Schizophrenie: Daten & Fakten

Definition und Häufigkeit

  • Schizophrenie ist gekennzeichnet durch ein charakteristisches Störungsmuster verschiedener psychischer Bereiche wie Wahrnehmung, Denken, Ichfunktion, Affektivität und Psychomotorik
  • Charakteristisch sind rezidivierende, episodische, akute Psychosen oft einhergehend mit chronischen Beeinträchtigungen der affektiven, kognitiven und sozialen Funktionen 1
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert die Schizophrenie innerhalb der psychischen Krankheiten als eines der häufigsten und wichtigsten Krankheitsbilder
  • Weltweit erkrankt in etwa eine von 100 Personen vor dem 45. Lebensjahr an Schizophrenie
  • Schizophrenie tritt meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf (bei Männern im Alter von 16 bis 25 Jahren und bei Frauen im Alter von 23 bis 36 Jahren) 2
  • Schizophrene Patienten weisen eine Suizidrate von bis zu zehn Prozent auf 2
  • Schizophrenie betrifft Menschen aus allen Ländern, sozio-ökonomischen Gruppen und Kulturen in etwa gleich häufig
  • Schizophrenie ist eine strukturelle und funktionelle Erkrankung des Gehirns

Ursachen und Auslöser

  • Die Ursachen der Schizophrenie sind immer noch weitgehend unbekannt
  • Vermutlich kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, um eine Schizophrenie auszulösen
  • Identifiziert werden konnten bislang mehrere genetische sowie umweltbedingte Faktoren, die dazu führen, dass z. B. die Bewältigung von alltagsüblichen Stresssituationen für die Betroffenen mit Problemen verbunden sein kann
  • Diese reduzierte Stresstoleranz resultiert in einer erhöhten Labilität des dopaminergen Systems, was die Grundlage für den rezidivierenden Verlauf darstellt

Klinisches Erscheinungsbild

Die Symptome der Schizophrenie lassen sich im Allgemeinen einer der vier folgenden Kategorien zuordnen:

  • Positive Symptome („Positivsymptomatik”)

Eine über das gesunde Erleben hinausgehende (additiv oder „positiv”) Veränderung der Wahrnehmung oder des Verhaltens, wie z. B. Halluzination und Wahnvorstellungen

  • Negative Symptome („Negativsymptomatik”)

Eine Reduktion normaler Verhaltensweisen, wie z. B. Antriebsmangel, emotionale Abgestumpftheit, Leistungsversagen, Sprachverarmung, sozialer Rückzug

  • Affektive Symptome

Stimmungslabilität, Appetit- und Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Selbstmordgedanken, Stimmungseinbrüche, Schuld- und Angstgefühle

  • Denkstörungen
  1. Formelle Denkstörungen betreffen den Denkablauf
  2. Inhaltliche Denkstörungen betreffen die Denkinhalte

Diagnose

  • Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) werden bei einer Ersterkrankung folgende Untersuchungen empfohlen, um andere Erkrankungen, wie z. B. Epilepsie, manisch-depressive Erkrankung, körperliche Ursachen oder auch Drogenmissbrauch auszuschließen:
  1. Komplette körperliche und neurologische Untersuchung
  2. Blut- und Urinuntersuchungen zum Ausschluss von Stoffwechselstörungen und zum Nachweis von Drogen oder bestimmter Medikamente im Körper
  3. Computertomographie des Gehirns
  • Zu einem Patientengespräch gehört neben gezielten Fragen zur persönlichen Geschichte, meist auch eine Verhaltensbeobachtung. Es kann auch eine Fremdanamnese (Befragung von Familienangehörigen, Freunden, etc.) hilfreich sein

  • Für die Diagnose Schizophrenie (gemäß ICD 10 der WHO) müssen die Symptome über einen längeren Zeitraum vorliegen und im Gesamtzusammenhang betrachtet werden

  • Das von der WHO veröffentlichte und international anerkannte Diagnosemanual nach der International Classification of Diseases 10 (ICD-10, Kapitel F 20: mentale Störungen und Verhaltensstörungen bei Schizophrenie) ist in Deutschland und dem restlichen Europa ein verbindliches diagnostisches Instrument zur Klassifikation der Störung

Verlauf und Prognose

  • Der Verlauf der Schizophrenie ist von einer hohen Variabilität zwischen einzelnen Personen (interindividuell), aber auch innerhalb einer Person selbst (intraindividuell) gekennzeichnet
  • Bei etwa 75 Prozent der Patienten kann eine bis zu mehreren Jahren dauernde initiale Prodromalphase (Vorphase) beobachtet werden [^3]. Diese Vorphase ist gekennzeichnet durch uncharakteristische Störungen im Bereich von Kognition, Affekt und sozialem Verhalten
  • Bei etwa 80 Prozent der Patienten kommt es mindestens zu einem Rückfall. Jeder Rückfall kann das Behandlungsergebnis gefährden und die Remissionsdauer der folgenden psychotischen Episoden verlängern 3
  • Für eine günstige Prognose sprechen u. a. folgende Faktoren:
  1. ein akuter Krankheitsbeginn
  2. eine gering ausgeprägte Negativsymptomatik
  3. stabile psychosoziale Kontakte
  4. rasches, nebenwirkungsarmes Ansprechen auf Neuroleptika

Herausforderungen bei der Behandlung

  • In der Therapie der Schizophrenie standen bislang Response und Maintenance, d. h. das Ansprechen auf die Therapie und die Stabilisierung des Zustands schizophrener Patienten, im Fokus
  • Inzwischen wurden die Behandlungsziele um Remission („Symptomrückbildung”) und Recovery („Wiederherstellung”) erweitert. Dabei ist nicht notwendigerweise entscheidend, dass die Symptome vollständig zurückgebildet sind, sondern entscheidend ist, ob und wie der Patient die an ihn gestellten Anforderungen in Beruf und Freizeit, trotz eventuell noch vorhandener Symptome, bewältigt
  • Eine erfolgreiche Behandlung sollte zu einer Steigerung der Lebensqualität und des sozialen Funktionsniveaus, bis hin zur vollständigen sozialen und beruflichen Rehabilitation des schizophrenen Patienten führen

Quellen:


  1. S3 Praxisleitlinien in Psychiatrie und Psychotherapie. Band 1 Behandlungsleitlinie Schizophrenie ed. Steinkopff Darmstadt; 2006 

  2. American Psychiatric Association. Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia, Beilage zu Am J Psychiatry, 1997, 154, 4.
    [^3]:Häfner H, Maurer K, Löffler W. Onset and early course of schizophrenia. In: Häfner H, Gattaz H (Hrsg.). Search for the Causes of Schizphrenia, Vol. III. Berlin: Springer Verlag, 1995: 43-66 

  3. Liebermann JA. Atypical antipsychotic drugs as a first-line treatment of schizophrenia: a rationale and hypothesis. J Clin Psychiatry 1996; 57 (Suppl 11): 68-71 




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