Salzkammergut: Urzeitfunde, Salzsieder und Bergknappen

  • Johanna Rieger Primushäusl
  • Schnapsbrennerei Primushäusl
  • Gasthof Post
  • Wolfgangs See
  • Holz & Werkstatt Ladner
  • Hutmanufaktur Franz Bittner
  • Hutmanufaktur Franz Bittner
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  • Schuhmachermeister Sebastian Leitner
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Alt, sehr alt und doch ganz modern und zeitnah ist man dort, wo man laut einer bekannten Operette „gut lustig sein kann“. Aber so wie das Salzkammergut bei weitem nicht nur aus beschwingter Operetten-Seligkeit besteht, so findet man vielerorts doch Vergangenes gegenwärtig. Wir haben uns die schönsten Ziele in diesem landschaftlichen Kleinod mit dem Fahrrad erobert und waren begeistert von der Vielfältigkeit der Geschichte, von den alten Traditionen, die hier noch mit Liebe erhalten und gepflegt werden und von einer Landschaft, an welcher sich das Auge nicht satt zu sehen vermag.

St. Gilgen am Wolfgangsee

Bleigrau und spiegelglatt schimmert der See an diesem Nachmittag, als wir unsere modernen Stahlrösser inklusive elektrischer Trethilfe für wadlschwache Großstädter vor dem Gasthof zur Post in Empfang nehmen. Während die einen ihre Drahtesel etwas argwöhnisch bestaunen, bewundern die anderen die prachtvolle Bandmalerei am Hotel und unsere Gastgeber schicken ein Stoßgebet gen den wolkenschweren Himmel mit der Bitte, die Truppe doch am Sonntag wieder heil ankommen zu lassen. Doch mit dem abendlichen Besuch in der Schnapsbrennerei Primushäusl sind aber dann alle Sorgen und Bedenken vergessen. Der köstliche Edelbrand vertreibt rasch trübe Gedanken – beschwingt von all den Ausdünstungen streuobstreifer Birnen, vanilligen Traminer Trauben und mysthischen Vogelbeeren lausbübeln wir durch die Nacht zurück in unsere himmlischen Betten.

Hin übern See bis nach Bad Ischl

Wohl geruht und frisch gestärkt satteln wir am nächsten Morgen endlich unsere Rösser, müssen leider einen ungelenkigen Rittersmann seines Rosses verweisen und radeln entlang des Wolfgangsee nach Strobl, wo uns der Duft von frischem Olivenöl und altem Holz im Handwerksbetrieb Holz & Werkstatt Ladner wohlriechend empfängt. Wolfgang Ladner, einst Banker, ist buchstäblich auf den „Holzweg gekommen“, haucht er doch seit einigen Jahren „wertlosem Abfallholz“ neues Leben ein. Stolz präsentiert er seine aus Goldregen, Apfelholz und verschiedenen anderen Sorten liebevoll gefertigten Unikate in seiner kleinen Werkstatt.

Am Schiffsanleger wartet schon unser Schiff welches uns gemächlich nach St. Wolfgang und zu unserem nächstem Stopp, der Schau-Lebzelterei Gandl bringt. 200 Jahre gelebte Familien-Tradition erwartet uns hier mit feinsten überlieferten Lebkuchenspezialitäten, aber auch mit vielen neuen Lebkuchenkreationen. Nach dem Probieren der vielen marzipanschweren Leckereien werden die ersten Gürtellöcher versetzt und inständig hofft man, dass die Kalorienzufuhr dank anstrengendem Muskeleinsatz auf den kommenden Kilometern wieder ausgelöscht wird.

„Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut“ – ja was wäre Ischl ohne seine kaiserliche Vergangenheit? Ein idyllischer kleiner Kurort in der Nähe von Salzburg – so aber ist es DAS BAD ISCHL – dort, wo die Kaiservilla steht und in dieser leben tatsächlich noch die echten Nachfahren von Franz Josef und Elisabeth. Und natürlich gibt es auch die Villa der Frau Schratt zu bestaunen, ach, ganz Ischl ist kaiserlich, da ein Jagdstandbild , dort das Teehaus der stets unglücklichen Kaiserin, historische Stätten, wohin das Auge blickt. Und es gibt die alten Handwerksbetriebe, die noch wie einst unsere Großväter, mit der Arbeit ihrer Hände etwas Bleibendes zu schaffen vermögen. Ein ganz berühmter ist die K&K Hutmanufaktur Franz Bittner mit ihren in aller Welt bekannten Ischler-Hut-Kreationen. Auch heute noch werden sie nicht nur von weltlichen und royalen Herrschern, sondern auch von weiblichen und männlichen VIPs gleichermaßen gern getragen.
Nach diesem handwerkschweren Erlebnistag geniessen wir alle das köstliche Abendessen und fallen müde, aber zufrieden in die bequemen Hotelbetten.

Dem Salz auf der Spur

Einst war es wertvoller als Gold und wer es besaß zählte zu den Mächtigen der Welt: Das Salz! Namensgeber nicht nur für eine ganze Region, zahlreiche Städte und unzählige Kurbäder, wurde es bereits von den Illyrern gut 3000 Jahre vor Christus „versiedet“. Auch das germanische Wort „Hall“ bedeutet nichts anderes als Salz und noch heute lässt sich daran unschwer erkennen, dass hier aus den salzhaltigen Quellen das kostbare Salz gewonnen wurde. Doch davon später.

Wer sich über die Vielfältigkeit des Salzes und was man daraus und damit alles machen kann informieren möchte, dem sei ein Besuch im Salzkontor bei den Salzfertigern in St. Wolfgang empfohlen.

Umrahmt von Berggipfeln, tannengrün schweren Wäldern und saftigen Wiesen zieht sich unser Radweg immer dem Fluss Traun entlang. Unsere E-Bikes schnurren an ihren zahlreichen Windungen, brav auch steilere Anstiege meisternd, entlang bis nach Bad Goisern , wo der lehrreiche Besuch des „ Hand.werk.haus Salzkammergut “ auf uns wartet und uns ungeahnte Eindrücke in die Kunstfertigkeiten der heimischen Erwerbszweige gewährt. Untergebracht im Försterhaus des Schlosses Neuwildenstein tummeln sich hier die Werkstätten von Schuh-, Brillen- und Lederhosenmacher. Kaffeeröster und Seifensieder werkeln neben Hafner, Tapezierer und Fleischhauer, Maßschneider und Kunstschmied eifern mit Drechsler und Steinschleifer um die Gunst des Publikums und zeigen Jung und Alt nicht nur wie es einst, sondern auch wie es heute „von der Hand“ geht.

Vor allem die handgefertigten Schuhe aus der Werkstatt des Schuhmachermeister Sebastian Leitner , bekannt Land auf Land ab für seine „Goiserer Schuh“ haben es uns angetan. Aber die Wartezeit von mehreren Monaten lässt uns dann doch verzichten, auf so ein Paar zwiegenähter Prunkstücke im heimischen Schuhschrank (gut, auch der Preis ist zugegeben nicht gerade niedrig – aber solche rustikalen Naturschönheiten hat man ja auch fast ein Leben lang).

Nach dem Mittagessen strampeln wir, teilweise über haarsträubende Hängebrücken balancierend, immer am idyllischen Ostufer des Hallstätter Sees entlang bis nach Obertraun, wo wir unseren treuen „Rad-Gefährten“ auf Wiedersehen sagen und mit dem Schiff übersetzen zum Endpunkt unser Radtour – den UNESCO Welterbe Ort Hallstatt. Wie ein kunstvolles Schwalbennest klebt er buchstäblich direkt an den hier in den See fallenden Felswänden. Bezeichnet man Ischl als „kaiserlich“, so darf sich Hallstatt mit gutem Gewissen mit dem Prädikat „urzeitlich“ schmücken. Seeufernah fand man weit über 3000 Jahre alte Pfahlbausiedlungen aus der späten Jungsteinzeit. Im heutigen Salzkammergut entwickelten sich, dem Salz sei Dank, vermutlich um 2000 vor Christus die ersten industriellen Gewerbe und hier, tief in den Bergen, fernab der großen Flüsse und Handelsrouten, verfügten bereits die siedelnden Kelten nicht nur über ausgezeichnete geologische, sondern auch über hervorragende technische Kenntnisse. Als Hallstattzeit wird noch heute europaweit die vorrömische Eisenzeit in unseren Breiten bezeichnet – sie endete erst um 450 v.Chr.

Also nicht nur Natur, sondern viel Kultur, soweit das Auge des Betrachters reicht – und der Blick hoch oben vom berühmten „Welterbe-Blick“ schweift weit über Land und See, über schroffe Gipfelgrade bis hoch zum alles überragenden Dachstein und will sich gar nicht satt sehen an all den Schönheiten rings umher. Wie viele Geheimnisse mag diese Landschaft noch in sich bergen?

Eines davon wird der krönende Abschluss unserer kurzen Randwanderung durchs Salzkammergut. Wir besuchen Sagen umwobenen Salzwelten in Hallstatt – fahren Kilometer weit hinunter auf den Bergmannsrutschen ins Reich der Bergknappen, bewundern die filigranen Geschmeide und Ornamente rund um den Salzsee, blicken fasziniert auf die Spuren, welche der 1734 entdeckte und vermutlich über 1000 Jahre alte „Mann im Salz“ und mit ihm das „weiße Gold“ einst hier hinterließen.

Es wird schon dämmrig, sanftes Abendrot färbt den Dachstein pastellfarben, als wir die Salzwelten mit dem „Grubenhunt“ verlassen und wir mit der Panoramabahn hinunter nach Hallstatt schweben. Dort wartet eine stärkende Jause und unser Bus, der uns zur letzten Nacht zurück nach St. Gilgen chauffiert. Drei Tage, voll mit unvergesslichen Eindrücken über Land und Leuten, von Sagen und Geschichten, von schmerzenden Wadeln und steifen Muskeln liegen hinter uns! Schön war’s – mehr gibt’s nicht zu sagen!




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