Homöopathie: Eher Hokuspokus oder Medizin?

Prinzip ´kleine Dosis mit starker Wirkung´ bleibt umstritten

“Ein Medikament ohne Nebenwirkungen bewirkt auch nichts.” Diese Auffassung teilen die meisten Ärzte und lehnen die homöopathische Lehre Samuel Hahnemanns für die eigene Praxis ab. Obwohl die Homöopathie, die nach dem Prinzip kleinster Dosierungen funktioniert, sich weltweit einen Namen gemacht hat, hat sie in deutschen Arztpraxen einen geringen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der befragten Mediziner (55 Prozent) bietet die alternative Heilmethode grundsätzlich nie an, knapp ein Drittel (33 Prozent) nur gelegentlich. Lediglich gut einer von zehn Ärzten (12 Prozent) arbeitet häufig mit Homöopathie.

Skepsis und Desinteresse

Die Zurückhaltung gegenüber homöopathischen Therapieansätzen hängt offenbar nicht mit negativen Erfahrungswerten zusammen. Verschwindende 2,5 Prozent geben an, damit konkret schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Gut ein Drittel der Befragten (34,3 Prozent) tut die Homöopathie als unwissenschaftlich ab. Für mehr als vier von zehn Ärzten (42,5 Prozent) ist es offenkundig nicht erstrebenswert sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Sie bieten Homöopathie aus Desinteresse nicht an - ´weil sie sich damit nicht auskennen´.

Lieber auf Wunsch statt aus Überzeugung

Aller schulmedizinischen Skepsis zum Trotz: Die Patienten stehen homöopathischen Heilmethoden weitaus positiver gegenüber als ihre Ärzte und fordern diese Therapie oftmals wohl regelrecht ein. So haben 37,3 Prozent der befragten Mediziner die Homöopathie in ihrem Leistungskatalog, weil die Patienten danach explizit fragen. Doch es gibt auch ´Überzeugungstäter´. Immerhin 23,5 Prozent der ´homöopathiewilligen´ Mediziner sind von der Lehre Samuel Hahnemanns wirklich überzeugt, und mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) hat bei bestimmten Krankheitsbildern gute Erfahrungen damit gemacht. Insbesondere bei Erkrankungen der Atemwege scheinen sich homöopathische Mittel zu bewähren. Gut zwei von zehn Ärzten (22 Prozent) setzen sie bei Erkältungskrankheiten ein, ein Fünftel (20,5 Prozent) bei allergischen Reaktionen mit Heuschnupfen, Ekzemen oder Asthma. Auch bei psychisch bedingten Beschwerden wird homöopathisch behandelt. Das gibt ebenfalls ein Fünftel der Befragten (20,5 Prozent) im Hinblick auf Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen an.

Die Patienten profitieren

Die Umfrage zeigt auch, dass es sich für Mediziner durchaus lohnen kann, sich auf die nebenwirkungsfreie Heilmethode einzulassen. Zumindest, was die Zufriedenheit der Patienten angeht. Das bestätigen die Aussagen der Ärzte, die Homöopathie anbieten. Mehr als vier von zehn (43,9 Prozent) geben zu, dass der Einsatz homöopathischer Medikamente vielen Patienten sogar nachweislich geholfen hat. Ähnlich viele Befragte (42,4 Prozent) sehen zwar keine nachweisbaren Erfolge aus medizinischer Sicht, räumen aber ein, dass sich Kranke nach der Verabreichung von Tropfen oder Globuli subjektiv besser fühlen.

Homöopathie als Privatvergnügen

Da die Homöopathie aus schulmedizinischer Sicht nicht wissenschaftlich begründet ist, übernehmen die Krankenkassen diese Leistungen nur in sehr begrenztem Umfang. Das scheint deutsche Ärzte nicht zu stören, im Gegenteil. Fast jeder Zweite (48,4 Prozent) vertritt die Auffassung, dass Patienten selber für ihre homöopathische Behandlung aufkommen sollten und nicht etwa die Solidargemeinschaft. Nicht einmal ein Drittel (28,2 Prozent) wünschen sich, dass die Kassen die alternative Heilmethode mehr fördern - zumal sie kostengünstig ist. Ein Fünftel der Befragten (20,6 Prozent) begegnet dem Thema Homöopathie auch bei der Kostenübernahme mit Gleichmut und meint, dass das momentane Verhalten der Krankenkassen durchaus ´okay´ ist.




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