Kindliche Schlafstörungen: Schlaf’, Kindchen, schlaf’

Wir haben mal nachgedacht, wie das früher so war - mit den Einschlafhilfen der lieben Kleinen. Unsere Autorin, Dr. Kristin Huppert, erinnert sich: “Meine über 70-jährige Nachbarin riet mir vor 20 Jahren zu einem mit Schnaps getränkten Nuckeltuch als Einschlafhilfe für meine Tochter. Ich bedankte mich, entschied mich dann aber doch eher für’s Rumtragen oder für eine Runde um den Block im Kinderwagen oder im Auto. Meist half dies meinem Kind beim Einschlafen und meine Nerven und meine lahmen Arme vom vielen Schuckeln konnten sich erholen”.

Heutzutage greifen immer mehr Eltern zu frei verkäuflichen Einschlafmitteln aus der Apotheke; nach dem Motto: Was frei verkäuflich ist, kann ja nicht schaden!

Meist handelt es sich bei diesen Präparaten um veraltete Allergiemittel (Antihistaminika der AH1G-Gruppe), Husten- oder Erkältungsmittel oder solche gegen Übelkeit oder Erbrechen.
Bei Kinderärzten schrillen bereits die Alarmglocken: Denn immer gilt: Es gibt kein Mittel ohne Nebenwirkungen!

Neben dem negativen Eingriff in das physiologische Schlafmuster des Kindes mit der Gefahr von Entwicklungsstörungen, kann es im schlimmsten Fall zu Leber- und Nierenschädigungen, Abhängigkeit oder gar Atemstillstand kommen!

Auch bei biologischen Heilmitteln (Homöopathika) muss Vorsicht geboten sein – um zu wissen, welches Präparat für ein Kleinkind bzw. Baby geeignet ist, braucht es einen erfahrenen Homöopathen. Für eine Reihe von Antihistaminika der ersten Generation fordert die Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter (KASK) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) nun die Rezeptpflicht.

In Frankreich gelten viele dieser Arzneimittel wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses für Babys und Kleinkinder bereits als kontraindiziert. Und in den USA ist der Vertrieb von AH1G-haltigen Kombinationsprodukten gegen Husten- und Erkältungskrankheiten bei Kindern unter vier (sechs) Jahren eingestellt worden. Es wäre schön, wenn Deutschland diesen Beispielen folgen würde.

Der Schlafrhythmus von Kleinkindern unterscheidet sich (leider) von dem Erwachsener. Meist liegt keine wirkliche Schlafstörung bei den Kindern vor. Daher braucht nicht das Kind, sondern die völlig übermüdeten Eltern mehr Schlaf und Hilfe.

Erster Ansprechpartner sollte nicht das Internet mit seinen einschlägigen Foren, sondern der Kinder- und Jugendarzt sein. Dort erhalten Eltern auch die allgemeine Informationsbroschüre „Mein Kind schläft nicht“ mit Tipps für eine gute Nacht der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
Auch die sogenannten „Schreiambulanzen“, die es flächendeckend in Deutschland gibt, haben viel Verständnis für geplagte Eltern und helfen mit Rat und Tat.

Bitte, liebe Eltern: Jedes Kind kann schlafen lernen, das eine eher und das andere braucht eben ein bisschen mehr Zeit! Neben einem geregelten Tagesablauf hilft Ihnen in den ersten Monaten die Hilfe von Verwandten, Freunden oder eben offiziellen Stellen - medikamentöse Schlafhilfen sind mit Sicherheit völlig fehl am Platze; egal was die Foren sagen!




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