Asthmatischer Anfall

Ein Asthmaanfall kann recht dramatisch verlaufen. Der Betroffene ist angestrengt damit beschäftigt, seine eingeatmete Luft wieder aus den Lungen herauszubekommen. Hörbare Atemgeräusche lassen etwas von den Schwierigkeiten ahnen, die er dabei hat; auch das Sprechen fällt ihm schwer. Die Arme sind aufgestützt, damit zusätzlich Muskulatur für die Atembewegungen zur Verfügung steht. In der Mimik spiegeln sich Anspannung, Angst oder sogar Panik wider. Ein solcher Asthmaanfall kann Minuten, ohne Behandlung aber auch Stunden dauern. Als status asthmaticus wird ein besonders lang dauernder, bis zu Stunden anhaltender, möglicherweise sogar lebensgefährlich werdender Anfall bezeichnet, der auch tagelang dauern kann.

Doch auch weniger »eindrucksvolle« Beschwerden können für die Erkrankung Asthma sprechen, beispielsweise ein nächtlicher Husten, der mit Atemnot einhergeht, tagsüber aber verschwindet.

Die Atemnot beim akuten Asthmaanfall entsteht durch Engstellung bis Verkrampfung der Bronchien (Bronchiolen), wobei die Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet, anschwillt und vermehrt zäher Schleim produziert und abgesondert wird. Ursache dafür kann eine entzündliche Reaktion wie auch die natürliche Engstellung der Bronchiolen während des Schlafs sein. All dies bewirkt, daß durch Bronchien, in denen drangvolle Enge herrscht, die Atemluft nur gegen einen erhöhten Widerstand in die Lungen gelangt. Noch problematischer aber als das Ein- ist das Ausatmen. Mit Hilfe der Atmungsmuskulatur kann der erhöhte Widerstand beim Einatmen meist überwunden werden, während der Einsatz der Atemwegsmuskeln beim Ausatmen nur den Effekt hat, daß die Lungenbläschen in sich zusammenfallen.

Asthma - davon gibt´s verschiedene Formen

Bei Bronchialasthmatikern reagiert das Bronchialsystem auf die einzelnen Reize besonders empfindlich; man spricht auch von einem hyperreagiblen Bronchialsystem oder einer bronchialen Hyperreaktivität. Die Neigung dazu wird vererbt.

Asthma kann in verschiedenen Formen auftreten. Die Bronchialasthma-Klassifizierung, die auch heute noch benutzt wird, ist fast 80 Jahre alt. Danach werden im wesentlichen zwei Formen unterschieden:

  • Asthma bronchiale aufgrund äußerer Ursachen (»Extrinsic«-Asthma) und
  • Asthma bronchiale aufgrund im Körper selbst liegender Ursachen (»Intrinsic«-Asthma).

Allergisches Asthma beginnt oft im Kindesalter

Ursache eines »Extrinsic«-Asthmas ist eine Allergie. Diese Asthmaform wird daher auch exogen allergisch genannt.

Die Allergene gelangen mit der Atemluft in die Bronchien, ob Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder Blütenpollen. Heuschnupfen kann sich zu einer Asthmakrankheit weiterentwickeln; ein Phänomen, das als »Etagenwechsel« bezeichnet wird. Genauso kann ein Asthmaanfall mit heuschnupfenähnlichen Beschwerden, wie z. B. Augenjucken oder Niesen, vergesellschaftet sein.

Stoffe, mit denen man am Arbeitsplatz in Kontakt kommt, können ebenfalls allergische Reaktionen bzw. Asthmaanfälle hervorrufen. Ein Beispiel dafür ist das Bäckerasthma, eine Allergie gegenüber Mehlstaub. Für ein allergisches Asthma sprechen - wie gesagt - der Beginn im Kindesalter, Allergien schlechthin in der Familie, Auftreten der Beschwerden im Intervall und bei Kontakt mit dem Allergen (z. B. Tierhaare).

Wie aber führt eine allergische Reaktion dazu, daß sich die Bronchien verkrampfen? Die Begegnung mit dem Allergen setzt die Bildung von Antikörpern einer bestimmten Typklasse in Gang, nämlich vom Typ IgE. Diese Antikörper stöbern in der Bronchialschleimhaut die sogenannten Mastzellen auf und setzen sich auf deren Oberfläche fest. Bindet sich nun ein Allergen an zwei Antikörper, die jeweils auf verschiedenen Mastzellen sitzen, führt dieser »Brückenschlag« dazu, daß die Mastzellen gespeicherte Entzündungsstoffe freisetzen. Unter der Wirkung dieser »Mediatoren« verkrampft sich die Muskulatur der Bronchien, die Schleimproduktion wird angeheizt, und es kommt zur Entzündung der Atemwege. Inzwischen ist bekannt, daß gerade diese entzündlichen Veränderungen für den Langzeitverlauf der Erkrankung Asthma von entscheidender Bedeutung sind.

Staub, Rauch, Infekte und Co.

Asthmatiker können aber auch auf andere Einflüsse als die eines Allergens mit Atemnot reagieren: beispielsweise auf Chemikalien, Tabakrauch, Staub, Küchendünste, aber auch auf Kälte oder körperliche Anstrengung. Ebenso können psychische Faktoren einen Asthmaanfall hervorrufen. Ungefähr 10 Prozent der Asthmatiker reagieren auf Medikamente, meist auf Schmerzmittel, mit Atemnot.

Das endogene oder »Intrinsic«-Asthma beginnt im allgemeinen im mittleren Lebensalter in der Folge eines Virusinfekts. Daher trägt es auch die Bezeichnung »Infektasthma«. Diese Erkrankung neigt von Anfang an dazu, chronisch zu verlaufen; völlig beschwerdefreie Zeiten sind eher selten. Atemnot kann durch ganz unterschiedliche Reize ausgelöst werden; sie kann Folge von Atemwegsinfekten sein oder auch spontan auftreten. Die Entstehung dieser Asthmaform ist nicht restlos geklärt, ein überempfindliches Bronchialsystem ist aber wohl Voraussetzung.

Asthma ist immer ein Fall für den Arzt. Er kann feststellen, wie weit die Beeinträchtigung der Funktion der Atemwege fortgeschritten ist, und kann eine angemessene Behandlung in die Wege leiten.

Was tun beim Asthmaanfall?

Wenn Sie bei einem Asthmaanfall zugegen sind, unternehmen Sie folgendes:

  • Bewahren Sie Ruhe, versuchen Sie, den Betroffenen zu beruhigen.
  • Fragen Sie den Betroffenen nach seinen Medikamenten für den Notfall, und helfen Sie bei deren Anwendung.
  • Erinnern Sie den Betroffenen an den Gebrauch der sogenannten Lippenbremse, d. h. das Spitzen der Lippen beim Ausatmen, denn dieses verhindert das Zusammenfallen der Lungenbläschen.
  • Bessert sich die Atemnot nicht innerhalb von Minuten oder stehen keine Medikamente zur Verfügung - z. B. weil es sich um den ersten Anfall dieser Art handelt -, so rufen Sie unverzüglich einen Arzt!

Ziel der Behandlung von Asthma ist, Anfälle von Atemnot möglichst schnell zu beenden und neuen Anfällen vorzubeugen. Dazu muß die Behandlung ganz individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein.

Als Basis einer erfolgreichen Asthmatherapie gilt das Vermeiden von Anfallsauslösern. In den Fällen, in denen das wirklich konsequent möglich ist, stellt diese Maßnahme schon einen erheblichen Teil der Therapie dar.

Natürlich kann nicht allen Auslösern aus dem Weg gegangen werden. Menschen, die auf Tierhaare allergisch reagieren, können zwar den Kontakt zu den betreffenden Tieren einschränken; schwieriger wird´s jedoch für die Pollenallergiker. Kaum einer kann jedes Jahr die »kritische« Zeit an der See oder im Hochgebirge verbringen. Und Hausstaubmilben tummeln sich in praktisch jedem Haushalt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann in diesen Fällen eine sogenannte Hyposensibilisierung hilfreich sein. Eine der Voraussetzungen aber ist, daß nur eine Allergie oder bestenfalls einige wenige Allergien gleichzeitig bestehen. Erfolgreich hat sich eine derartige Desensibilisierung vor allem bei allergischen Reaktionen auf Bienen- und Wespengift gezeigt, gut wirksam ist sie im allgemeinen auch bei einer Pollenallergie; weniger sicher ist der Erfolg dagegen bei Allergien gegenüber Hausstaubmilben, Tierhaaren und Schimmelpilzen.

Bei der Hausstaubmilbenallergie empfiehlt es sich, diesen Tierchen das Leben möglichst schwerzumachen.

Das können Medikamente bewirken

Da Asthma eine entzündliche Erkrankung der Atemwege ist, besteht die Grundlage der medikamentösen Behandlung in einer regelmäßigen Inhalation einer stark entzündungshemmenden Substanz. Das gilt schon in einem frühen Stadium der Erkrankung, da sich bereits dann entzündliche Vorgänge an den Bronchien abspielen. Diese stark entzündungshemmenden Wirkstoffe stammen aus der großen Gruppe der Kortikoide. Inhalieren, also Einatmen, hat den Vorteil, daß ein Wirkstoff genau dorthin gelangt, wo er auch wirken soll: in die Bronchien. Vorbeugend vor allem beim allergischen Asthma wirkt die Cromoglicinsäure, denn sie stabilisiert die Mastzellen und verhindert die übermäßige Ausschüttung von Histamin, die schließlich zur Atemnot führen kann. Auch dieser Wirkstoff gelangt per Inhalation an den Ort des Geschehens; es dauert allerdings eine gewisse Zeit, bis seine Wirkung einsetzt.

Andere Wirkstoffe wiederum können dafür sorgen, daß sich die Bronchien erweitern; sie werden ebenfalls inhaliert und meist bei Bedarf eingesetzt.

Bei häufigeren und schwereren Anfällen wird zusätzlich zu den Inhalationen die Einnahme entzündungshemmender und bronchienerweiternder Medikamente erforderlich.

Die Deutsche Atemwegsliga hat dazu Behandlungsempfehlungen herausgegeben, die auf die unterschiedlichen Schweregrade des Asthmas abgestimmt sind.

Um Anfälle zu vermeiden oder auftretende Anfälle zu beherrschen, kann also eine ganze Reihe verschiedener Arzneimittel notwendig sein. Damit der Betroffene »seine« Arzneimittel auch richtig einsetzt, muß er einiges über seine Erkrankung lernen und mit »seinem« Arzt intensiv zusammenarbeiten. Er muß wissen, wie richtig inhaliert wird, welche Medikamente er dauernd und welche er bei Bedarf anzuwenden hat. Außerdem sollte er erkennen können, wenn sich sein Asthma verschlechtert und was er dagegen tun kann bzw. wann ärztliche Behandlung erforderlich wird. Wichtig ist auch, über den Verbrauch von Medikamenten Buch zu führen, damit der Verlauf bei der nächsten ärztlichen Kontrolle beurteilt werden kann. Wie durchgängig die Atemwege sind, das kann der Patient mit einem sogenannten Peak-flow-Messer selbst überprüfen. Nach einer langen, tiefen Einatmung wird schnell in das Gerät ausgeatmet. Das Gerät mißt den höchsten Luftstrom beim Ausatmen und ermöglicht so eine Aussage über die Weite der Atemwege. Mit diesen Messungen, über die natürlich auch Buch geführt werden muß, lassen sich beispielsweise tageszeitliche Schwankungen feststellen, aber auch die Wirkung von Medikamenten abschätzen.




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