Tausendfältiges Bad Krozingen

Ein kostenloses Kärtchen, „Konuskarte“ genannt, bestimmt hier allerhöchste Lebensqualität, eine preisgünstige Eintrittskarte in ein schönes Thermalbad ein Extravergnügen und ein Freibillett in einen der schönsten Kuranlagen Süddeutschlands ein wundersames Gefühl. Wir sind in Bad Krozingen bei Freiburg. Wenn man früher von Straßburg nach Basel reiste, mußte man hier durch, so Goethe und Papst Pius II., der von seiner Geliebten im Elsaß ungern Abschied nahm, um in die Konzilsstadt am Ober-Rhein zu kommen.

Man weiß nicht, mit welchem Thema man bei der Schilderung des Orts beginnen soll. Da fällt uns Walter Scheel ein, der populäre Bundespräsident von einst mit seinem Hit „Hoch auf dem gelben Wagen“. Es ist die Reisekutsche vergangener Jahre, deren Farbe die Bundespost übernommen hatte. Der nunmehr 93jährige Scheel lebt hier, die Bürger kennen ihn, das Lied von der Reisekutsche durchschwirrt den Ort.

Der gelbe Wagen brachte die Menschen einst zu nahen und weiten Zielen, jetzt erledigt das die Bahn, die mitten im Ort hält. Nun das unglaubliche! Mit besagter „Konuskarte“ (auch Kurkarte) von Bad Krozingen kann man praktisch den ganzen Schwarzwald kostenlos bereisen. In elf Minuten ist man in Freiburg, nach Basel dauert es etwas länger, rauf nach Norden kann man es sich so einteilen, daß man praktisch umsonst nach Straßburg gelangt. Nur (das nahe) Colmar liegt nicht in dieser Zone.

Wer in Bad Krozingen länger weilt, hat viel zu bedenken. Die Nachbarschaft bietet grandioses, drei Länder verschmelzen hier immer mehr zu einer kulturellen Einheit. Man soll sich die Wunder anschauen, vor allem Straßburg, Freiburg und Basel – umsonst oder praktisch umsonst! Über die weiteren Sehenswürdigkeiten in Hülle und Fülle informiert das Kuramt.

Dieses Haus liegt am Rande des großen und grandiosen Kurparks, der auf der mit einem prächtigen Feigenbaum am Bahnhof endet. Von hier aus geht es dann in den eigentlichen Ort mit Cafes, Gaststätten, Kirchen, Rathaus, Museum, Schloß und Bauernmarkt. In den Gaststätten ist man mit Flammenkuchen und Elsässer Wurstsalat gut und preiswert bedient, der einheimische Wein schmeckt wohlfeil und ist wirklich nicht überteuert.

Nun aber zum eigentlichen Park mit seinen Kurkonzerten und rauschenden Wassern, den singenden Vögeln, kreischenden Pfauen und blökenden Schafen im weiten Gehege. Seltene und aussterbende Bäume sind beschriftet, viele Bänke laden zum Verweilen und Lesen, um die Bücherregale (von Lions aufgestellt) mit Lesestoff (für einen Euro zu erwerben) kommt man kaum herum. Wir entdecken die Memoiren von Lale Anderesen, Annette Kolb und Wilhelm Hahn, dem ehemaligen Kultusminister von Baden-Württemberg.

Langweilig kann es einem hier wirklich nicht werden, eher reicht die Zeit nicht für alles. Vor allem wenn man in den „Duftgarten“ vernarrt ist, einen halben Privatunternehmen zweier Schwestern und deren Freunde. Der Eintritt ist natürlich frei, man kommt aus dem Wundern nicht heraus: Überall bunte und duftende Blumen und Kräuter mit Erklärungstäfelchen. Vom orangenfarbigen Mohn bis zur dunkelroten Pechnelke ist vertreten, was das Herz erfreut. Und das alles umrahmt von Holzschnitzereien. Wir sehen den schleckenden Honigbär, die heilige Hildegard von Bingen im züchtigen Ordenskleid und das schöne Fräulein der Jetztzeit im Evakostüm. Und überall die Verse der Dichter auf Blume und Natur. Wir lesen aus der Feder von Erich Kästner: „Im Galarock des heiteren Verschwenders,/ ein Blumenzepter in der schmalen Hand,/ fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,/ aus seiner Kutsche grüßend, über Land.“

Was wäre aber Bad Krozingen ohne das Bad („Vita Classica“), für das Geschäftsführer Rolf Rubsamen ständig auf Achse ist. Bis Japan, Marokko und Indien führte sein Weg, um die dortigen Bäder und Therapien zu studieren und schließlich importieren zu können. Im Kurhaus rechnen wir mit ihm gemeinsam aus, was dem Gast in einem respektablen Hotel (also nicht in einer der Pensionen) in der unmittelbaren Umgebung kostet: 90 Euro. Darin enthalten Halbpension und Badekarte, die sensationell ertragreiche „Konuskarte“ für Bahn und Bus („mit Zielen praktisch im gesamten Schwarzwald“) und das darf man niemals vergessen: Ein Schock Gesundheit.

Natürlich suchen wir den Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Universitätsklinik Freiburg auf, die sich nunmehr wieder in Bad Krozingen befindet: Dr. Johannes Naumann, Internist und Umweltmediziner, der neben der Bäderheilkunde auch in vielen anderen Naturheilverfahren und traditionellen Heilweisen ein Fachmann ist. Er will und wird „die Wirkung der Heilwässer“ in Deutschland weiter erforschen und alle Ratsuchenden und Patienten beraten.

In einer bereits begonnenen Studie wird geklärt werden, „ob, wie oft und wie lange gebadet werden muss, um eine optimale Blutdrucksenkung zu erreichen“.

Sein Statement ist so kurz wie verständlich und hochinteressant: „Bad Krozingens Thermalwasser kommt mit etwa 38 Grad aus der vulkanischen Erde der Rheinebene. Es wird auf etwas unter Körpertemperatur abgekühlt, da sich bei dieser Temperatur die Muskeln und damit der ganze Mensch am besten entspannen können. Ein Aufenthalt in diesem Wasser entspannt und trainiert zugleich, ohne den Kreislauf zu belasten. Sogar der Blutdruck wird dadurch gesenkt, was durch das im Wasser gelöste Kohlendioxid zusätzlich unterstützt wird. Neben weit verbreiteten Leiden unserer Zeit wie Übergewicht oder Burnout ist es deshalb besonders für Menschen mit Bluthochdruck geeignet. Und auch die Haut nimmt keinen Schaden dabei, da der im Wasser enthaltene Schwefel gut bei allen entzündlichen und schuppenden Hauterkrankungen wirkt.“

Infos unter: Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen,Herbert-Hellmann-Allee 12, 79 189 Bad Krozingen, Tel.: +497633-40080, www.bad-krozingen.info




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