Probleme in der Krebsbehandlung

Jährlich erkranken rund 330.000 Menschen neu an einer bösartigen Erkrankung. Bei etwa der Hälfte dieser Fälle ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose noch örtlich begrenzt und wird durch lokale Therapiemaßnahmen, in der Regel eine Operation, behandelt.

Tumortherapie und optimale Behandlung der Nebenwirkungen

Während eine Operation durch eine Bestrahlung und/oder eine systemische Chemotherapie ergänzt werden kann, ist, wenn sich die Erkrankung allerdings bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, eine spezielle systemische oft aggressive Tumortherapie erforderlich, die zwingend auch supportive (unterstützende) Maßnahmen zur Vorbeugung oder Behandlung von unerwünschten Wirkungen erfordert. Denn nur wenn alle zur Verfügung stehenden supportiven Maßnahmen ausgeschöpft werden, kann die Überlebenschance für den Patienten erhöht und seine Lebensqualität deutlich gebessert werden.

Die durch Chemotherapie induzierte febrile (fiebrige) Neutropenie ist eine der gefürchtetsten lebensbedrohlichen Komplikationen der Chemotherapie.

Chemotherapeutika beeinträchtigen die Bildung von Blutzellen im Knochenmark und es kommt zu einem starken Absinken aller Blutkörperchen, so auch der neutrophilen Granulozyten, die zu den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) gehören. Bei niedrigen Neutrophilen spricht man von einer Neutropenie, deren Folge Fieber und Infektionen sind. Diese Komplikationen zwingen zur Dosisreduktion der Chemotherapie und zur Verschiebung des nächsten Zyklus, was sich natürlich negativ auf den Gesamtverlauf und das Therapieergebnis auswirkt. Und es kommt nicht selten vor, dass ein Patient aufgrund einer febrilen Neutropenie verstirbt.

Daher wird heute der prophylaktische Einsatz von Granulozyten-stimulierenden Faktoren, wie Pegfilgrastim (Neulasta®, Fa. Amgen GmbH) empfohlen, wenn das individuelle Risiko für eine febrile Neutropenie größer als 20% ist bzw. zwischen 10 und 20% liegt und weitere Risikofaktoren bestehen. Pegfilgrastim ist ein langwirksamer Granulozyten-stimulierender Faktor, der, wenn er konsequent täglich verabreicht wird, das Risiko einer febrilen Neutropenie signifikant senken kann. Dadurch werden Dosisreduktionen seltener nötig, die Therapiezyklen, selbst dosisdichte Zyklen, wie sie bei Hochrisiko-Patienten angewendet werden müssen, können eingehalten werden und die Überlebenschancen steigen signifikant.

Nicht minder risikoreich ist die tumorbedingte und durch Chemotherapie induzierte Anämie, die bei bis zu Dreiviertel aller Tumorpatienten auftritt. Damit verbunden sind eine signifikante Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes und der Lebensqualität. Die Anämie entsteht nicht nur durch die durch Chemotherapie beeinträchtige Blutneubildung im Knochenmark. Krankheitsbedingt ist nämlich die Eieisenresorption im Darm gestört, so dass dem blutbildenden Knochenmark weniger Eisen zur Neubildung von roten Blutkörperchen zur Verfügung steht. Im engeren Sinn handelt es sich bei der tumorbedingten Anämie also eher um eine Eisenmangel-Anämie. Neben Präparaten wie EPO, die die Erythropoese (Neubildung von roten Blutkörperchen) stimulieren, muss dem Patienten Eisen verabreicht werden. Allerdings scheiden orale Gaben aus weil das Eisen aufgrund der krankheitsbedingten Entzündung nicht ausreichend resorbiert werden kann und zudem zu gastrointestinalen Beschwerden führt. Gerade in der supportiven Tumortherapie bietet sich ein intravenös verabreichtes Eisenpräparat, wie Eisencarboxymaltose (Ferinject®, Fa. Vifor Pharma Deutschland GmbH) an, welches in hohen Dosen von bis zu 1000 mg als Kurzinfusion verabreicht werden kann. Zusätzlich kann durch die intravenöse Eisensubstitution die benötigte EPO-Menge reduziert oder es kann sogar ganz darauf verzichtet werden.

Abhängig von Tumorart, Tumorstadium und Grad der Metastasierung leiden bis zu 90% der Patienten an starken bis sehr starken Schmerzen. Daher ist im Rahmen der Krebsbehandlung eine adäquate Schmerztherapie, bei der Schmerzen schnell und nachhaltig gelindert werden, unerlässlich, denn nur dadurch kann dem Patienten ein MEHR an Lebensqualität geboten werden. Bei Tumorschmerzen hat es keinen Sinn, dem WHO Schema zu folgen, bei welchem im ersten Schritt sogen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Diclofenac oder Ibuprofen verabreicht werden. Bei Tumorpatienten muss sofort mit der dritten Stufe (starke Opioide) begonnen werden, wobei gut verträglichen Präparaten der Vorzug gegeben werden sollte. Moderne Opioide, wie die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin®, Fa. Mundipharma Vertriebsges. mbH & Co. KG) erfüllen diese Kriterien. Targin ist nicht nur stark wirksam, sondern auch sehr gut verträglich und erfüllt somit alle Forderungen, die an eine sinnvolle Schmerztherapie bei Tumorpatienten gestellt werden.

Neben den Schmerzen belasten die Patienten auch Übelkeit und Erbrechen während und in vielen Fällen auch nach der Chemotherapie, so dass es wichtig ist, ihnen im Rahmen einer Emesisprophylaxe Schutz vor diesen Nebenwirkungen zu geben. In den letzten 15 Jahren wurden gerade in diesem Bereich deutliche Fortschritte gemacht und es kam zu einer enormen Verbesserung in diesem Bereich. So steht heute Fosaprepitant (IVEMEND®, 150 mg, Fa. MSD Sharp Dohme GmbH) zur Verfügung, ein Neurokinin-1-Antagonist, welcher intravenös als Einmalgabe vor Beginn der Chemotherapie verabreicht wird und der im Vergleich zu den früher verabreichten oralen Mitteln zur Emesisprophylaxe viele Vorteile bietet. Die intravenöse Einmalgabe schützt vor Übelkeit und Erbrechen nicht nur während, sondern bis zu 5 Tagen nach der Chemotherapie. Selbst bei hoch emetogener Chemotherapie mit Cisplatin hatten 74% der Patienten kein Erbrechen während und bis zu 5 Tage nach der Chemotherapie, wie Studienergebnisse zeigten. Im Vergleich zu einer oralen Behandlung, die über mehrere Tage durchgeführt werden muss, bietet also eine intravenöse Einmalgabe mit Fosaprepitant nicht nur einen hohen antiemetischen Schutz sondern auch eine deutliche Erleichterung für die Patienten.

Die im Rahmen dieses Workshops vorgestellten Themen zeigen deutlich, dass nicht nur die richtig gewählte Chemotherapie die Überlebenschancen für die Patienten erhöhen kann, sondern dass auch die richtig gewählten begleitenden Maßnahmen zur Prophylaxe und Behandlung sowohl tumorbedingter als auch chemotherapiebedingter Nebenwirkungen wichtig sind um die Lebensqualität dieser schwerkranken Patienten zu verbessern.




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