Darmstadt – zwischen Höhe und Heimlichkeiten

  • Hessisches Landesmuseum
    Hessisches Landesmuseum - © pure.passion.photo - Fotolia.com
  • Russische Kapelle
    Russische Kapelle - © World travel images - Fotolia.com
  • Hochzeitsturm
    Hochzeitsturm - © Dr. R. Reiser

Der Besucher kommt am Hauptbahnhof an, biegt um die Ecke und fällt förmlich in das Hotel, besser gesagt in das Maritim-Hotel daneben. Dieses wiederum liegt nahe einer Straßenbahn-Haltestelle, man ist somit im Nu in der Innenstadt. Und der Gast stellt schnell fest: Diese Stadt, im Krieg arg zerstört, hat herrliche Oasen der Kunst und Kultur, birgt Überraschungen im großen Stil, die mit den Namen Goethe, Büchner und Hundertwasser verknüpft sind, um nur einige der großen Namen zu nennen. Am Marktplatz lädt ein Speiselokal vom feinsten ein. Es nennt sich Darmstädter Ratskeller Hausbrauerei.

Trotz vieler Reisen, die mir der Beruf beschert hat, bin ich noch nie in Darmstadt gewesen, und jetzt sehne ich mich förmlich wieder hin. Und das insbesondere auch, weil nach einer langen Bauzeit endlich 2014 das Hessische Landesmuseum wieder eröffnet wird. Ich habe viel und viel schönes über das große Haus in der Innenstadt gelesen.

Holbeins Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen, kurz die „Darmstädter Madonna“ genannt, ist ein Gemälde in der ersten Reihe der Malerei der Welt. Auf Stefan Lochners Bild der Darstellung Christi im Tempel (1447) führen die Damen Kölns den Modeputz der Zeit vor. Wolfgang Fuhrmannek zeigt uns die Krippe in Bethlehem, eine Sonne mit Strahlen, darauf das Christkind. Um 1480 entstand das Werk, das den alten Slogan aufgreift: „Ad Christum, qui est sol“ (Zu Christus, der die Sonne ist).

Dann der Ortenberger Meister, der um 1430 die Heilige Sippe vorführt. Das Mittelalter schöpft die Legenden aus einem Buch, das genauso verbreitet ist wie die Bibel., geschrieben vom großen Bischof Jacobus de Voragine. In Darmstadt ist er auf besagtem Gemälde abgebildet, ganz rechts mit seiner Publikation in Händen – eine absolute Rarität der Kunstgeschichte.

Ich blättere in alten Büchern und stelle mit Erstaunen fest, hier im Hessischen Landesmuseum befand sich einst Franz Stucks Salome in einer Sonderanfertigung – wohl das kühnste, das je ein Künstler diesbezüglich geschaffen hat. Daneben schauen die modernen Tänzerinnen geradezu wie biedere Pensionatsschülerinnen aus. Seit 1945 ist das Bild verschollen. Erhalten dagegen Pechsteins Bildnis in Rot (1909). Eine Frau im roten Kleid vor dem roten Tisch und dem aufgespannten Schirm, ebenfalls in Rot. Wie brav dagegen das blonde Mädchen von Moritz Schwind. Morgenstunde(um 1857) nennt er das Werk, auf dem die junge Frau durch das Fenster auf die Alpenkette blickt.

Man spürt es noch heute, Darmstadt huldigt dem schönen Geschlecht, das uns facettenreich an jeder Ecke anblickt. Vor der Ludwigskirche, einem gewaltigen Rondell nach Art des Pantheon in Rom, steht eine Säule zu Ehren einer mildtätigen Fürstin. Gestiftet haben das Kunstwerk, wie man noch heute der Inschrift entnehmen kann, die „Frauen und Jungfrauen Hessens“. In dem Gotteshaus selbst liegt die Großherzogin Mathilde begraben, eine bayerische Prinzessin, über die wahre Legenden verbreitet werden.

Die Mathildenhöhe ist nach ihr benannt, ein Hügel, der uns die schönsten Produkte des Jugendstils im Galarock der Lust vorführt. Der Hochzeitsturm ist heute europaweit bekannt, innen ein bezauberndes Mosaik, das ein liegendes, sich umarmendes nacktes Pärchen vorführt. Der Kuß wird das Kunststück betitelt. Draußen die Jugendstilwohnhäuser der Architekten und Künstler – und eine russische Kirche in goldenen Rundungen. Einer Darmstädterin ist der Bau zu verdanken, Alexandra, die den Zaren Nikolaus II. heiratet.

Ein 16-, 17jähriges Mädchen aber verleiht der Stadt einen besonderen Glanz. Hier wächst Luise von Mecklenburg-Strelitz auf, eine Enkelin des Landgrafen Georg von Hessen. Es schart Geist und Eleganz um sich, wird am 15. Juni 1792 in der Stadtkirche konfirmiert, der Deutsche Frauenorden Hochstift Darmstadt läßt eine Gedenktafel darin anfertigen.

Am 11. Dezember schreibt sie ihrem Bräutigam: „Übermorgen früh um 4 Uhr werden wir nach Berlin abreisen. Der Abschied ist mir sehr schwer, aber er wird aufgewogen durch die Gewißheit, einen Freund zu finden, der mein Glück ausmachen wird.“ Keine zwei Wochen später findet die Hochzeit statt. Die Rede ist von der Grazie der deutschen Throne, von der preußischen Königin Luise. Darmstadt hat sie immer in der schönsten Erinnerung. Wie auch ich, der zwischen Maritim und Mathildenhöhe einige wunderbare Tage verbringen durfte.

Infos: information@darmstadt.de und Maritim Konferenzhotel Darmstadt




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