Neurodermitis bei Kindern

Die mit Unterstützung der Kühne-Stiftung von Caroline Roduit aus der Forschungsgruppe von Roger Lauener ( Hochgebirgsklinik Davos , Universität Zürich) durchgeführte Studie befasste sich primär mit den Auswirkungen vorgeburtlicher Umwelteinflüsse und genetischer Mechanismen auf die Entwicklung von Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren.

Neurodermitis (auch « atopische Dermatitis » oder « atopisches Ekzem » genannt) ist eine chronische und schmerzhafte Entzündung der Haut. Die Krankheit tritt oft in der frühen Kindheit auf, meist beginnt sie schon im Säuglingsalter. Sie betrifft bis zu 20 % der Kinder in industrialisierten Ländern und gehört damit zu den häufigsten Hauterkrankungen im Kindesalter. Dennoch sind die Ursachen dieser allergischen Erkrankung noch nicht genau bekannt und verstanden. Es verstärken sich aber die Hinweise, dass genetische Faktoren und Umwelteinflüsse sich wechselseitig auf das Immunsystem des Kindes auswirken. Für andere allergische Erkrankungen konnte bereits gezeigt werden, dass sie weniger häufig auftreten, wenn Kinder auf einem Bauernhof aufwachsen oder wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft auf einem Bauernhof lebten. Dabei wirkt sich der Kontakt zu Nutztieren, der Genuss von Milch vom Bauernhof und der Kontakt zu Bakterienbestandteilen positiv aus.

Einfluss vorgeburtlicher Umwelteinflüsse

In einer prospektiven Studie untersuchten jetzt Caroline Roduit (Universität Zürich und Christine Kühne-Center for Allergy Research and Education) und Kollegen aus fünf europäischen Ländern den Zusammenhang zwischen pränatalem Tierkontakt sowie der Genexpression angeborener Immunrezeptoren und Neurodermitis (Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2011). Insgesamt wurden 1.063 Kinder in die Studie eingeschlossen, die am Studienprojektes „Protection against Allergy-Study in Rural Environments“ (PASTURE / EFRAIM) teilnehmen. Die Kinder stammten aus ländlichen Gegenden in Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland und der Schweiz; 508 von ihnen wuchsen in Bauernfamilien auf, 555 in Familien ohne bäuerlichen Hintergrund.

Untersucht wurde die Entwicklung einer atopischen Dermatitis in den ersten beiden Lebensjahren. Um den Zusammenhang zwischen Neurodermitis, genetischen und Umwelteinflüssen besser beurteilen zu können, wurde von allen Kindern Nabelschnurblut gesammelt. Daraus wurde die Expression angeborener Immunrezeptoren TLR (Toll-like receptor) und CD14 bestimmt, deren Ausprägung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden ist, dass eine allergische Krankheit diagnostiziert wird. Vorhergehende Studien hatten einen Zusammenhang zwischen deren vermehrter Expression und einem intensivierten Kontakt mit mikrobiellen Bestandteilen ergeben.

Tierkontakt der schwangeren Mutter schützt das Kind vor Neurodermitis

Die Forschenden konnten nachweisen, dass bei Kindern von Müttern, die ihre Schwangerschaft im Umfeld von Nutztieren oder Katzen verlebten, das Risiko geringer war, in den ersten beiden Lebensjahren an einer Neurodermitis zu erkranken. Dieser Effekt war umso ausgeprägter, je intensiver der Tierkontakt war. Auch Anzahl und Art der Tiere spielte eine Rolle. So wirkte sich der Umgang mit Pferden, Kühen, Schweinen und Geflügel positiv aus, speziell wenn die Mutter mit mehr als 3 Tierarten Kontakt hatte. Dies reduzierte das Risiko des Kindes, an Neurodermitis zu erkranken, um die Hälfte, verglichen mit Müttern ohne Tierkontakt. Jede zusätzliche Tierart im Umfeld der Mutter senkte das Risiko um weitere 20 %. Auch wenn die Schwangeren mit Katzen umgegangen waren, verminderte dies die Häufigkeit des Auftretens von atopischer Dermatitis.

Wechselwirkung zwischen Umwelt und Genetik

Hat das Lebensumfeld der schwangeren Mutter Einfluss auf die Genetik und das Immunsystem des noch ungeborenen Kindes? Dies sollte durch Untersuchung der TLRs im Nabelschnurblut der an der Studie teilnehmenden Kinder beleuchtet werden. TLRs (Toll-like Rezeptoren) sind zuständig für die Immunerkennung. Diese von Geburt an vorhandenen Rezeptoren erkennen bestimmte Muster von Mikroorganismen und anderem körperfremden Material. Ihre Bindung an diese Moleküle setzt eine Reaktionskette in Gang, bei der über die intrazelluläre Transkription von Genen die Immunantwort herbeigeführt wird. Verschiedene Untersuchungen haben bereits einen Zusammenhang zwischen TLRs und allergischen Erkrankungen gezeigt, speziell dann, wenn einzelne Nukleotide der TLRs Variationen aufweisen (SNP, single nucleotid polymorphism).

In der vorliegenden Studie fand sich eine negative Korrelation zwischen der Expression von TLRs und CD14 aus dem Nabelschnurblut und der Entwicklung von atopischer Dermatitis in den ersten beiden Lebensjahren. Dieser Effekt war insbesondere bei TLR5 und TLR 9 signifikant, für TLR 1, 2, 4, 6, 7 und 8 sowie CD14 war er deutlich, jedoch nicht signifikant. Kinder mit einem Wert von TLR5 und TLR9 im oberen Drittel hatten ein um 50 % reduziertes Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. Allerdings war ein Zusammenhang zwischen der Exposition der Mutter gegenüber vier Tierarten und der erhöhten Expression der TLRs 5 und 9 nur als Trend nachweisbar.

Hinsichtlich der SNPs der verschiedenen TLRs ergab sich eine signifikante Assoziation zur atopischen Dermatitis nur bei TLR2 (TLR2/T-16934A). Dieser Polymorphismus war signifikant hinsichtlich der Exposition der Mutter gegenüber Katzen und schwach signifikant hinsichtlich des Kontakts mit Nutztieren. Andere Gen-Umwelt-Interaktionen konnten nicht nachgewiesen werden.

Die Autoren schlussfolgern dass sowohl der Kontakt von Schwangeren mit verschiedenen Vieharten sowie Katzen als auch die höhere Expression bestimmter Rezeptoren des angeborenen Immunsystems einen schützenden Effekt hinsichtlich der Entwicklung von atopischer Dermatitis in der ersten beiden Lebensjahren ausüben.

Quelle: Roduit, c. et al: Prenatal animal contact and gene expression of innate immunity receptors at birth are associated with atopic dermatitis. Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2011




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