Reisekrankheit

Manche Menschen sehen der »schönsten Zeit des Jahres« mit gemischten Gefühlen entgegen. Nicht, daß sie befürchten, den gewohnten Alltagstrott allzusehr zu vermissen; vielmehr wissen sie aus Erfahrung, daß die Reise in die Urlaubsgefilde sich oft nicht gerade als erholsam darstellt. Grund dafür ist die Reisekrankheit, die sich bei ihnen immer dann einstellt, wenn sie sich einem ungewohnten und vielleicht sogar noch schwankenden Transportmittel anvertrauen müssen.

Die Angst im Nacken und Ameisen im Bauch

Unterschwellige oder im Falle der Flugangst sogar bewußte Befürchtungen erzeugen ein flaues Gefühl im Magen; das irritierte Gleichgewichtsorgan trägt schließlich seinen Teil zur Entstehung der einschlägigen Beschwerden bei. Betroffene wissen ein Lied davon zu singen: Übelkeit, Schwindelgefühle, Schweißausbrüche und Erbrechen können selbst die schönste Urlaubsvorfreude zunichte machen.

Doch der Reisekrankheit läßt sich vorbeugen. Das beginnt schon bei der Planung der Reise. Je nach Transportmittel gibt es für »Reisekranke« günstige und ungünstige Plätze:

  • Im Bus sind vor allem die hinteren Plätze wenig vorteilhaft; da schaukelt´s nämlich am meisten. Besser sind Plätze im Vorderteil des Fahrzeugs, vor allem, wenn der Blick aus der Frontscheibe möglich ist.
  • Entsprechend ist im Auto ein Vordersitz die Position der Wahl (außer für Kinder, die auf die Rücksitze gehören). Manche Menschen »leiden« übrigens nicht, solange sie selbst am Steuer sitzen, wohl aber, wenn sie als Beifahrer fungieren.
  • Bei Flugzeugen ist der Mittelteil zu empfehlen; dort ist ein ruhiger Flug noch ruhiger und ein rauher nicht ganz so rauh.
  • Schiffe sind natürlich ein echtes Reizthema: Wie bei den Flugzeugen, so liegen auch bei den schwimmenden Transportmitteln die mittleren Teile relativ ruhig. Auf Deck, vor allem auf dem Vorderdeck, sind die Bewegungen des Schiffes dagegen besonders deutlich spürbar.
  • Im Zug ist ein Sitzplatz in Fahrtrichtung zu bevorzugen.

So stimmen Sie Ihren Magen auf die Reise ein

Mit welchem »Vehikel« Sie auch immer reisen: Sie sollten grundsätzlich versuchen, Ihrem Gleichgewichtssystem einen festen Punkt zur Orientierung zu bieten. Fixieren Sie also mit den Augen einen Punkt in der Ferne, versuchen Sie nicht, dicht und damit schnell vorbeiziehende Gegenstände zu betrachten.

Bereits einen Tag vor der Reise sollten Sie außerdem damit beginnen, Ihren Magen pfleglich zu behandeln. Das heißt, Sie sollten ihm nicht zuviel und nicht zu schweres Essen zumuten. Vermeiden Sie also fette, scharf gewürzte Speisen und ein Übermaß an Kaffee oder Alkohol. Auch der Reiseproviant sollte im wahrsten Sinne des Wortes »leicht« sein.

Für hartnäckige Fälle von Reisekrankheit gibt es in der Apotheke entsprechende Präparate zur Selbstbehandlung, die meist 30 Minuten bis eine Stunde vor Reiseantritt eingenommen werden sollten. Da die meisten dieser Medikamente das Reaktionsvermögen verändern können, sind sie für »Selbstfahrer« allerdings nicht geeignet.

Ob nun Montezuma, der Pharao oder der Hongkong Dog - hat einen erst einmal der Durchfall ereilt, ist es eigentlich egal, wer sich gerade »rächt«. Um aber der Wahrheit die Ehre zu geben: Oft ist es die eigene Unvorsichtigkeit, die einen an weniger interessante »Urlaubsörtchen« fesselt. Denn Ursache des Durchfalls, der Reisediarrhöe , sind häufig Bakterien, die mit Wasser oder Speisen aufgenommen wurden. Eine alte englische Kolonialweisheit besagt deshalb: Boil it , peel it , cook it , or forget it! (Koch´s, schäl´s, brat´s oder vergiß es!) Diese Weisheit ist auch heute noch aktuell.

Genuß und Gefahr liegen nahe beieinander

Etwa 50 Prozent der Reisenden in warme Länder erwischt´s. Ein guter Grund also, einige Vorsichtsmaßnahmen zu beherzigen:

  • Trinken Sie kein Leitungswasser; benutzen Sie auch zum Zähneputzen Mineralwasser. Verzichten Sie auf Getränke mit Eiswürfeln.
  • Essen Sie Fleisch, Fisch und Meerestiere nicht roh, sondern nur »gut durch«; Gemüse nur gegart.
  • Genießen Sie Obst nur geschält.
  • Meiden Sie offenes Speiseeis, Pudding- und Cremespeisen.
  • Trinken Sie nur abgekochte Milch.
  • Rohkostsalate, Dressing und Mayonnaise sind ebenfalls riskant.

Als relativ sicher gelten Speisen mit einer Temperatur von 60 Grad und mehr sowie saure Nahrungsmittel (Zitrusfrüchte) und Nahrungsmittel mit hohem Zuckergehalt (Sirup). In den ersten Tagen in südlichen Gefilden ändert sich die Darmflora; deshalb ist es ganz besonders zu Beginn des Aufenthalts wichtig, Vorsicht walten zu lassen.

Was aber ist zu tun, falls der Geist willig, der Magen aber schwach war und sich der gefürchtete Durchfall schließlich doch eingestellt hat? Auch dafür sollten Sie vorgesorgt haben: Ihre gut ausgerüstete Reiseapotheke sollte ein Mittel enthalten, das Ihren übereifrigen Darm nachhaltig bremsen kann. Bewährt hat sich zu diesem Zweck beispielsweise der Wirkstoff Loperamid.

Zum Arzt gehen sollten Sie, wenn

  • die Durchfälle Blutbeimengungen aufweisen,
  • Sie Fieber haben,
  • sich starke Darmkrämpfe einstellen,
  • der Durchfall nicht innerhalb von drei Tagen endet.

Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern ist besonders ernst zu nehmen. Hier ist die Ursache meist eine Darminfektion. Man sollte sofort den Arzt konsultieren. Kinder unter zwölf Jahren dürfen nur unter Aufsicht eines Arztes mit dem Wirkstoff Loperamid behandelt werden.

Bei Durchfall verliert Ihr Körper viel Flüssigkeit und Elektrolyte; der Kreislauf reagiert darauf äußerst empfindlich, die Verluste müssen unbedingt ausgeglichen werden. Dazu eignet sich Elektrolytpulver aus der Apotheke (darf in der Reiseapotheke ebenfalls nicht fehlen!), das in Mineralwasser aufgelöst wird. Eine »Notlösung« ist Orangensaft, dem man pro Liter ein bis zwei Eßlöffel Zucker und einen Teelöffel Salz zufügt. Abzuraten ist von Milch, Kaffee und Alkohol, denn diese Getränken können die Darmtätigkeit sogar noch »anspornen«.

Reisedurchfall - die Risikorangliste:

  • Geringes Risiko (8 Prozent pro 14 Tage Aufenthalt): Nordamerika, Nord- und Zentraleuropa, Australien, Neuseeland und Japan.
  • Mittleres Risiko (8 bis 14 Prozent pro 14 Tage Aufenthalt): Europäische Mittelmeerländer, pazifische Inseln, Israel, Argentinien und Südafrika.
  • Hohes Risiko (über 20 Prozent, z. T. über 50 Prozent): Entwicklungsländer einschließlich Nordafrika, entlegene Gebiete in Osteuropa.



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