Sonne, lange Abende und warme Temperaturen – genau darauf freuen sich viele im Sommer. Doch wenn das Thermometer tagelang über 30 Grad klettert und selbst die Nächte kaum Abkühlung bringen, wird aus schönem Sommerwetter schnell eine Belastung.
Der Schlaf leidet, der Kopf fühlt sich schwer an und selbst kleine Aufgaben werden plötzlich anstrengend. Hitze kann aber noch mehr: Sie belastet Herz und Kreislauf, verschlimmert bestehende Erkrankungen und kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden. Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich senken.
Unser Körper versucht ständig, seine Temperatur möglichst stabil zu halten. Wird es heiß, weiten sich die Blutgefäße in der Haut. Gleichzeitig beginnen wir stärker zu schwitzen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, entsteht Kühlung.
Dieser Mechanismus funktioniert normalerweise gut, kostet den Körper aber Kraft. Das Herz muss mehr Blut durch die erweiterten Gefäße pumpen. Gleichzeitig verliert der Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe. Die Folge können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, ein niedriger Blutdruck und Konzentrationsprobleme sein.
Besonders anstrengend wird es, wenn auch die Nächte warm bleiben. Dann fehlt dem Körper die Erholungsphase. Wie ernst die Folgen sein können, zeigt eine große, im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlichte Studie: Für den Sommer 2022 wurden europaweit rund 61.700 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. Zur Studie über hitzebedingte Todesfälle in Europa.
Hitzeprobleme kündigen sich häufig an. Typische Warnzeichen einer Hitzerschöpfung sind:
Betroffene sollten sofort an einen kühlen oder schattigen Ort gebracht werden. Enge Kleidung lockern, feuchte Tücher auflegen und den Körper vorsichtig abkühlen. Ist die Person bei klarem Bewusstsein und kann problemlos schlucken, sollte sie in kleinen Schlucken Wasser trinken.
Bessert sich der Zustand nicht oder werden die Beschwerden stärker, ist medizinische Hilfe notwendig.
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Der Körper schafft es dann nicht mehr, seine Temperatur ausreichend zu regulieren.
Alarmzeichen sind vor allem:
In diesem Fall gilt: Sofort den Notruf 112 wählen. Die betroffene Person sollte bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in den Schatten gebracht, von überflüssiger Kleidung befreit und vorsichtig gekühlt werden. Bewusstseinsgetrübten oder bewusstlosen Menschen dürfen keine Getränke eingeflößt werden.
Weitere medizinische Informationen zu hitzebedingten Beschwerden bietet das Bundesministerium für Gesundheit unter Hitze und Gesundheit.
Große Hitze kann grundsätzlich jeden treffen. Einige Menschen können ihre Körpertemperatur jedoch schlechter regulieren oder reagieren empfindlicher auf Flüssigkeitsverluste.
Besonders gefährdet sind:
Bei älteren Menschen lässt häufig das Durstgefühl nach. Sie trinken dann zu wenig, ohne es sofort zu bemerken. Hinzu kommt, dass bestimmte Medikamente die Wärmeregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen können.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Dosierung jedoch niemals eigenständig verändern. Sinnvoller ist es, frühzeitig in der Arztpraxis oder Apotheke nachzufragen, was während einer Hitzewelle zu beachten ist. Weitere Hinweise finden Sie in unserem Beitrag über die Gefahren der Sommerhitze für ältere Menschen.
An heißen Tagen ist regelmäßiges Trinken besonders wichtig. Wer erst zum Wasserglas greift, wenn der Durst bereits groß ist, hat möglicherweise schon einiges an Flüssigkeit verloren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als einfache Faustregel, tagsüber alle ein bis zwei Stunden ein Glas Wasser mit etwa 0,2 Litern zu trinken – auch dann, wenn noch kein deutlicher Durst zu spüren ist. Empfehlungen der DGE zum Trinken bei Hitze.
Gut geeignet sind:
Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen dürfen ihre Trinkmenge nicht einfach pauschal erhöhen. Sie sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt abstimmen, welche Menge für sie geeignet ist.
Alkohol ist als Durstlöscher ungeeignet. Er erweitert die Blutgefäße, belastet den Kreislauf und kann Flüssigkeitsverluste verstärken. Warum das gerade an heißen Tagen problematisch werden kann, lesen Sie in unserem Artikel darüber, warum Alkohol bei Hitze besonders gefährlich ist.
Sport, Gartenarbeit, Einkäufe und andere körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten möglichst am frühen Morgen oder am Abend stattfinden.
In der Mittags- und Nachmittagshitze braucht der Körper deutlich mehr Energie, um seine Temperatur zu regulieren. Wer draußen arbeitet, sollte regelmäßige Pausen einlegen, ausreichend trinken und möglichst einen schattigen Platz aufsuchen.
Das gilt auch für Menschen, die normalerweise gut mit Wärme zurechtkommen. An besonders heißen Tagen kann der Kreislauf schneller an seine Grenzen geraten als erwartet.
Eine kurze kühle oder lauwarme Dusche kann sehr angenehm sein. Auch feuchte Tücher im Nacken, auf der Stirn oder an den Armen sorgen für Erfrischung. Bewährt haben sich außerdem kühle Fuß- und Armbäder.
Eiskaltes Wasser ist nicht notwendig. Es kann dazu führen, dass sich die Blutgefäße in der Haut stark zusammenziehen. Besser ist eine Temperatur, die sich kühl und angenehm anfühlt, ohne dem Körper einen Kälteschock zu versetzen.
Leichte, weite und atmungsaktive Kleidung erleichtert zusätzlich die Wärmeabgabe. Im Freien gehören außerdem eine Kopfbedeckung und möglichst schattige Aufenthaltsorte zum Hitzeschutz.
Sonnenbrand und Überhitzung sind zwei unterschiedliche Probleme. Sonnencreme schützt die Haut vor UV-Strahlung, verhindert aber weder Flüssigkeitsmangel noch einen Hitzschlag.
Unbedeckte Haut sollte großzügig mit einem geeigneten Sonnenschutzmittel eingecremt werden. Nach dem Baden, Abtrocknen oder starkem Schwitzen muss nachgecremt werden. Die intensive Mittagssonne sollte möglichst gemieden werden.
Pflanzenöle sind dabei kein verlässlicher Ersatz für geprüfte Sonnenschutzmittel. Weshalb Kokosöl, Himbeersamenöl und Grüner Tee allein keinen ausreichenden Schutz bieten, erklären wir in unserem Beitrag über natürlichen Sonnenschutz im Faktencheck.
An heißen Tagen sind kleinere, leichte Mahlzeiten häufig angenehmer als ein üppiges Mittagessen. Gut geeignet sind beispielsweise Salate, Gemüse, wasserreiches Obst, Joghurt, Kartoffeln oder leichte Suppen.
Die häufig zu lesende Empfehlung, bei Hitze grundsätzlich auf eiweißreiche Lebensmittel zu verzichten, ist allerdings zu pauschal. Entscheidend ist, was gut vertragen wird. Sehr fettige, schwere und besonders große Mahlzeiten können den Kreislauf zusätzlich fordern – ein normales Joghurt, etwas Fisch oder eine kleine Portion Hülsenfrüchte sind dagegen kein Problem.
Ist die Wärme erst einmal in Wände und Möbel eingezogen, lässt sie sich nur schwer wieder loswerden. Deshalb sollte die Hitze möglichst draußen bleiben.
Lüften Sie früh morgens, nachts oder spät am Abend, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Temperatur in der Wohnung. Tagsüber sollten Fenster möglichst geschlossen bleiben.
Am besten wirken außenliegende Rollläden, Fensterläden oder Markisen. Sie verhindern, dass die Sonnenstrahlen überhaupt erst auf die Fensterscheibe treffen. Innenliegende Vorhänge oder Rollos helfen ebenfalls, sind aber weniger effektiv.
Auch Elektrogeräte erzeugen Wärme. Computer, Fernseher, Drucker und andere Geräte, die gerade nicht gebraucht werden, sollten vollständig ausgeschaltet werden. Selbst ausgiebiges Kochen und Backen kann die Raumtemperatur spürbar erhöhen.
Ein Ventilator senkt zwar nicht die Temperatur im Zimmer, kann sich durch die Luftbewegung aber angenehm anfühlen. Noch besser wirkt er am Abend, wenn kühlere Außenluft durch die Wohnung bewegt werden kann.
Ein abgestelltes Auto kann sich innerhalb kurzer Zeit gefährlich aufheizen – selbst bei geöffnetem Fenster und auch dann, wenn es draußen noch nicht extrem heiß erscheint.
Kinder, pflegebedürftige Menschen und Tiere dürfen deshalb niemals allein im Fahrzeug zurückbleiben. Auch nicht „nur für ein paar Minuten“.
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor starker Wärmebelastung, wenn die gefühlte Temperatur etwa 32 Grad überschreitet und nachts nur wenig Abkühlung zu erwarten ist. Ab einer gefühlten Temperatur von mehr als 38 Grad spricht der DWD von extremer Wärmebelastung. Aktuelle Informationen zu den Hitzewarnungen des DWD.
Eine Warnung sollte Anlass sein, den Tagesablauf frühzeitig anzupassen, Getränke bereitzustellen und nach älteren oder alleinlebenden Angehörigen und Nachbarn zu sehen. Manchmal kann bereits ein kurzer Anruf einen wichtigen Unterschied machen.
Hitze wirkt oft schleichend. Zuerst lässt die Konzentration nach, dann kommen Kopfschmerzen, Schwindel oder Kreislaufprobleme hinzu.
Wer rechtzeitig trinkt, anstrengende Tätigkeiten verschiebt, sich abkühlt und die Wohnung vor direkter Sonne schützt, kommt meist deutlich besser durch heiße Tage. Besondere Aufmerksamkeit brauchen ältere Menschen, kleine Kinder, chronisch Erkrankte und alle, die sich nicht selbst ausreichend schützen können.
Treten Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit auf, darf keine Zeit verloren gehen: Dann sofort 112 wählen.
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