Knalltrauma nach Silvester

20 Prozent der Menschen in Industrieländern leiden unter Hörproblemen. Häufigste Ursache ist eine Funktionsstörung des Innenohrs durch Lärm. Das sogenannte „Knalltrauma“ – an Silvester durch Feuerwerkskörper verursacht – ist eine häufige Gefahrenquelle für dauerhaften Hörverlust. Betroffene können bestimmte hochfrequente Töne nicht mehr wahrnehmen. Mitunter verspüren sie stechende Schmerzen im Ohr, Schwindel, und das Ohr fühlt sich verstopft an. „Die Symptome eines Knalltraumas klingen zwar häufig ab. Doch in vielen Fällen bleibt das Gehör für Monate, Jahre oder sogar lebenslang geschädigt“, sagt Professor Dr. med. Roland Laszig, Generalsekretär der DGHNO KHC. Besonders häufig treten an Silvester Knalltraumen in der Altersgruppe zwischen 6 und 25 Jahren auf – bei Männern dreimal so oft wie bei Frauen.

Explodieren Feuerwerkskörper in einer Nähe von weniger als zwei Metern, wirken auf die Ohren etwa 25 Millisekunden lange Schallimpulse. Sie erreichen Spitzen von bis zu 160 Dezibel (dB), Schreckschusspistolen sogar über 180 dB. „Zum Vergleich: Ein startendes Düsenflugzeug entwickelt in 30 Metern Entfernung einen Schalldruckpegel von 150 dB“, erklärt Professor Laszig, Direktor der Freiburger Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Ein Knalltrauma wird bereits durch einen Schalldruckpegel von 140 dB ausgelöst. Hörsinneszellen, Stützzellen und andere Teile der sogenannten Hörschnecke im Innenohr nehmen dabei bleibenden Schaden. Größere Schalleinwirkungen können sogar zu einem sogenannten „Explosionstrauma“ führen, bei dem das Trommelfell einreißt und eventuell auch die Gehörknöchelchen verletzt werden. Gegen die Spätfolgen hilft oft nur noch ein Hörgerät.

Professor Laszig empfiehlt, die Ohren an Silvester beispielsweise durch Ohrstöpsel zu schützen und großen Lärm zu meiden. Wenn die Ohren dennoch einer Explosion ausgesetzt waren und noch am folgenden Tag Ohrengeräusche oder Hörminderung bestehen, rät der Experte, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Dieser verschreibt gegebenenfalls durchblutungsfördernde Medikamente und Kortison.

Im Jahr 2010 wurde die deutsche Sprengstoffverordnung deutlich gelockert: Statt 200 Gramm Sprengmasse darf eine Feuerwerksbatterie nun 500 Gramm beinhalten. Damit verdoppelt sich deren Sprengkraft: „Laien zündeln jetzt mit Sprengstoffmengen, die bislang nur Pyrotechniker zugänglich waren“, warnt Professor Laszig. Die Politik müsse Menschen durch entsprechende gesetzliche Regelungen vor diesem Lärm schützen, anstatt eine Aufweichung dieser Beschränkungen zuzulassen. Um Gehörschäden zu vermeiden, gelte es zudem, über die Gefahren von Impulslärm durch Feuerwerkskörper und Signalpistolen aufzuklären, fordern die Experten der DGHNO KHC. Auch Eltern, Lehrer, Ärzte und Mitarbeiter von Jugend- und Sozialeinrichtungen könnten dabei helfen.




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