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Weder Ernährungswissenschaftler noch Ernährungsmediziner haben sich in den vergangenen Jahren um Proteine und insbesondere um Aminosäuren gekümmert. Da weckten Vitamine, Mengen- und Spurenelemente, Ballaststoffe, bestimmte Fettsäuren und Pflanzenwirkstoffe eindeutig intensiveres Interesse. Aminosäuren sind aber für eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen im menschlichen Körper unverzichtbar und sollten deshalb in optimaler Menge und ausgewogener Zusammensetzung verfügbar sein.
Warum gerieten Aminosäuren in Vergessenheit?
Unser Wohlstandsparadies bietet den Verbrauchern zwar eine derart reichliche Proteinversorgung, dass sogar schon von einer "Eiweißmast" gesprochen wird. Dennoch ist weitgehend unbekannt, dass die Proteinwertigkeit der angebotenen Nahrungsmittel nicht von der Menge, sondern von der Qualität und Ausgewogenheit der Aminosäuren abhängt. Diese Proteinwertigkeit richtet sich nach der sogenannten limitierenden Aminosäure, die in der geringsten Menge in dem betreffenden Nahrungsmittel zu finden ist. Im Klartext heißt das: Für eine optimale Aminosäure-Versorgung ist eine ausgewogene und vielfältige Proteinzufuhr aus den verschiedensten Eiweißquellen bedeutsam. Fehlt der Nahrung eine bestimmte Aminosäure, so wird die Verfügbarkeit der anderen Aminosäuren im gleichen Verhältnis gemindert. Diese Erkenntnis unterstreicht: Nicht die Menge, sondern die Qualität der Aminosäuren ist maßgebend. Überschüssige Aminosäuren entzieht die Leber dem Blut und legt einen Aminosäure-Pool für Notzeiten an. Dieser beläuft sich auf etwa 600 – 700 Gramm. Gemessen an den Fettspeichern des Körpers handelt es sich um eine spärliche Reserve. Sie reicht jedoch vollkommen aus, da nicht die Menge, sondern die Wertigkeit der Eiweißbausteine über Wohlergehen, Jugendlichkeit und vor allem die Abwehrwehrkraft entscheidet.



