Baldrian: Dem Wirkprinzip auf der Spur

Die Wiener Forscher sind überzeugt, dass vor allem der Baldrianinhaltsstoff Valerensäure für die Schlaf fördernde Wirkung des pflanzlichen Arzneimittels verantwortlich ist. Bereits frühere Untersuchungen zur Baldrian-Wirkung konzentrierten sich auf den Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure GABA, der eine Schlüsselposition bei Stress und Angst einnimmt und an der Einleitung und Aufrechterhaltung des Schlafs beteiligt ist. An den für diese Substanz zuständigen GABA-A-Rezeptoren im Gehirn docken zum Beispiel synthetische Medikamente aus den Gruppen der Benzodiazepine und Barbiturate an.

Prof. Dr. Steffen Hering untersuchte mit seinem Team am Departement für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Wien die Wirkung verschiedener Reinsubstanzen aus der Baldrianpflanze an diesen Rezeptoren. Es wurden mit molekularbiologischen Methoden Veränderungen in der Struktur der Rezeptoren vorgenommen (Aminosäuren ausgetauscht, d.h. Mutationen gesetzt). Hier die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit:

  • Valerensäure hat eine vergleichbare Wirkung wie Anästhetika. Sie dockt nicht an jenem Rezeptor an, an dem Benzodiazepine vom Typ Diazepam angreifen, sondern spricht im Gehirn die gleichen Rezeptoren an wie bestimmte Anästhetika. Mutationen an GABA-A-Kanälen, welche die Wirkung solcher Anästhetika verhindern, heben auch die Wirkung der Valerensäure auf.
  • Valerensäure gelangt mit dem Blutplasma ins Gehirn. Es ist allerdings noch nicht geklärt, welche Dosen dort die Rezeptoren erreichen.

Fazit von Prof. Hering: “Mit Valerensäure wurde als ein interessanter Wirkstoff identifiziert, der für die seit Jahrhunderten genutzte, Schlaf fördernde Wirkung des Baldrians verantwortlich sein könnte”. Im Zuge weiterer Forschungen könnten hier neue pflanzliche Medikamente zur Behandlung von Schlaf- oder Angststörungen entwickelt werden, die deutlich weniger Nebenwirkungen verursachen, als die heute so weit verbreiteten chemisch-synthetischen Präparate. (Die Arbeit wurden in der Fachzeitschrift “Neuropharmacology” publiziert.)

Weitere Informationen zu Phytotherapie finden Sie unter www.phytotherapie-komitee.de




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