Highlights vom ESC in Barcelona

Batterieloser Herzschrittmacher

Auf dem Wirkprinzip der Automatikuhr beruht diese innovative Neuheit des Schweizer Entwicklers Adrian Zurbuchen von der Universität Bern, welche die Herzkontraktionen zur Energiegewinnung nutzt.: „Der Prototyp erfordert keinen Batterietausch. Batterien sind bei den heutigen Implantaten ein begrenzender Faktor. Sobald sie einen kritisch niedrigen Ladungszustand erreichen, muss in einem chirurgischen Eingriff das Aggregat ausgetauscht werden. Das ist nicht wünschenswert, insbesondere wegen des Komplikationsrisikos, besonders durch Infektionen, und der anfallenden Kosten.” Eine um alle unnötigen Teile reduzierte handelsübliche automatische Armbanduhr diente dem Forscher als Prototyp beim Tierversuch und wurde von ihm mit einem speziellen Gehäuse versehen, welches sich für die Implantation in den Herzmuskel eignet. Durch die Herzkontraktion wird eine Feder in Bewegung gesetzt, welche die Spannung hält. Entspannt sich die Feder, wird ein Mikro-Generator geladen, der die Energiequelle für den Schrittmacher darstellt. Durch entsprechende Stimulation wurde eine Herzfrequenz von 130 Schlägen pro Minute erreicht. Leider ist noch nicht bekannt, wann diese neue Schrittmacher-Generation auch für Patienten nutzbar sein wird.

Quelle: ESC Abstract 1268: Zurbuchen et al.; A batteryless cardiac pacemaker powered by cardiac motion.

Herzinfarkt

Die beim ESC vorgestellten Daten aus dem Myokardinfarkt-Register Rheinland-Pfalz (MIR-RLP Register) zeigen, dass in Kliniken mit Herzkatheter die Patienten-Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt geringer ist, als in jenen ohne Herzkatheter-Labore. Erfasst und analysiert wurden bei diesen Daten (873 Infarktpatienten) alle Fälle von ST-Hebungsinfarkt (STEMI). Die gesamte Krankenhaus-Sterblichkeit lag bei 9,1 %, in Kliniken mit Katheterlaboren jedoch bei nur 8,7 %, bei jenen ohne Herzkatheter hingegen bei 12,6 %.

Quelle: ESC Abstract P6516 – Gitt et al: Hospital outcome of STEMI admitted to hospitals with and without PCI-facilities: results of MIR-RLP

Clarithromycin verursacht Herztod

Dänische Forscher des Statens Serum Institut in Kopenhagen berichteten darüber, dass das Antibiotikum Clarithromycin zu einem um 76 Prozent erhöhten Risiko, einen Herztod zu erleiden führt. Das Antibiotikum wurde mit seinen Konkurrenten Penicillin V und Roxithromycin verglichen. 160.000 Menschen zwischen 40 und 74 Jahren, die eine siebentägige Clarithromycin-Gabe erhalten haben, wurden mit 4,4 Mio. Menschen verglichen, die Penicillin V und 590.000 Patienten, die Roxithromycin bekamen. Während bei Clarithromycin-Gabe 18 Menschen wegen Herzproblemen verstarben, waren es bei Penicillin V 235 und bei Roxithromycin 32. “In Bezug auf das absolute Risiko ist Clarithromycin für geschätzte 37 zusätzliche Todesfälle bei einer Mio. Verschreibungen verantwortlich”, berichten die Forscher. Weder bei Penicillin V noch bei Roxithromycin ist das Risiko erhöht.

Die Forscher bestätigen, dass Giftstoffe, die in Clarithromycin enthalten sind, sich negativ auf das Herz auswirken. “In der Analyse von Untergruppen scheint das gesteigerte Risiko stark mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung zu stehen”, warnen die Wissenschaftler. Jedoch sei noch mehr Forschung notwendig, um die Ergebnisse abzusichern.

Kostensenkung durch Herz-MRT

Die Abklärung eines KHK-Verdachts mittels Magnetresonanz-Tomographie des Herzens (Herz-MRT) führt zu deutlichen Kosteneinsparungen, wie das Ergebnis einer europaweiten Studie zeigt, an der auch Kliniken in München, Heidelberg und Stuttgart beteiligt waren und die auf dem ESC in Barcelona vorgestellt wurde. „Die Herz-MRT-Untersuchung erlaubt in dieser Patientengruppe eine kostengünstige Abklärung, und ihre Prognose ist mit einem kombinierten Endpunkt von nicht-tödlichem Herzinfarkt und kardialem Tod von weniger als einem Prozent im ersten Jahr nach der Untersuchung gut“, so Studienleiter Dr. Karine Moschetti von der Universität Lausanne.

Quelle: ESC Abstract 3068 – Moschetti et al: Cost evaluation and comparison of three decision strategies to revascularize: results of the “Suspected CAD” Protocol of the European CMR Registry

Herzinsuffizienz

LCZ696 nennt sich der neue, in Prüfung befindende Wirkstoff von Novartis zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Auf dem ESC wurde nun die größte (zur Herzinsuffizienz) durchgeführte Studie im Vergleich zu dem ACE?Hemmer Enalapril vorgestellt, in welcher sich erfreulicherweise eine Überlegenheit des Wirkstoffes im Hinblick auf die Schlüsselendpunkte erwiesen hat.

Herzinsuffizienz-Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion (HF-REF) hatten in der als PARADIGM-HF bezeichneten Studie mit LCZ696 eine höhere Überlebenswah­rschein­lichkeit und mussten zudem seltener wegen einer plötzlichen Verschlechterung ihrer Herzinsuffizienz stationär eingewiesen werden als jene Patienten, die mit dem ACE?Hemmer Enalapril behandelt wurden¹ . Die Patienten erhielten entweder nur LCZ696 oder Enalapril zusätzlich zur aktuell besten Behandlung. Die Vorteile von LCZ696 gegenüber Enalapril bei HF-REF-Patienten waren statistisch sowohl hochgradig signifikant als auch klinisch bedeutsam.

Quelle: ¹⁾ McMurray JJV et al. Angiotensin-Neprilysin Inhibition versus Enalapril in Heart Failure, N Engl J Med 2014; DOI: 10.1056/NEJMoa1409077

Herzinsuffizienz und Depression

Eine mit insgesamt 864 Patienten durchgeführte, und auf dem ESC präsentierte, Studie des Universitätsklinikums Würzburg beweist, dass Patienten mit Herzinsuffizienz häufiger an Depressionen leiden, als gesunde Menschen und daher auch eine wesentlich schlechtere Prognose haben als nicht-depressive.??Man ermittelte, dass 29 Prozent der untersuchten Patienten aktuell unter einer Depression litten, und 28 Prozent (70 Patienten) aus dieser Untergruppe auch in der Vergangenheit bereits depressive Episoden hatten, allerdings wurde nur die Hälfte davon (35) mit Antidepressiva behandelt. 68 der 253 depressiven Herzinsuffizienz-Patienten war nach einem Beobachtungszeitraum von 18 Monaten verstorben.

Quelle: ESC Abstract P4641 – Wallenborn et al: Prevalence of depression, frequency of antidepressant pharmacotherapy and survival in systolic heart failure patients

Osteoporose und Herzinsuffizienz

Eine deutsch-britische EPIC-Norfolk-Studie mit Daten von 13.666 Patienten zeigt auf, dass Patienten mit erhöhtem Osteoporose-Risiko auch ein erhöhtes Risiko besitzen, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. „Wir fanden einen Zusammenhang zwischen einer niedrigen Knochendichte und dem Risiko einer Herzschwäche bei scheinbar gesunden Menschen“, berichtete PD Dr. Roman Pfister vom Herzzentrum der Uniklinik Köln. „Diese Ergebnisse unterstützen die Überlegung, Patienten mit niedrigen Knochendichte-Werten auch kardiologisch abzuklären. Außerdem sollten die biologischen Mechanismen weiter untersucht werden, die möglicherweise sowohl der Osteoporose als auch der Herzinsuffizienz zugrunde liegen.“?

Quelle: ESC Abstract 2932 – Pfister et al: Low bone mineral desity predicts incident heart failure in men and women in EPIC-Norfolk prospective study?

Rauchen – Risikofaktor für Herzinfarkt

Gleich mehrere Studien befassten sich auf dem ESC mit den gefährlichenAuswirkungen des Rauchens für die Herz- und Gefäßgesundheit. Aktuelle Daten des seit 1999 bestehenden Berliner-Herzinfarkt-Registers zeigen, dass Rauchen nach wie vor der wichtigste Risikofaktor für einen frühen Myokardinfarkt bei den unter 55jährigen ist.

Eine Schweizer Studie befasste sich hingegen mit dem Rauchverhalten Jugendlicher ab 13 Jahren. „Die Analysen bestätigen die Hypothese einer frühen Veränderung der Gefässfunktionalität durch aktives Rauchen im Jugendalter unabhängig vom elterlichen Rauchverhalten“, so Dr. Julia Dratva vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel.

Quelle: ESC Abstract P5130 – Theres et al: Risk factor profile of patients with myocardial infarction: smoking in younger patients; ESC Abstract P5132 – Dratva et al.: Adolescent smoking and vascular function in the SAPALDIA youth study?

Kakao-Flavonole reduzieren Herz-Kreislauf-Risiko - aber auch Tee-Trinker leben gesünder und wie immer liegt die Wahrheit im Wein

Aktuelle Daten aus einer Placebo-kontrollierten Studie²⁾ mit insgesamt 100 Personen am Universitätsklinikums Düsseldorf zeigen, dass regelmäßiger Kakao-Konsum, dank des präventiven Potentials der Pflanzeninhaltsstoffe auf die Gefäße, einen positiven Effekt auf Herz-Kreislauferkrankungen haben kann. Zweimal täglich mussten die Probanden ein Getränk mit 450 Milligramm Kakaoflavonolen, die Kontrollgruppe ein Flavonol-freies Getränk zu sich nehmen. Erhoben wurden die flussvermittelte Vasodilatation, sowie Blutfettwerte, Blutdruck und die Pulswellengeschwindigkeit. Bereits nach einem Monat verbesserte sich die Gefäßfunktion bei den Flavonol-Konsumenten, das HDL-Cholesterin stieg an während die Blutdruck- und LDL-Cholesterinwerte sanken. Um 32 % ging somit das Risiko für eine koronare Herzerkrankung zurück, das Herzinfarkt-Risiko sank immerhin um ganze 22 Prozent.

Hingegen haben weder regelmäßiger Kaffee- noch Teekonsum keinen Einfluss auf die Herzsterblichkeit, wie eine aktuelle französische Studie³⁾ aufzeigt. Untersucht wurden die kardiovaskulären Risikofaktoren sowie der Tee- und Kaffeekonsum von insgesamt mehr als 131.000 Menschen zwischen 18 und 95 Jahren. Studienautor Prof. Nicholas Danchin vom Krankenhaus George Pompidou in Paris, sagte dazu: „Obwohl Kaffee- und Teetrinker bei kardiovaskulären Risikofaktoren wie etwa hohem Blutdruck durchwegs bessere Werte aufweisen, konnten wir insgesamt in diesen beiden Gruppen keine verringerte kardiale Sterblichkeit feststellen. Interessanterweise wiesen aber Teetrinker in unserer Studie insgesamt eine geringere Sterblichkeit auf als Menschen, die keinen Tee trinken. Das könnte damit zu tun haben, dass sie generell einen gesünderen Lebensstil pflegen.

Es wundert nicht wirklich, dass weder Frankreich noch Italien, sondern Tschechien in einer Studie⁴⁾ der Universitäten Olmütz und Prag nachweisen konnte, dass regelmäßiger, moderater Konsum von Rot- oder Weißwein nach sechs und zwölf Monaten zu keiner Verbesserung des Atherosklerose-Risikos führt. „In dieser prospektiven, randomisierten Studie fanden wir keinen klinisch signifikanten Einfluss von moderatem Rot- oder Weißweinkonsum auf Parameter wie Lipidwerte, C-reaktives Protein, Nüchtern-Glukose, andere Marker für das Arteriosklerose-Risiko oder Leberwerte“, erklärten die Studienautoren einhellig. „Wir konnten auch die Hypothese nicht bestätigen, die sich vorwiegend aus retrospektiven Studien ableitet, dass Weinkonsum den HDL-Spiegel erhöhen würde.“? Die tschechischen Forscher untersuchten an 146 Probanden in einer prospektiven, multizentrischen, randomisierten Studie den Effekten von Weiß- und Rotweinkonsum auf Atherosklerose-Risikofaktoren. Alle Studienteilnehmer wiesen ein leichtes bis mittleres Atherosklerose-Risiko auf und tranken fünfmal die Woche über ein Jahr lang regelmäßig Pinot Noir oder Chardonnay-Pinot (Frauen 0,2 Liter, Männer 0,3 Liter pro Tag). Als primärer Endpunkt galten die Werte des HDL-Cholesterin, als sekundärer Endpunkt Arteriosklerose-Marker wie LDL-Cholesterin, C-reaktives Protein sowie Messgrößen für oxidativen Stress. Auf weitere Ergebnisse darf man durchaus gespannt sein.

Quelle: ²⁾ ESC Abstract P3198 – Schmidt et al: Severe adverse effects of nocturnal aircraft noise on endothelian function in patients with or being at risk for cardiovascular disease?
³⁾ ESC Abstract 1028 – Danchin et al: Coffee or tea consumption on cardiovascular mortality: the IPC cohort
⁴⁾ ESC Abstract 1027 – Taborsky et al: In Vino Veritas (IVV) Study: Randomized trial comparing long-term effects of red and white wines on markersof atherosclerosis and oxidative stress

Home Monitoring rettet Leben

24.000 Patienten umfasste das Studienprogramm über den Nutzen der Home Monitoring Technologie und die damit befassten Professor Dr. Gerhard Hindricks vom Herzzentrum Leipzig, Professor Dr. Ignacio Fernandez Lozano, Universitätsklinik Puerta de Hierro, Madrid, Spanien, sowie Professor Dr. Christophe Leclercq, Universitätsklinik Rennes, Frankreich, waren sich darüber einig, dass sein medizinischer Nutzen signifikant zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der eingeschlossenen Patienten beigetragen hat.

SYNERGY™-Stentsystem

Bereits zum EuroPCR präsentierte Boston Scientific die positiven Dreijhares-Daten aus der klinischen EVOLVE-Studie. Prof. Ian Meredith, Direktor von Monash Heart am Monash Medical Centre in Melbourne, Australien, erklärte dazu: „Die Dreijahres-Daten aus der EVOLVE-Studie zeigen fortgesetzt vielversprechende Sicherheit- und Wirksamkeitsergebnisse mit dem SYNERGY-Stent,“ so Meredith. “Die Rate der Revaskularisation von Zielläsionen ist mit 1,1% weiterhin sehr niedrig,gleichzeitig kam es im SYNERGY-Arm über drei Jahre zu keinem Fall einer Stentthrombose . Die klinischen Daten aus EVOLVE stützen die Hypothese, dass die neuen resorbierbaren Polymerstents gegenüber DES aus dauerhaftem Polymer zu einer verbesserten Heilung führen könnten.“




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