Nur online - der Versuch einer Rechtfertigung

Online-Redakteure kennen die etwas abfällige Bemerkung:„…ach so,sie sind‚nur online…‘” nur zu gut. War das Gegenüber bis zu diesem Punkt noch auskunftsfreudig, solässt die Bereitschaft, die Recherche des Fragenden zu unterstützen, in diesem Augenblick meistschlagartig nach. Warum eigentlich?

Im Laufe von fast zehn Jahren Online-Redaktion erlebt man vieles. Schönes, Interessantes, Innovatives, aber auch Unverständliches. Eine dieser Unverständlichkeiten ist die Reaktion vieler Agenturen und Firmen, bei der Bitte um Recherche-Unterstützung. Solange man sich nicht geoutet hat, ist die Bitte meist kein Problem, doch gibt man erst einmal kund, dass man „nur für ein Online-Magazin” arbeitet, kann man sich mitunter des Gefühls nicht erwehren, als hätte der Gesprächspartner ab diesem Augenblick die berechtigte Sorge, sich an einer ansteckenden Krankheit zu infizieren. Wo es doch mittlerweile für fast alles einen Impfstoff gibt. Für fast alles - aber nicht fürs Internet!

Warum dies so ist - diese Frage versuchen wir seit längerem zu klären. Liegt es wirklich daran, dass man heute immer noch glaubt, das gedruckte Wort in einer einschlägigen Illustrierten oder Tageszeitung gelte mehr, als die gleiche Information im Netz? Oder liegt es daran, dass man vor allem in Agenturen dem Kunden einfach eine teure PR-Kampagne im Schmerzherzeleid-Magazin besser verkaufen kann, als wenn diese via WWW zum Leser/Kunde kommt?

Keine Frage, Print-Medien lassen sich nicht nur besser versenden, sondern auch repräsentativer auslegen - sie werden ja vor allem in Wartezimmern gerne als willkommener Anlass genommen, das eigene Elend mal für ein paar Minuten wenigstens zu vergessen. Man liest es, besieht sich die schönen Bilder, weidet sich leidlich an der Tatsache, dass auch Königskinder nicht vor Ungemach gefeit sind, und vergisst den Inhalt, sobald der Lesestoff beiseite gelegt wird. Bleibt überhaupt irgend etwas von dieser Lektüre hängen, so wird der darüber Nachgrübelnde nicht selten zu Hause seinen PC anwerfen, um das haften gebliebene Stichwort zu googeln… Und dabei gerät er dann auf mal gut, mal schlechter gemachte Webseiten.

Heute kann jeder, ob alt ob jung, ob klein ob groß (im Sinne von Umsatz), mit mehr oder weniger Aufwand, eine eigene Webseite betreiben. Wahre Innovationsfeuerwerke sind so in den letzten zehn Jahren auf die Menschheit niedergeprasselt - Visionen wurden verwirklicht, die sich kaum ein Science-Fiction -Schreiber je hätte erträumen lassen. Jugendliche waren es, die mit der Umsetzung ihrer unkomplizierten Ideen die Welt des WorldWideWeb revolutionierten. Kein Konzern-Vorstand hätte im Entwicklungsstadium je auch nur einen müden Euro für Facebook, YouTube oder Twitter ausgegeben - erst als die im Netz umgesetzten Liebhabereien findiger Studenten in aller Munde und somit zum Millionenerfolg wurden, musste man sie natürlich auch haben. Und wunderte sich nicht selten, dass sie dann nicht mehr funktionierten. Warum? Vielleicht weil ihnen der Esprit der Erfinder fehlte… Zahlenmenschen besitzen den höchst selten…sie wollen damit „nur verdienen”, während die Erfinder damit „nur Spaß” haben wollten… Keine sehr beweiskräftige Erklärung, aber immerhin eine, die möglicherweise so weit von der Wahrheit gar nicht entfernt ist.

Das Internet und seine zahlreichen Funktionen sind heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir erledigen unsere Einkäufe, unsere Bankgeschäfte und unsere Partnersuche bereits darüber. Und längst suchen wir nicht mehr in Bibliotheken und Archiven, sondern in Wikipedia oder seinen Konkurrenten nach den Informationen die wir brauchen. Wir? Na ja, wir alle, mit Ausnahme von ein paar Aufrechten, für die „nur online” noch immer einen Hautgout besitzt. Aber die Menschheit ist lernfähig - zumindest haben wir den Glauben daran noch nicht verloren!

Und darum arbeiten wir weiterhin „nur online” für unsere Leser und wir freuen uns, wenn uns diese ihre Meinung mailen.




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