Diabetes-Therapie: Laufen liefert Langzeitwirkung

Regelmäßige Bewegung ist für ein gesundes und aktives Leben wichtig - im Speziellen für Menschen mit Diabetes. Nicht nur medikamentöse Behandlungen führen zu einer erfolgreichen Therapie von Diabetes. Sondern auch der Sport kann einen entscheidenden Teil zur Verbesserung des Gesundheitszustands beitragen.

„Sich selbst sein bester Therapeut”

Mit regelmäßiger Bewegung können Diabetiker schon sehr viel ganz ohne Therapeut erreichen. „Man ist sich selbst sein bester Therapeut”, behauptet Prof. Dr. med. Peter Schwarz. Ergebnisse zur Minderung von Typ 2 Diabetes mellitus liegen dabei laut dem Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden zwischen 20 und 70 Prozent in Abhängigkeit von körperlicher Aktivität. Gerade Ausdauersport könne neben der Reduzierung des Körpergewichts, der Verbesserung der Insulinempfindlichkeit des Gewebes sowie der Glukosetoleranz auch eine langfristige Senkung des Blutzuckerspiegels erreichen. Speziell der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c), der durchschnittliche Zuckerwert der vergangenen 8-12 Wochen, sollte unter sieben Prozent liegen. „Je niedriger, desto besser ist die Therapie für den Patienten”, so Schwarz.

Neben therapeutischen Zielen spielen beim Sporttreiben aber gerade Faktoren wie Spaß und Freude an der Bewegung mindestens eine genauso wichtige Rolle. Warum soll nun speziell der Laufsport gerade diese Ziele erfüllen? Viele der insgesamt über sechs Millionen diagnostizierten Diabetikern in Deutschland könnten doch beim Gedanken an Ausdauereinheiten eher zurückschrecken. Frank Busemann sieht das anders: „Das Schöne am Laufen ist, dass man ganz langsam mit Gehen anfangen und sich dann mit ein bisschen Laufen steigern kann”, so der ehemalige deutsche Zehnkämpfer und Olympische Silbermedaillen-Gewinner von Atlanta.

Notwendige Voruntersuchungen und Checks

Bevor man allerdings seine Laufschuhe schnürt, sollte man als Diabetiker einige Dinge beachten. Um die empfohlenen 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche (von moderater bis intensiver Belastung) erfolgreich meistern zu können, sollte man sich zunächst einer medizinischen Voruntersuchung unterziehen. „Da Sport den Blutzucker senken kann, müssen eventuelle Ernährungsgewohnheiten oder die Dosis und die Einnahmezeiten der Medikamente angepasst werden”, sagt Prof. Schwarz. Zudem sollten folgende Bedingungen erfüllt werden: Sportmedizinische Tauglichkeit, Bestimmung der Laborwerte (Blutbild, Blutfette, Leberwerte, Nierenwerte, Urinstatus, Langzeitblutzuckerwert HbA), EKG und Belastungs-EKG, sowie eine neurologische und augenärztliche Untersuchung.

Zudem ist auch vor und nach dem Sport die Kontrolle der Blutzuckerwerte wichtig, insbesondere bei länger andauernden Aktivitäten. Bei einer längeren Ausdauer-Belastung, sollte der Diabetes-Ausweis, eine zuckerhaltige Zwischenmahlzeit sowie ausreichend Flüssigkeit (z.B. Saftpäckchen, Glukose-Gel) auf jeden Fall mit dabei sein. Von einer sportlichen Belastung wird abgeraten, wenn der Nüchtern-Blutzuckerwert über 300 mg/dl (16,5 mmol/l) oder unter 70 mg/dl (4 mmol/l) beträgt.

Unterwegs mit Freunden

Hört sich für den unerfahrenen Sportler erst einmal kompliziert an. Doch auch diese Hürden sind leicht zu umgehen. „Wer sich alleine nur schwer zum Sport überwinden kann, für den sind Verabredungen mit Freunden zum gemeinsamen Training hilfreich”, rät Busemann, der seit 2008 als Sportlicher Leiter im Deutschen Zentrum für Präventivmedizin in Damp arbeitet. Beim Sport in Gruppen kann dann bei vorheriger Information auch der Sportpartner eingreifen, sollte ein Notfall auftreten. Aus diesem Grund empfiehlt Dr. Ulrike Thurm, sich einer Diabetessportgruppe anzuschließen. “Eine gute Adresse für diabetische Sportler ist die IDAA (Internationale Vereinigung Diabetischer Sportler), die bundesweit Aktivitäten (z.B. den „Championsrun” für Menschen mit Diabetes bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin), Beratung und einen Erfahrungsaustausch für diabetische Sportler anbietet”, so die Diabetesberaterin und Vorsitzende der IDAA.

Sollten diese anfänglichen kleinen Hürden überwunden sein, kann für den Diabetiker genauso der Startschuss fallen, wie beim nicht an Diabetes leidenden Sportler. „Nach einer ärztlichen Untersuchung steht dem Start in ein aktives, sportliches Leben nichts mehr im Wege”, so die Diabetikerin und begeisterte Marathonläuferin. Zu ungeduldig sollte man jedoch nicht sein und sich Zeit für seine persönlichen Ziele lassen. „Laufen muss man erst einmal entdecken”, so Busemann. Und genau das kann ja gerade das Schöne an diesem Freiluftsport sein.

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