Bandscheiben: Neue OP-Technik

“Endlich langfristig schmerzfrei und beweglich nach Bandscheiben-OP” - das ist der Erfolg eines neuen Operationsverfahrens , das bei Bandscheiben-Abnutzungen eingesetzt wird, die besonders häufig bei Menschen ab 55 Jahren auftreten.

Auf dem Deutschen Wirbelsäulenkongress wurde das neue Computer gestützte Verfahren von Experten der Uni-Kliniken Heidelberg, Frankfurt, Ulm und Innsbruck vorgestellt. Das Verfahren macht erstmals eine Wirbelsäulen-Korrektur-OP so exakt und individuell planbar, dass die üblichen Folgeabnutzungen der benachbarten Wirbel nach einer solchen Operation vermieden werden. So bleiben die Patienten dauerhaft schmerzfrei und deutlich beweglicher als bei herkömmlichen Operationen.

Die Bandscheiben wirken als „Stoßdämpfer“ zwischen den Wirbeln. Wenn sie verschleißen, werden sie dünner. Dadurch verringert sich der Abstand zwischen den Wirbelkörpern, was dazu führen kann, dass schmerzhafter Druck auf Nerven und Rückenmark ausgeübt wird. Wenn die Schmerzen zu groß sind und chronisch werden und wenn weder Medikamente noch Physiotherapie helfen, kann eine Operation notwendig werden. In Deutschland finden jährlich etwa 160.000 Operationen statt, bei denen schadhaftes Bandscheibengewebe entfernt wird.

Im Lendenwirbelbereich wird der Eingriff meistens vom Rücken her vorgenommen. Häufig handelt es sich dabei um Versteifungsoperationen (auch ‚Fusionsoperation‘ genannt): Der Chirurg entfernt die schadhafte Bandscheibe und ersetzt sie durch Implantate – oft aus Titan –, die als Platzhalter dienen. Um die Implantate zu fixieren und ein sicheres Zusammenwachsen der Wirbel zu erreichen, werden die beteiligten Wirbel durch Schrauben und Stäbe miteinander verbunden. 2010 fanden in Deutschland über 16.000 Versteifungsoperationen an den Lendenwirbeln, bei denen Implantate eingesetzt wurden, statt.

Schätzungsweise jeder fünfte Patient muss jedoch einige Zeit nach einer Versteifungsoperation erneut operiert werden, weil er unter Schmerzen leidet, die jetzt von den Wirbeln über oder unter dem operierten Bereich ausgehen. Ein möglicher Grund ist, dass Position und Größe des Implantats nicht genau genug zu seiner individuellen Wirbelsäulengeometrie und zu seinem Bewegungsprofil passen; deshalb werden die benachbarten Bandscheiben falsch belastet. Abnutzungserscheinungen und Schmerzen in diesen vorher intakten Abschnitten der Wirbelsäule sind nun die Folge.

CSS: Sicher, schonend, präzise

Ein neuartiges Operationssystem (CSS), entwickelt vom Stuttgarter Unternehmen spontech spine intelligence AG , ermöglicht jetzt maßgeschneiderte Operationen und schafft damit die Voraussetzung für eine dauerhafte und schmerzfreie Beweglichkeit. Das CS-System umfasst eine Software für die Diagnose, Planung und Kontrolle der Operation sowie speziell angefertige Implantate und Operationsinstrumente. Die CSS-Software vertaplan ermöglicht erstmals eine grad- und millimetergenaue Berechnung der optimalen individuellen Korrektur auf der Basis von Röntgenbildern , zudem wird die Auswirkung der Operation auf das Gesamtprofil der Wirbelsäule angezeigt. Mit den für dieses System entwickelten Instrumenten und passgenauen Implantaten (vertaconnect) kann die Planung unmittelbar umgesetzt werden. „Das CS-System wird seit einem Jahr unter anderem an den Universitätskliniken Heidelberg und Frankfurt sowie an der Galenus-Klinik in Stuttgart eingesetzt. Es hat sich als ein sicheres und effektives Operationsverfahren erwiesen“, so der Wirbelsäulenchirurg Prof. Dr. Claus Carstens (Galenus-Klinik Stuttgart). Das CSS-Verfahren ist nicht nur präziser, sondern auch schonender als herkömmliche Verfahren. Da der Eingriff jetzt exakt vorausgeplant werden kann, muss der Chirurg nicht mehr wie bisher während der Operation unterschiedliche Implantatgrößen und Positionen ausprobieren. Das verkürzt nicht nur die Operationszeit, es verringert auch die Zahl der Röntgen-Kontroll-Untersuchungen während des Eingriffs. Dadurch sinkt die Strahlenbelastung für den Patienten.

Neue Standards in der Wirbelsäulenchirurgie

Die Standards, die das CS-System jetzt in der Wirbelsäulenchirurgie setzt, sind bei Knie- und Hüftgelenksoperationen bereits seit längerem üblich. Dass die Wirbelsäulenchirurgie erst jetzt dieses Niveau erreicht hat, liegt am viel komplizierteren Aufbau der Wirbelsäule. Da sie aus mehreren miteinander verbundenen Gelenken besteht, muss berechnet werden, wie sich die Korrektur eines Segments auf die angrenzenden Abschnitte und auf die gesamte Wirbelsäule auswirkt – eine hohe methodische Herausforderung, wie Prof. Dr. Hans Joachim Wilke von der Universität Ulm erklärt. „Hinzu kommt natürlich, dass der Chirurg Implantate und Instrumente braucht, die die präzise Umsetzung dieser Berechnungen dann auch erlauben“, so Prof. Wilke. „Das CS-System bietet sowohl Implantate, die gewährleisten, dass die einmal erzielte Korrektur im Laufe der Jahre nicht wieder verloren geht, als auch ein Instrumentarium, mit dem sie genau und sicher in die Wirbelsäule eingeführt werden können.“




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