Neues aus Gynäkologe und Geburtsmedizin

Einen Schwerpunkt des Updates bildeten dieses Mal die Infektionen der Blase sowie der Lichen sclerosus der Vulva, die Adnexitis sowie Infektionen in der Geburtsmedizin.

Dr. Giuseppe Magistro von der Urologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärte, dass zwar jahrzehntelang die Therapie der Harnwegsinfektion kein wirkliches Problem waren, stand ein weites Spektrum an antimikrobiellen Substanzen zur Verfügung. „Das hat sich dramatisch geändert“, konstatierte der Münchner Urologe. Denn immer häufiger finden sich multiresistente pathogene Erreger als Ursache, gleichzeitig hinkt die Entwicklung neuer Antibiotika dem Geschehen hinterher. So ist die Behandlung von Harnwegsinfektionen mittlerweile zu einer Herausforderung geworden, und die Etablierung präventiver Strategien gewinnt an Bedeutung. Magistro erläuterte die klinische Wirksamkeit verschiedener Behandlungsoptionen und referierte über den Nutzen von Probiotika, Phytopharmaka oder der Immunstimulation sowie präventiver Maßnahmen.

Viel Wissenswertes zur interstitiellen Zystitis (IC) und der Reizblase der Frau vermittelte Univ.-Prof. Dr. Christian Hampel, Urologische Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz . Die genaue Ursache einer interstitiellen Zystitis ist bislang unklar, einige Hinweise deuten jedoch auf einen autoimmunologischen Zusammenhang hin. „Neben unspezifischen Behandlungsansätzen mit trizyklischen Antidepressiva oder Schmerzmitteln bildet die Autoimmun-These derzeit die Basis für eine spezifische IC-Therapie, zum Beispiel mit Cortison, Ciclosporin oder Tacrolimus“, erklärte Hampel. Die Behandlung der überaktiven Blase zielt vornehmlich auf eine Blasendämpfung ab.

Dr. habil. Gudula Kirtschig aus Tübingen befasste sich mit dem Lichen sclerosus (LS), einer chronisch entzündlichen Hautkrankheit unklarer Genese im anogenitalen Bereich mit Juckreiz, Schmerzen und Funktionseinschränkungen aufgrund von Fissuren und Vernarbungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Kinder erkranken seltener als Erwachsene. „Sowohl bei vulvärem wie auch bei penilem LS ist das Karzinomrisiko erhöht. Dieses Risiko lässt sich jedoch durch eine konsequente, dauerhafte Behandlung deutlich verringern“, berichtete die Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Sie stellte die Empfehlungen der aktuellen europäischen S3 Leitlinien vor und betonte, dass die LS möglichst frühzeitig mit starken lokalen Glukokortikosteroiden behandelt werden sollte. Bleibt eine Besserung aus, ist bei männlichen Patienten die Zirkumzision indiziert.

Über den sexuellen Missbrauch von Mädchen sprach Dr. Bernd Herrmann von der Ärztlichen Kinderschutz- und Kindergynäkologieambulanz des Klinikums Kassel. Der Pädiater schilderte die Unsicherheit vieler Ärzte im Umgang mit diesem Problem. Zugleich legte er die verschiedenen Voraussetzungen dar, die für eine fachgerechte medizinische Betreuung nötig sind. „Um bei fehlenden Verletzungsbefunden die Aussagen der Opfer richtig einschätzen zu können, sollten jedem Arzt die Gründe für die hohe Rate an Normalbefunden bei sexuellem Kindesmissbrauch bekannt sein“, betonte Herrmann.

Auf die Fallstricke, die bei der Diagnose einer Adnexitis auftreten können, machte Univ.- Prof. Dr. Udo B. Hoyme vom St. Georg Klinikum Eisenach aufmerksam. So weisen bei einer Laparoskopie nur knapp zwei Drittel der zuvor mit Adnexitis diagnostizierten Frauen diese Entzündung tatsächlich auf. Umgekehrt findet sich bei etwa der Hälfte aller sexuell aktiver Frauen mit Unterbauchbeschwerden in der Laparoskopie wider Erwarten eine Adnexitis, obwohl ursprünglich eine andere Diagnose gestellt wurde. Aufgrund der vielfältigen potentiellen Erreger erfolgt die Behandlung der Adnexitis nicht mittels Monotherapie sondern immer mit einem kombinierten antibiotischen Regime.

Dass Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) bei jungen Frauen sehr häufig sind, verdeutlichte Dr. Alexander Luyten vom Klinikum Wolfsburg anhand der ersten populationsbasierten Langzeit-Beobachtungsstudie zur HPV-assoziierten Erkrankungen in Deutschland. In die umfangreiche Studie wurden 1672 Frauen der Geburtsjahrgänge 1983/84 und 1988/89 eingeschlossen. Die Gesamtprävalenz von HPV lag in beiden Jahrgängen bei gut 25 Prozent. „Die Krankheitslast HPV-assoziierter Erkrankungen ist relevant, andere sexuell übertragene Infektionen spielen im Vergleich eine geringe Rolle“, berichtete der Gynäkologe.

Ob bei drohender Frühgeburt Antibiotika indiziert oder nicht sind legte Prof. Dr. Birgit Seelbach-Göbel, Universität Regensburg, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, in ihrem Vortrag dar. „Während die antibiotische Therapie bei vorzeitigem Blasensprung generell akzeptiert ist, bestehen Zweifel an der Notwendigkeit und Effektivität derselben bei vorzeitigen Wehen“, erklärte die Gynäkologin. Am Beispiel aktueller Studien diskutierte sie das Für und Wider der Antibiotika-Therapie bei vorzeitiger Wehentätigkeit ohne Blasensprung.




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