Hormonsystem: Gestört dank Weichmacher & Co.

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Chemische Substanzen in Verpackungen, Cremes oder Nahrung

“Endokrine Disruptoren” können starke Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben, denn von den über 800, überall im Alltag zu findenden chemischen Substanzen, wirken manche wie Hormone und binden im Körper an einen Hormonrezeptor. Andere hingegen blockieren Hormonrezeptoren und verhindern, dass körpereigene Hormone andocken und wirksam werden können. Wieder andere stören die Produktion oder die Umwandlung körpereigener Hormone und bringen so das fein austarierte Hormonsystem aus der Balance.

Diese Chemikalen, auch als “Endokrine Disruptoren”(EDC) bezeichnet, findet man u.a. in Kunststoffverpackungen, Fertignahrung, Kosmetika und elektronischen Geräten. Gerade in letzter Zeit mehren sich Hinweise, dass zunächst unverdächtige und scheinbar nützliche Chemikalien wie Weichmacher für Plastik, Flammschutzmittel, Beschichtungen für Pfannen und Verpackungen als EDC auf den Menschen wirken. So können beispielsweise Xenoöstrogene das Eintrittsalter in die Pubertät senken und Antiandrogene zu vermehrten Penismissbildungen sowie zu einer seit Jahrzehnten beobachteten Verminderung der Samenqualität führen. Auch nähmen hormonabhängige Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs beständig zu und korrelierten mit der Anreicherung bestimmter EDC im Körper.

Auswertungen der US-amerikanischen Endocrine Society zeigen deutlich, dass EDC auch zur Erhöhung chronischer Erkrankungen wie Übergewicht und Diabetes beiträgt. Für einige Stoffe liegen bereits belastbare Daten vor. Dazu gehören Bisphenol A (BPA), das in vielen Beschichtungen für Lebensmittelverpackungen enthalten ist, Phthalsäureester (Phthalate), die als Weichmacher für Plastik dienen, Pestizide und Herbizide wie DDT und Atrazin sowie Industriechemikalien wie polychlorierte Biphenyle (PCB) und polybromierte Diether. Letztere werden als Flammschutzmittel in Matratzen und Elektrogeräten verarbeitet. All diese Produkte werden jährlich im Tonnenmaßstab produziert und wirken schon in geringsten Konzentrationen auf Mensch und Tier.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) weist schon seit Jahren auf die Gefahren durch Endokrine Disruptoren hin. Problematisch ist aus Sicht von Professor Dr. med. Matthias Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, dass neue Chemikalien auf den Markt kommen, nachdem sie zwar auf akute Giftigkeit hin getestet wurden, aber ohne dass ihre Unbedenklichkeit als EDC geprüft wäre.

Verbraucher sollten daher ihre Macht als Kunden nutzen und gegebenenfalls das Kaufverhalten ändern. „Jeder kann selbst entscheiden, ob er die Wurst oder den Käse scheibenweise in Folie verpackt kaufen möchte, ob Äpfel einzeln eingeschweißt sein müssen und ob man seinen Kaffee im Gehen aus beschichteten Pappbechern trinken möchte.“




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