Mund-Kiefer-Gesicht: Implantologie, Oligodontie und Transplantate

  • Zahnstatus vorher ©Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart
  • Panoramaschichtaufnahmen ©Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart
  • Zahnstatus nachher ©Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart
  • Planmeca Romexis DVT Gesichtsscanner ©Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart
  • Gesichtsscann ©Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart

Für diese Fälle ist die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG Chirurgie) zuständig, eines der faszinierendsten Fachbereiche der Medizin, kann sie doch dem einzelnen nicht nur sein ehemaliges Äußeres zurückgeben, sondern erreicht auch, dass entstellende Fehlbildungen korrigiert oder geheilt werden können.

Zu den relativ „einfachen“ Aufgaben der MKG Chirurgen gehören die Zahnimplantate – das kennt heutzutage fast jeder. Aber nur professionell eingesetzte Implantate halten ein Leben lang. Weniger bekannt ist sicher, dass heute, dank maßgeschneiderter Implantationsmethoden und dank neuer Technologien und Materialien auch Risikopatienten, also Patienten mit wenig Kieferknochen oder Parodontitis, alte Patienten, Patienten mit Fehlbildungen, Patienten unter Immunsuppression oder mit schweren Allgemeinerkrankungen durchaus auch festsitzende Zähne erhalten können.

Was die Implantologie alles zu leisten vermag, und das sind schon wahre Wunder, zeigt das Beispiel von 3 Schwestern, deren bleibende Zähne nicht angelegt waren und denen zusätzlich Teile des Ober- und Unterkieferknochens fehlten. Oligodontie heißt diese sehr seltene, erblich bedingte Erkrankung, die Kauen unmöglich macht und das Sprechen erheblich einschränkt. Mit Knochentransplantaten vom Becken wurde zunächst der Ober- und Unterkiefer neu aufgebaut und in einem weiteren Behandlungsschritt die Zahnimplantate eingesetzt. Regelmäßige Verlaufskontrollen zeigten, dass bei allen 3 Schwestern auch noch 14 Jahre nach den Eingriffen ein fester Biss komplikationslos möglich ist und die verbesserte Gesichtsästhetik für ein gutes Selbstwertgefühl sorgt.

Zu den Aufgabenbereichen des MKG Chirurgen gehören auch operative Eingriffe im Gesichtsbereich, wie die Korrektur von Fehlbissen, Entfernung von Tumoren, der Aufbau von Knochen bis zum Aufbau eines neuen Gesichtes. Bei einem 35-jähjrigen Patienten führte ein hormonproduzierender Tumor an der Hirnanhangdrüse zu einem extremen Wachstum des Unterkiefers mit deutlich zurückliegendem Oberkiefer und Fehlbiss. In einem ersten Schritt wurde der Tumor durch die Nase entfernt. Danach wurden die Zahnbögen neu ausgeformt und zuletzt operativ der Oberkiefer zurück- und der Unterkiefer vorverlagert. Kaufunktion und Gesichtsästhetik konnten vollkommen wieder hergestellt werden, der Patient führt heute ein ganz normales Leben.

Schwieriger war der Fall einer heute 37-jährigen Frau. Im Kleinkindalter erkrankte sie an einem Tumor im Nasen-Rachenraum, der nicht operiert werden konnte. Nur mit einer Strahlen- und Chemotherapie konnte die Patientin geheilt werden. Als Nebenwirkung wuchs das Mittelgesicht des Mädchens nicht im gleichen Maße wie der restliche Körper, die Zähne bildeten keine Wurzeln aus und gingen nach und nach verloren. Mit Transplantaten aus dem Beckenkamm wurde der Oberkiefer neu aufgebaut und Frontzähne implantiert. Da durch die vorausgehende aggressive Behandlung auch das Weichteilgewebe geschädigt war musste zusätzlich der Nasenboden angehoben werden. Später wurde dann durch eine erneute Knochentransplantation auch der Seitenbereich des Ober- und Unterkiefers neu aufgebaut und mit Zahnimplantaten versehen. Auch diese Patientin führt heute ein ganz normales Leben.

Ein neues Gesicht? Das ist heute nicht mehr undenkbar, besonders wenn es sich um die Kieferumstellung bei vorstehendem Unterkiefer mit zurückstehendem Oberkiefer und Mittelgesicht handelt. In solchen Fällen werden die Zahnbögen zunächst von einem Facharzt ausgeformt. Die Operationsplanung selbst erfolg dann zunächst virtuell: mit einem Scanner (Gesichtsscanner Promax 3D Porface, Fa. Planmeca, Helsinki), wird eine dreidimensionale Messung der Gesichtsknochen und der Gesichtsweichteile durchgeführt. Am Computer kann dann das zukünftige Gesicht dargestellt, exakt ausgemessen und die einzelnen Operationsschritte festgelegt werden. Die Zukunft hat begonnen.

Doch ist die Arbeit der MKG Chirurgen nicht immer ganz so spektakulär. Auch wer Probleme mit Schnarchen hat, kann und sollte sich vertrauensvoll in ihre Hände begeben, weil Schnarchen nicht nur lästig ist und den Partner stört, sondern auch zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Die Ursachen des Schnarchens sind vielfältig, aber sie alle führen zu einer Verengung im Rachenraum und behindern damit eine normale Atmung. Mit einer individuell angepassten speziellen Schiene wird der Unterkiefer um 5-8 mm nach vorn bewegt, wobei Zunge, Zungenbein und Kehlkopf dieser Bewegung folgen. Die Luftwege zwischen Zungengrund und Rachenwand werden so geöffnet, die Atmung wird frei und das Schnarchen hört auf. Die Behandlung mir der Schiene gehört heute zu den Standards bei der Behandlung des Schnarchens.

Auch ein erschlafftes Gaumensegel kann zu Schnarchen führen. Mit der minimalinvasiven Lasertherapie kann das Problem behoben werden. Problematischer wird es, wenn eine Kieferfehlstellung zu einer Einengung im Gaumensegel- oder Zungengrundbereich führt und Schnarchen verursacht. In diesem Fall muss eine operative dauerhafte Vorverlagerung des Unterkiefers oder sogar sowohl des Unter- als auch des Oberkiefers vorgenommen werden.

Natürlich sind viele, wenn nicht sogar fast alle diese operativen Verfahren langwierig, weil in Teilschritten vorgegangen wird und der Heilungsprozess beachtet werden muss. Und bei allen invasiven Verfahren sind Fachärzte der verschiedenen Bereiche beschäftigt, um bei jedem einzelnen Patienten das bestmöglich Ergebnis ohne Komplikationen zu erzielen.

Alle Fälle wurden vom Team der Klinik für MKG-Chirurgie, Klinikum Stuttgart vorgestellt, anlässlich der 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, vom 1.6.-5.6.2015 in Hamburg




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