Prostatakrebs - Das Schweigen der Männer

Ignorieren, verleugnen, wegducken – Prostatakrebs lässt Männer verstummen. Denn diese Krankheit stellt die elementarsten Bereiche der Männlichkeit in Frage. Eine neue Kampagne will das Tabu aufbrechen

Wir wissen es alle: Männer sind groß im Jammern bei Bagatelle-Beschwerden wie Schnupfen & Co. Aber wenn es ernst wird, herrscht das große Schweigen. Dann tauchen Männer ab, ignorieren Krankheit und Schmerzen und drücken sich vor dem Arztbesuch. Die neue Aufklärungs-Kampagne MÄNNER.REDEN.JETZT, eine Zusammenarbeit von diversen Patientenverbänden und dem Pharmakonzern Bayer, will jetzt mit dem Tabu aufräumen und Männer bewegen, über ihre gesundheitlichen Probleme zu sprechen. „Jedes Jahr haben wir in Deutschland 70.000 Neuerkrankungen beim Prostata-Karzinom“, sagt Prof. Martin Schostak, Direktor der Urologischen Uniklinik Magdeburg. „Und wie bei allen anderen Tumorarten gilt auch hier: Früherkennung erhöht die Überlebens-Chance.“ Doch gerade Männer verdrängen so lange ihre Beschwerden, bis es nicht mehr geht. Und oft zu spät ist. „Haben sich bereits Knochenmetastasen gebildet, reagiert der Tumor schlechter auf Medikamente, die Lebenserwartung sinkt rapide.“

Carlo Thränhardt (59), mehrfacher Weltrekordhalter im Hochsprung und Botschafter der Kampagne, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, auf seinen Körper zu hören. „Ich hätte keine 17 Jahre dauernde Karriere im Hochleistungssport durchstehen können, wenn ich ständig den Coolen und Taffen gegeben hätte“, sagt der Münchner. „Wer Beschwerden ignoriert, kann einfach keine Höchstleistungen bringen.“

Grund für die Verweigerungshaltung sollen die drei männlichen K sein: Konkurrenz, Karriere Kollaps. Der Körper wird als eine Art Maschine angesehen, die von selbst funktioniert. „Männer fühlen sich oft kerngesund – bis sie tot umfallen“, hat auch die Münchner Sozialwissenschaftlerin Prof. Anne Maria Möller-Leimkühler festgestellt. Dazu passt, dass gerade mal 15 Prozent aller Männer zur Prostata-Vorsorgeuntersuchung gehen, während sich über 62 Prozent der Frauen einer Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung unterziehen. „Die Geschlechterrolle des Mannes beeinflusst sein Gesundheitsverhalten – leider auf selbst zerstörerische Weise.“

Die Kampagne soll zunächst ein Jahr laufen.

Weitere Infos



Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
News

Bachkantate statt Betablocker als Blutdrucksenker!

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Barock Musik und ganz besonders Musik von Johann Sebastian Bach nicht nur eine entspannende Wirkung …

gesünder unter 7
Gewinnspiele

SafeMotion®-S3 inkl. Starterpaket

Uhr Uhr - ©ilogs mobile software GmbH

Gewinnen Sie eine SafeMotion®-S3 inklusive Starterpaket im Wert von 249,00 € Mit der weltweit einsetzbaren SafeMotion®-S3 mit kostenloser Web-App erreicht die …

Videos

Depressionen

©arte

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen.

Bücher

Gelassen durch die ersten Schuljahre

Ein informativer Begleiter für Eltern

Autor: Petra Jansen, Stefanie Richter
Preis: EUR 19.95