Herzrhythmusstörungen bei Kindern

Tritt bei Kindern der sogenannte “Lichtschaltereffekt” auf, sollte man den plötzlich auftretenden und ebenso spurlos wieder verschwindenden Symptomen Beachtung schenken. Denn auch Kindern können bereits unter chronischen Herzrhythmusstörungen leiden. Häufig klagen sie über Herzstechen, -rasen oder auch Aussetzen des Herzschlags. Aber auch Übelkeit, Schwindel und Ohnmachtsanfälle können auf die Krankheit hindeuten

Der Alltag von Kindern ist abwechslungsreich. Entsprechend passt sich der Herzschlag an das Tempo der Kids an: Beim Kuscheln auf dem Sofa schlägt es langsam, beim Spielen schnell. Ändert sich die Schlagfolge aber plötzlich und ohne ersichtlichen Grund, handelt es sich um Herzrhythmusstörungen. Meist sind diese ‚Fehlzündungen´ harmlos: „Auch ein gesundes Kinderherz kann einmal stolpern oder sehr schnell schlagen - zum Beispiel, wenn etwas besonders aufregend ist”, erklärt Professor Thomas Paul, Kinderkardiologe am Herzzentrum Göttingen. „Besorgte Eltern sollten ihr Kind aber zur Sicherheit untersuchen lassen.” Treten die Störungen häufiger oder immer wieder auf und kommt es wiederholt zu unerwartetem Herzrasen, besteht Handlungsbedarf. In Göttingen wird in diesem Fall eine neue Behandlungsmethode angewendet, die zielsicher und dabei besonders schonend ist: Mit minus 75 Grad kaltem Stickstoff wird der natürliche Herzrhythmus wieder hergestellt.

Heilen mit Kälte

Über einen Katheter wird der kalte Stickstoff an die Stelle des Herzmuskels gebracht, die das Organ aus dem Takt bringt (Katheterablation). Das schädliche Gewebe wird dadurch zerstört und die Beschwerden gestoppt. „Um sicherzugehen, dass genau die richtige Stelle getroffen wird, kühlen wir das Gewebe zunächst nur auf minus 30 Grad. So können wir testen, ob der gewünschte Effekt eintritt, ohne gesundes Gewebe zu zerstören.” Die so genannte Kryoenergietechnik ist sehr schonend und daher für Kinder besonders geeignet.

Herzrhythmusstörungen besser behandeln

Bei rund drei Viertel aller Betroffenen wird das Herzrasen durch ‚versprengte´ Leitungsbahnen hervorgerufen. Das heißt, die elektrischen Impulse werden nicht wie beim gesunden Herzen von nur einer Leitungsbahn, sondern auch von Nebenbahnen von den Vorkammern auf die Hauptkammern des Herzens übergeleitet - ein ‚Kurzschluss´ entsteht. Langfristig wird das Organ dadurch geschädigt. Außerdem ist die Lebensqualität der kleinen Patienten deutlich eingeschränkt: Damit die gefürchteten Beschwerden nicht auftreten, müssen die Kinder häufig Aufregungen und Anstrengungen vermeiden. Deshalb werden sie oft übervorsichtig behandelt und geraten so unter Gleichaltrigen leicht ins Abseits. Zwar können Medikamente die Schlagfrequenz regeln, die Präparate müssen jedoch dauerhaft eingenommen werden und verursachen mitunter Nebenwirkungen. Bei der Katheterablation dagegen werden die Beschwerden ohne Medikamente gestoppt, da die überflüssige Nebenbahn beseitigt wird.

Die Göttinger ziehen positive Bilanz

„Im Herzzentrum Göttingen wurden in den vergangenen drei Jahren mehr als 75 Kinder erfolgreich mit der Kältetherapie behandelt”, so Paul. „Die Erfolgsquote liegt bei 95 Prozent. Die Kinder können nach kurzem Krankenhausaufenthalt gesund nach Hause gehen und ein ganz normales Leben führen. Sie können Sport treiben und ausgelassen mit Freunden toben.

Weitere Informationen: www.kinderherzklinik.de. Rufnummer für Patienten: +49-(0)551-396203




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