Lactobazillen richtig behandeln

Experteninterview mit PD Dr. med. Harald Matthes – Ärztlicher Leiter Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Weltweit erkranken schätzungsweise rund vier Milliarden Menschen pro Jahr an Durchfall (Diarrhö). Die Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) zählt hierzulande zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Jedes Jahr sterben rund 7,5 Millionen an den Folgen, meistens sind es Kinder. Eine akute Diarrhö dauert rund zwei bis fünf Tage. Zur Behandlung gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher pharmakologischer Ansätze. Um besonders effektive und sichere therapeutische Konzepte im Praxisalltag zu eruieren, haben wir den Berliner Gastroenterologen PD Dr. med. Harald Matthes, Ärztlicher Leiter im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, zu diesem Thema befragt.

Welche Erreger verursachen am häufigsten eine Diarrhö?

Akute infektiöse Diarrhöen werden in der Regel von Viren und Bakterien ausgelöst. Am häufigsten sind virale Infektionen durch Rotaviren (10 bis 35%), Noroviren (2 bis 20%) oder Adenoviren (2 bis 10%).1 Erkrankungen mit Viren sind hoch ansteckend. So liegt beispielsweise bei Rotaviren die minimale Infektionsdosis bei nur etwa zehn Viruspartikeln. Sie können sowohl durch Schmierinfektionen, also eine indirekte Übertragung durch kontaminierte Gegenstände, als auch aerogen, durch Tröpfcheninfektion, verbreitet werden. Die Symptomatik bei virusbedingten Durchfällen beginnt akut mit wässrigen Durchfällen, Schleimbeimengungen im Stuhl und Erbrechen. Je nach Schwere der Erkrankung können auch Fieber und abdominelle Schmerzen, also Schmerzen im Bauchraum, auftreten.

Außerdem können akute Durchfallerkrankungen durch Bakterien ausgelöst werden. Die häufigsten Erreger sind die sogenannten Campylobacter- (4 bis 13%) und Salmonella-Stämme (5 bis 8 %).1 Die Infektion erfolgt hier in aller Regel über kontaminierte Lebensmittel oder Personen.

Gibt es bestimmte Jahreszeiten, in denen gehäuft Infektionen auftreten? Und gibt es Personengruppen, die besonders gefährdet sind?

Hier muss klar zwischen bakteriellen und viralen Infektionen unterschieden werden. So sind die in westlichen Ländern im Winter auftretenden Diarrhöen meist viral bedingt, während die Sommerdurchfälle eher bakterielle Ursachen haben.

Am häufigsten erkranken Säuglinge und Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Erst nach einigen überstandenen Infektionen bildet der Körper entsprechende Abwehrmechanismen. Besonders bei Kindern und älteren Menschen ist schnelles Handeln entscheidend, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Bei länger andauernden Durchfällen kann es bei ihnen beispielsweise zu einer Dehydratation, also einer lebensbedrohlichen Abnahme von Flüssigkeit im Körper, kommen. Aus diesem Grund sind bei Risikogruppen neben der medikamentösen Therapie ein oraler Flüssigkeitsausgleich (Rehydratation) sowie die rasche Gabe von Elektrolyten unbedingt notwendig. Weitere mögliche Komplikationen sind akutes Nierenversagen und/oder Multiorganversagen.

Welche Therapieoptionen gibt es und wie beurteilen Sie jeweils das Nutzen-Risiko-Verhältnis?

Zunächst einmal: Die Basistherapie einer jeden Durchfallerkrankung sollte eine Rehydratation (Flüssigkeitszufuhr) mit Wasser und Elektrolyten sowie die Zufuhr von Glukose (Traubenzucker) sein – auch bei erwachsenen Menschen.

Sehr häufig werden sowohl von Ärzten als auch von Patienten Darmmotilitätshemmer, also Medikamente, die die Darmbewegung verlangsamen, bei Diarrhöen eingesetzt. So ist Loperamid das meistverkaufte nicht rezeptpflichtige Antidurchfallmittel (Antidiarrhoikum) auf dem deutschen Markt. Da Loperamid aber lediglich die Darmbewegungen reduziert, ist eine Anwendung bei Darminfektionen nicht uneingeschränkt zu empfehlen – bei Kindern sind Motilitätshemmer generell nicht indiziert. Sie sollten bei Erwachsenen auch nur dann verwendet werden, wenn die Stuhlhäufigkeit kurzzeitig reduziert werden muss, wie beispielsweise vor Flugreisen. Durch die längere Verweildauer der Erreger im Darm unter Loperamid ist eine antibiotische Begleittherapie, z. B. mit einem Chinolon, möglich.

Aber auch die Gabe von Antibiotika ist prinzipiell problematisch, da durch sie die natürliche Darmflora beeinträchtigt und eine „antibiotika-assoziierte“ Diarrhö ausgelöst werden kann. Auch die zunehmenden Resistenzen stellen ein immer größer werdendes Problem dar. Daher sollten Antibiotika (leitliniengemäß) nur noch für komplizierte und schwere bakterielle Verläufe (massiver oder blutiger Durchfall, hohes Fieber) als Reservetherapie eingesetzt werden.

Der Einsatz von Hefen wird in den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) aufgrund der unzureichenden Datenlage derzeit nicht empfohlen.2

In der modernen Durchfalltherapie wird die Medikamentenklasse der Probiotika immer beliebter. Sie sollten laut AWMF-Leitlinien aber nur dann eingesetzt werden, wenn das entsprechende Präparat eine nachgewiesene Wirkung hat. Diese Entscheidung ist aufgrund der Fülle der verfügbaren Probiotika-Stämme (z. B. Escherichia coli Nissle 1917, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus bifidus etc.) für den Hausarzt nicht immer einfach. Präparate mit E. coli-Bakterien haben beispielsweise eine gut dokumentierte Wirkung. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass insbesondere bei Kindern infektiöse Durchfallerkrankungen weniger schwer und zeitlich signifikant kürzer verlaufen. Dies gilt für virale und bakterielle Durchfallerkrankungen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Gabe von bestimmten Lactobazillen ein sicheres und nebenwirkungsfreies Konzept ist. Ein möglichst früher Behandlungsbeginn wirkt sich übrigens präventiv und günstig auf den Therapieerfolg aus.3

Welche Anforderungen stellen Sie an ein optimales Antidiarrhoikum?

Das optimale Antidiarrhoikum hemmt Viren und Bakterien gleichermaßen und schützt die Darmschleimhaut vor dem Angriff durch bestimmte Giftstoffe (Toxine). Idealerweise führt es nicht zu Verstopfung (Obstipation), d. h. die Erreger werden ausgeschieden. Ein entscheidender klinischer Aspekt ist ferner, dass das Wachstum der säurebildenden Darmflora stimuliert und auf diese Weise insgesamt das Gleichgewicht der physiologischen Darmflora wieder hergestellt werden kann. Ferner sollte ein wirksames Antidiarrhoikum die Immunantwort steigern bzw. stimulieren und sich durch eine rasche Wirkung und hohe Anwendungssicherheit auszeichnen. Diese Anforderungen an ein optimales Diarrhoikum werden von einigen Probiotika bereits erfüllt. Entscheidend für die Wirksamkeit ist übrigens eine möglichst hohe Konzentration. Oft wird die ausreichende Konzentration nur in den zugelassenen Arzneimitteln erreicht, jedoch nicht in den Nahrungsergänzungsmitteln. Die höchste Arzneimittelsicherheit bei Probiotika ist gegeben, wenn die Keime bei der Einnahme inaktiv sind, da dann Infektionen durch das Arzneimittel selbst ausgeschlossen sind, wie es bei Lacteol® (10 x 10 [^9] gefriergetrocknete inaktivierte Lactobazillen pro Einzeldosis) der Fall ist.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Behandlung der Diarrhö gemacht?

Die Behandlung akuter Diarrhöen mit Lactobazillen wirkt sich hoch signifikant verkürzend und abmildernd auf den Krankheitsverlauf aus – Untersuchungen bestätigen das.4

So konnte eine plazebokontrollierte randomisierte Studie zeigen, dass der Anteil symptomfreier Kinder in der Lacteol®-Gruppe ab dem ersten Behandlungstag signifikant höher als in der Plazebogruppe war.5 Die Therapie führte bei den Kindern zu einer signifikanten und klinisch bedeutsamen Verkürzung der Durchfalldauer von 13,6 Stunden. Dieser Effekt war noch ausgeprägter bei Kindern ohne antibiotische Vorbehandlung.

Aber nicht nur die Krankheitsdauer wird durch Lactobazillen verkürzt, sondern auch die Anzahl der täglichen Stuhlentleerungen. Die Stuhlkonsistenz und die klinischen Begleitsymptome werden zusätzlich verbessert.6 Auch im Vergleich mit oralen Rehydratationslösungen (ORL) konnte Lacteol® in Bezug auf die Krankheitsdauer eine deutlich bessere Wirksamkeit zeigen.7 ORL können zwar die Sterblichkeitsrate senken, haben aber keinen Einfluss auf Schwere und Dauer der Diarrhöen.

Wie wirkt Lacteol®?

Aus tierexperimentellen und in-vitro Untersuchungen lassen sich vier verschiedene Wirkmechanismen ableiten: Durch das ausgeprägte Vermögen der Lactobazillen, sich an Schleimhautzellen des Darm anzuheften, bildet sich eine Art Biofilm. Dieser schützt die Darmschleimhaut vor vielen Krankheits-Erregern. Außerdem erzeugen die Lactobazillen bestimmte Substanzen, die eine direkte antibakterielle Wirkung auf die krankheitsauslösenden Keime haben. Die enthaltenen Nährstoffe fördern außerdem das Wachstum einer gesunden Darmflora, bringen sie also wieder ins Gleichgewicht. Die Keime bewirken eine unspezifische Immunstimulation der Schleimhäute verbunden mit einer vermehrten Bildung von Antikörpern. Durch diese vier Wirkmechanismen wird auf sichere und verträgliche Weise die Krankheitsdauer verkürzt und die Schwere der klinischen Symptomatik gemildert. Damit empfiehlt sich Lacteol® für alle Typen der akuten infektiösen Diarrhö und kann auch bei immungeschwächten Patienten, Säuglingen und kleinen Kindern als First-Line-Therapie eingesetzt werden. Handhabung, Lagerung und Dosierung sind ebenfalls einfach: So werden bei akutem Durchfall am ersten Behandlungstag dreimal ein Beutel und danach zweimal ein Beutel als Trinksuspension verabreicht oder im selben Therapieschema als Kapsel eingenommen. Aufgrund der Stabilität durch die Gefriertrocknung ist im Gegensatz zu vielen anderen Probiotika keine Kühlung notwendig, was sich für die Reiseapotheke daher besonders gut eignet.


  1. Guarino A, Albano F et al.: European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition / European Society for Paediatric Infectious Diseases: Evidence-based Guidelines for the Management of acute Gastroenteritis in Children in Europe. JPGN 2008; 46:S81-S122. 

  2. Lentze M, Koletzko B: Akute infektiöse Gastroenteritis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/003, 2008. 

  3. Van Niel CW, Feudtner C et al.: Lactobacillus therapy for acute infectious diarrhoea in children: a meta analysis. Pediatrics 2002; 109:678-684. 

  4. Radke M: Probiotika in der Kindergastrologie – Prävention und Therapie gastrointestinaler Krankheiten und Funktions-störungen. Monatsschr Kinderheilkd 2010; 158:570-582. 

  5. Simakachorn N, Pichaipat V, Rithipornpaisarn P, Kongkaew C, Tongpradit P, Varavithya W: Clinical evaluation of the addition of lyophilized, heat-killed Lactobacillus acidophilus LB to oral rehydration therapy in the treatment of acute diarrhea in children. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2000 Jan;30 1:68-72. 

  6. Bodilis JY: Etude contrôlée du Lactéol Fort contre placebo et contre produit de référence dans les diarrhées aiguës de l’adulte. Médecine Actuelle 1983; 10 7, 232-235. 

  7. Salazar-Lindo E, Figueroa-Quintanilla D, Caciano MI, Reto-Valiente V, Chauviere G, Colin P; Lacteol Study Group: Effectiveness and safety of Lactobacillus LB in the treatment of mild acute diarrhea in children. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2007 May;44 5:571-6. 




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