Mythos Multiple Sklerose

Die Meinung, mit MS lande man automatisch im Rollstuhl, spukt noch immer durch viele Köpfe. Gott sei Dank ist diese, noch aus den siebziger Jahren stammende Annahme aber längst überholt. Die heutige Medizin kann das Fortschreiten der Krankheit fast immer aufhalten, Betroffene führen ein meist normales Leben

Mythos: Mit MS landet man automatisch im Rollstuhl…

… eine landläufige Meinung, mit der sich MS-Patienten bis heute fast täglich konfrontiert sehen – obwohl sie überholt ist. Denn dieses Bild stammt noch aus den 1970er Jahren: Bis dahin war es lediglich möglich, die MS zu diagnostizieren, nicht aber, sie zu therapieren. Ärzten blieb oftmals nichts anderes übrig, als einzelne Symptome wie akute Schmerzen zu behandeln, während Betroffene und Angehörige dem körperlichen Verfall weitgehend tatenlos zusehen mussten. Dadurch hat sich bei vielen Menschen eingeprägt – MS bedeutet „Endstation Rollstuhl“.

Falsche Bilder schaffen Vorurteile

Dass diese Meinung auch heute noch weit verbreitet ist, bestätigt eine Umfrage unter 100 MS-Patienten. Jeder Vierte bezeichnete es als großes Missverständnis in der Gesellschaft, dass Betroffene zwangsläufig auf den Rollstuhl angewiesen seien.1 Die fatale Konsequenz aus dem Unwissen: MS-Patienten verheimlichen ihre Erkrankung, jeder Fünfte schottet sich sogar von seinem Freundeskreis ab. Zeit, um mit dem Mythos „Rollstuhl“ aufzuräumen.

Die Realität: Die meisten Patienten führen ein normales Leben

Zwar ist MS auch mit dem heutigen Wissen noch nicht heilbar. Aber die medizinische Forschung hat seit den 1990er Jahren Arzneimittel entwickelt, die die effektive Behandlung von MS möglich machen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. Dank der Therapien entspricht das überholte Bild vom typischen MS-Patienten, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist, in vielen Fällen heute nicht mehr der Realität. Das bestätigen auch die Aussagen der befragten Patienten. Rund 80 Prozent gaben an, ein weitgehend normales Leben zu führen; ein Großteil (71 Prozent) hat nur selten Schübe und fühlt sich ausreichend therapiert, während knapp 30 Prozent weiter auf der Suche nach der für sie optimalen Therapie sind. Mehr als 40 Prozent gaben darüber hinaus an, in ihrer Freizeitgestaltung kaum eingeschränkt zu sein, elf Prozent sogar überhaupt nicht.

Mehr Flexibilität durch neue Therapien

Die Erfahrungen aus der medizinischen Praxis bestätigen diese positive Entwicklung. „Mit den therapeutischen Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, kann man diese starken Behinderungen meist vermeiden. Meine Erfahrung zeigt, dass zwei Drittel der Patienten von diesem schweren Grad der Behinderungsprogression gar nicht betroffen sind“, sagt Prof. Dr. Bernd C. Kieseier. Er ist leitender Oberarzt an der Neurologischen Klinik des Heinrich-Heine Universitätsklinikums Düsseldorf. Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von MS haben gerade in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte gemacht. In einigen Fällen können Patienten beispielsweise bei ihrer Behandlung gänzlich auf Spritzen verzichten. Dies schafft Freiräume in der Behandlung und macht den Alltag für viele Patienten flexibler.


  1. Umfrage des Instituts für Gesundheits- und Verbraucher-Marktforschung (IGV) im Auftrag von Novartis unter 100 betroffenen Männern und Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren aus dem Jahr 2011. 




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