Lungenkrebs: Zielgerichtete Therapien können Überleben verlängern

Angiogenese-Hemmer trennen den Tumor von seiner Nährstoffversorgung trennen und hungern ihn regelrecht aus, während andere Wirkstoffe den epidermalen Wachstumsfaktor Rezeptor (EGFR) blockieren, und so das Tumorwachstum stoppen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 33.000 Männer und 13.000 Frauen neu an Lungenkrebs. Bei Frauen nimmt die Häufigkeit vor allem durch den immer noch steigenden Zigarettenkonsum besorgniserregend zu. Bei 80 Prozent der Patienten wird das so genannte nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) diagnostiziert. Aufgrund der unspezifischen Symptome in seinem Frühstadium wird die Erkrankung oft zu spät, das heißt, erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Die Überlebenschancen bei Lungenkrebs sind im Vergleich zu anderen Krebsarten immer noch relativ niedrig. Im fortgeschrittenen Stadium ist das Ziel der Behandlung daher nicht mehr die Heilung, sondern die bestmögliche Kontrolle der Erkrankung, um die Lebensqualität der Patienten möglichst lange zu erhalten.

Standard der Therapie beim fortgeschrittenen Lungenkrebs ist bisher die Chemotherapie, das heißt die Behandlung mit Zellgiften. Die Überlebenszeit wird durch die Anwendung dieser Behandlungsoption zwar verlängert, doch ist eine weitere Verbesserung der Prognose von Lungenkrebspatienten unter einer Chemotherapie nicht zu erwarten. Nur durch den Einsatz von Wirkstoffen mit vollkommen neuen Wirkmechanismen, welche gezielt den Tumor angreifen und gesunde Zellen möglichst schonen, kann die Überlebenszeit bei Lungenkrebs verlängert werden.

Angiogenese-Hemmung setzt neuen Maßstab

Einer dieser neuen Wirkmechanismen ist der VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) - Antikörper, der in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt wird. Mit dieser Kombination kann eine Überlebenszeit von durchschnittlich mehr als zwölf Monaten bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC erzielt werden. Bei dem häufigsten NSCLC-Typ, dem Adenokarzinom, wurde mit dieser Kombination in einer Studie sogar eine Verlängerung des Überlebens auf über 14 Monate beobachtet.

Der VEGF-Hemmer beruht auf dem neuen Wirkprinzip der sogenannten Angiogenese-Hemmung: Die Neubildung von Blutgefäßen wird bei dieser Therapie unterdrückt. Seit einem guten Jahr steht diese Behandlungsoption für Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs zur Verfügung. Das Wirkprinzip setzt nicht am Tumor selbst an, sondern an seiner Versorgung mit Nährstoffen.

Überzeugender Langzeitnutzen durch EGFR-Hemmung

Kommt es zum Fortschreiten der Erkrankung, steht für die weitere Therapie bereits vorbehandelter Patienten (Zweite Therapielinie) mit dem sogenannten EGFR (Epidermal GrowthFactor Receptor) - Hemmer ebenfalls eine neue zielgerichtete Option zur Verfügung. Als Tablette wird das so genannte „Small Molecule” einmal täglich eingenommen, sodass diese Therapie problemlos zu Hause oder unterwegs möglich ist. Der EGFR-Hemmer greift anders als eine Chemotherapie gezielt in das Tumorwachstum ein. Denn um sich zu entwickeln, senden Tumorzellen Signale an den Zellkern. Daraufhin teilen sich die Zellen und der Tumor wächst. Genau hier setzt der Wirkstoff ein. Er blockiert die Signalweiterleitung zum Zellkern. So wird das Tumorwachstum gehemmt, die Krebszellen verkümmern und sterben schließlich ab.

Seit seiner Zulassung 2005 ist der EGFR-Hemmer im klinischen Alltag etabliert und zeigt eine gute Wirksamkeit. Dies belegt eine Dokumentation von Krankheitsverläufen einzelner Lungenkrebspatienten. In die Dokumentation wurden Patienten aufgenommen, die mindestens ein Jahr lang mit dem „Small Molecule” behandelt worden sind. Innerhalb von nur fünf Monaten wurden mehr als 300 Patienten erfasst, die bereits länger als ein Jahr von der Therapie mit dem EGFR-Hemmer profitieren. Éinzelne Patienten leben schon über 40 Monate mit dieser Therapie. Wobei der Behandlungserfolg unabhängig von Geschlecht, Raucherstatus und Lungenkrebstyp ist.

Mehr als drei Viertel der Patienten schätzen die Verträglichkeit gut oder sehr gut ein, nur drei Prozent haben die Therapie nicht vertragen. Treten Nebenwirkungen wie Hautreaktionen oder Durchfall auf, so verlaufen diese meist moderat und sind gut therapierbar.

Insgesamt haben sich die Behandlungsmöglichkeiten durch die zielgerichteten Therapien verbessert, sodass nun auch Lungenkrebspatienten effektive Behandlungsoptionen angeboten werden können. Experten glauben, dass die neuen zielgerichteten Therapieansätze weitere Erfolge in der Behandlung von Lungenkrebs ermöglichen werden.




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