Schmerzen? Müssen sie wirklich sein?

Chronische Gelenkschmerzen sind fast unerträglich. Auf dem Symposium der Europäischen Schmerzföderation (EFIC) in Dubrovnik diskutierten hochrangige Wissenschaftler vor Kurzem die neuesten schmerzlindernden Maßnahmen. Und man erklärte 2016 zum „Europäischen Jahr gegen Gelenksschmerzen“ - mit dem Ziel, ein Gesundheitsproblem in den Mittelpunkt zu stellen, unter dem über 50jährige weltweit zu leiden haben

Abnehmen gegen den Schmerz!

Eine Studie aus Glasgow bewies, dass eine gezielte Verminderung des Körpergewichtes das Schmerzempfinden von Patienten, die an fortgeschrittener Arthrose (Osteoarthritis) litten, um ein vielfaches senken kann. Gerade die Medikation von nicht-steroidalen Entzündungshemmern könnte damit auf bisher viermal die Woche auf dreimal die Woche gesenkt werden! Körperliches Training und psychologische Betreuung können unter Umständen - zielgerichtet auf ausgesuchte Personengruppen - eingesetzt werden und die Gabe von Schmerzmedikamenten senken.

Verfügbare Schmerzmedikamente wirken nicht immer

Im Focus des Symposiums stand auch eine völlig neue Substanzklasse, die sogenannten NGF-Blocker, im Mittelpunkt. NGF steht für „nerve growth factors“ oder Wachstumsfaktoren. Viele klinische Studien zeigen, dass mittels der Blockierung von Wachstumsfaktoren ein schmerzlindernder Effekt auf Arthrosen, Rückenschmerzen und andere Schmerzen erzielt wird. Leider ist die Entwicklung neuer Medikamente ein langwieriger Prozess.

Ein anderer Forschungsansatz versucht, die Mechanismen des Schmerzes und der Schmerzübertragung zu identifizieren und diese auszuschalten - allerdings nur an den richtigen Stellen. „Ohne Schmerz als Warnsignal wären wir ständig gefährdet, uns zu verletzen, daher kann nicht das Schmerzempfinden als Ganzes vermieden werden“, so Prof. David Walsh von der Universität Nottingham (Großbritannien). Beta-Blocker, die seit Jahrzehnten gegen Bluthochdruck verschrieben werden, könnten ein Lösungsweg sein. Inzwischen stellt sich immer mehr heraus, dass bei manchen Menschen die Schmerzübertragung durch Beta-Blocker beeinflusst wird.

Auch dieses Mal stellten die Mediziner erneut fest, dass jeder Patient unterschiedlich auf eine Schmerztherapie reagiert: bei manchen hilft dieses, bei anderen jenes Schmerzmedikament - wir sind nun mal nicht „über einen Kamm zu scheren“!

Prof. Welsh erklärte daher: „Diejenigen Schmerzmedikamente sind nicht unwirksam, nur weil sie bei Studien durch Statiken gefallen sind - es gibt genügend Patienten, die auf diese Medikamente positiv reagieren.“

Wie geht es nun weiter?

Das Unterdrücken von Schmerzen mit Hilfe von Steroiden, d.h. in vielen Fällen Cortison, ist zwar kurzfristig hilfreich - auf Dauer, v. a. nach größeren Gelenksoperationen nicht wirklich hilfreich. Der Patient sollte im Mittelpunkt stehen: Medikamente wie Cortison, Opioide usw. müssen gegeben werden, wenn es kein Alternative gibt. Gewichtsabnahme muss ein ganz großes Thema bleiben, damit Medikamente mit vielschichtigen Nebenwirkungen möglichst niedrig dosiert oder gar nicht verschrieben werden müssen.




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