-Therapie. Heilung durch Licht. Und ähnliches. Das alles kam und kommt für mich nicht infrage. Mein Mann und ich haben uns haben uns gleich nach der Diagnose nach den besten Ärzten erkundigt. Unsere Freunde Elke Reichart und ihr Mann Professor Bruno Reichart haben uns dabei unglaublich unterstützt. Und so lernten wir Professor Dr. Rudolf Hatz von der Asklepios Klinik in Gauting kennen, der als international anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der Lungenchirurgie gilt. Ihm habe ich mein Leben zu verdanken.

Wissen Sie noch, was Sie getan haben, an dem Tag, als Sie die Diagnose Tumor bekamen?

Es war Mai. Ein Mittwoch. Die Sonne schien und ich war vormittags auf einem Pressetermin. Danach zu dem Internisten, der mir empfohlen worden war. Das Wartezimmer war voll. Ich war genervt, weil das bedeutete: Ich würde lange warten müssen. Dabei wollte ich nach draußen, mich in ein Café auf der Leopoldstraße setzen und in der Sonne einen Tee trinken. Auf dem Weg nach Hause habe ich dann meinen Mann angerufen und ihm erzählt, dass ich Krebs habe. Zu Hause haben wir geredet – dass man nicht gleich das schlimmste annehmen muss, dass die Diagnose falsch sein kann, dass wir eine andere Meinung einholen sollten. Wir haben ganz vernünftig und sachlich geredet. Erst nachts im Bett habe ich schrecklich geweint.

Wann haben Sie sich entschlossen der Krankheit Paroli zu bieten? Gleich oder brauchte es dazu Zeit?

Gleich nach Diagnose war mir klar: An mir beißt der Krebs sich die Zähne aus!

Und wie geht es Ihnen heute? Lebt man mit der permanenten Angst, es könnte wieder kommen oder ignorierst man diese Möglichkeit einfach?

Ich ignoriere diese Möglichkeit. Jedenfalls zu 87,9 Prozent. Ich denke nur daran, wenn ich zu den Kontrolluntersuchungen gehe. Alle 3 Monate gehe ich zum CT, um nachzuschauen, ob in der Lunge alles okay ist. Und alle 3 Monate muss ich ein MRT machen lassen – ob sich im Kopf Metastasen gebildet haben oder nicht. Jedesmal trägt man bei diesen Kontrolluntersuchungen einen Rucksack voller Angst auf dem Rücken. Aber nachher, wenn alles okay ist, atme ich auf und bin sehr, sehr erleichtert. Mein Mann und ich gehen dann Hand in Hand aus der Klinik, wir wissen, dass wir vom Schicksal, dem lieben Gott, wieder einmal Zeit geschenkt bekommen haben. Mir geht es gut. Ich kann mein Leben ziemlich normal leben. Ich habe zwei lebensgefährliche Lungenoperationen überstanden, eine Chemotherapie, eine Gehirnoperation, bei der eine Metastase so groß wie ein Golfball entfernt wurde, dann noch mal Bestrahlungen und on top den Verdacht auf Unterleibskrebs. Ich habe heute nur noch eine halbe Lunge und nach der Gehirn-OP bin ich vergesslicher geworden – aber es gibt Schlimmeres! Ich lebe noch und habe vor alt zu werden!

Was hat Ihnen während der schlimmen Zeit im Krankenhaus am meisten Freude bereitet?

Ein besonderes Ereignis war im Sommer 2012 nach der zweiten Lungen-OP. Mein Mann hatte mir lauter Leckereien vom Spanier mitgebracht. Schinken, Oliven, Käse im Speckmantel, dazu frisches Baguette. Wir haben im Park der Klinik ein Picknick im Schatten der Bäume gemacht. Das werde ich nie vergessen. Das war Glück pur. Es fühlte sich so normal an, als hätte es die Diagnose und die Operationen nicht gegeben. Abgesehen davon: Das Krankenhausessen ist ein dunkles Kapitel …

Und was ist Ihr Ausblick für die Zukunft?

Ich arbeite an neuen Buchprojekten, schreibe PR-Texte und -Broschüren. Aktuell plane ich eine Fortsetzung von meinem Buch Wenn ich das Schicksal treffe, kann es was erleben. Vielleicht schreibe ich parallel einen Blog. Denn mein Buch hat sich ja auch aus einem Blog heraus entwickelt – ich habe auf Facebook einen Blog über meine Krebserkrankung geschrieben und jeden Tag über Hunderte neue Follower und Freundschaftsanfragen bekommen. Dieser Erfolg hat mich sehr berührt. Denn Krebs kann jeden von uns treffen. Freunde haben dann gesagt: „Conny, schreib ein Buch. Du kannst mit deiner Einstellung ganz vielen Menschen helfen, ihnen Mut machen und zeigen, wie man immer wieder neue Kraft findet, um zu kämpfen, sich nicht aufzugeben.“ An dem Buch habe ich dann ein gutes Jahr gearbeitet. Es hat 336 Seiten und es gibt es einen Innenteil mit vielen privaten Fotos – wie ich auf der Intensivstation liege, im Krankenzimmer sitze, während mein Arzt mir die Haare vor der Gehirnoperation abrasiert, und natürlich ein Foto von dem wunderbaren Picknick mit meinem Mann im Park der Klinik. Das Buch kostet 14,99 Euro und man kann es in Buchhandlungen kaufen oder bei Amazon bestellen.




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