Düfte aus dem Labor

Die weite Welt der Düfte

Über Jahrhunderte konnten Parfümeure nur auf natürliche, zum Teil extrem rare Duftstoffe zurückgreifen. Erst mit der Herstellung von Vanillin (1874) und Moschus (1888) begann das Zeitalter der synthetischen Duftstoffe. Bereits in den 30er-Jahren stieg die BASF in den mit dem nach Rosenholz bzw. Rosenblättern riechenden Phenyl­ethyl­­alkohol , ein naturidentischer Bestandteil des Rosenöls, in die Duftstoff­produktion ein. Seit den 60er-Jahren ist Citral die Basis für die Produktion von Vitaminen und Riechstoffen in Ludwigshafen.

Um seine Nase zu erfreuen, umgibt der Mensch sich gerne mit angenehmen Düften. Seine Riech­schleim­haut besitzt rund 350 verschiedene Typen von Geruchsrezeptoren. Nach dem Prinzip von Schlüssel und Schloss können daran nur ganz bestimmte Duft­moleküle andocken und so im Gehirn eine Duftempfindung auslösen. Komplexe Düfte aktivieren gleichzeitig eine ganze Reihe von Rezeptoren, wodurch sich die Zahl der wahr­nehmbaren Gerüche vervielfacht. Eine geübte Nase kann deshalb mehr als 10.000 Duftnoten unter­scheiden. Im Gegensatz dazu kennt der Mensch im Wesentlichen nur vier verschiedene Geschmacks­richtun­gen : süß, sauer, salzig und bitter.

Doch der Geruchssinn wird in unserer optisch und akustisch geprägten Welt oft zu den „niederen” Sinnen gerechnet. Dabei spielt er in unserem Leben eine viel größere Rolle als gemeinhin vermutet: Ohne ihn könnten wir weder die Aromen von Speisen oder Wein genießen noch verdorbene Nahrungsmittel erkennen. Der Spruch „Ich kann dich nicht riechen” verrät zudem, wie der Geruchssinn unter­schwellig in unser Leben eingreift: Er entscheidet mit über Sympathie und Anti­pathie und kann längst vergessene Erinnerungen wieder zum Leben erwecken.

Auf dem Gebiet der synthetisch hergestellten Duftstoffe zählt die BASF weltweit zu den Marktführern. Kernprodukt ist die Aromachemikalie Citral , die seit 2004 in Ludwigs­­hafen in einer neuen Anlage mit 40.000 Tonnen Jahreskapazität herge­stellt wird. Das Molekül aus zehn Kohlenstoffatomen (C-Atomen) sorgt auch in der Natur für Zitrusduft, zum Beispiel in Zitrusfrüchten und Zitronengras. Synthetisches Citral ist jedoch nicht nur für Zitrusduft verantwortlich. Durch kleine Abwand­lungen der Molekülstruktur lassen sich daraus auch andere wichtige Duftstoffe der Aromaindustrie herstellen, wie das nach Lavendel riechende Linalool und das für den typischen Rosenduft verantwortliche Geraniol. „In ihrer Molekülstruktur ähneln sich diese blumigen Düfte hochgradig. Alle drei besitzen ein identisches Rückgrat aus zehn Kohlenstoffatomen und als besonderes Merkmal ein Sauer­stoffatom”, erklärt Dr. Klaus Ebel, Research-Manager in der Forschung der BASF. „Der wesentliche Unterschied liegt in der genauen Position und Art der Anbindung des Sauerstoff­s.”…

Ein kleiner Unterschied mit großen Folgen: Wie bei einem Schlüssel, an dem man nur einen Zacken des Schlüsselbartes verändert, docken die drei Moleküle an unterschiedliche Geruchsrezeptoren der Nase an und lösen dort die jeweiligen Dufteindrücke aus. Da die Duftstoffe chemisch gesehen exakt ihrem Pendant aus der Natur entsprechen, kann auch die feinste Nase keinen Unterschied fest­stellen. Dabei bieten die naturidentischen Gerüche aus dem Chemielabor aber zwei ent­schei­dende Vorteile: Zum einen besitzen sie einen gleich bleibend hohen Reinheitsgrad, wie er bei natürlichen Extrakten kaum zu erreichen ist. Zum anderen ist die Synthese oft der einzige Weg, die benötigten Mengen an Duftstoff zu einem akzeptablen Preis zu produzieren. Um beispielsweise 40.000 Jahres­tonnen Citral aus Zitronengras zu gewinnen, müsste man eine Anbaufläche von etwa 400.000 Hektar bepflanzen - ein Gebiet von der Größe der Mittelmeer­insel Mallorca…

Die Perspektive

Für einen angenehmen Geruch benötigen Cremes, Shampoos und Waschmittel nur verschwindend geringe Mengen feiner Duftstoffe wie beispielsweise Citral. Global gesehen summiert sich dieser Bedarf jedoch zu großen Mengen… Parallel zur Citral-Familie entwickelt man bei der BASF weitere Düfte: Ein aktuelles Beispiel ist Rosenoxid, das als Teil des Rosendufts, aber auch als „Duftverstärker” für andere Gerüche wirkt. Da wohlriechende Produkte heute als Selbstverständlich­keit gelten, sind Duftstoffe ein langsam, aber stetig wachsender, konjunktur­unabhängiger Markt - denn gebadet und gewaschen wird immer.




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