Rettungsschirm gegen Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen treten mit zunehmendem Alter vermehrt in Erscheinung. Die häufigste, das Vorhofflimmern - eine Rhythmusstörung der Vorhöfe - kann dauerhaft oder anfallsartig auftreten. Diese Erkrankung ist unbehandelt durch einen schnellen und vor allem sehr unregelmäßigen Herzschlag gekennzeichnet und wird auch absolute Arrhythmie genannt. „Hierbei besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in einem Anhang des linken Vorhofs, dem sogenannten linken „Vorhofohr“, bilden. Wenn sich Teile dieser Gerinnsel lösen besteht die Gefahr eines Schlaganfalls, also eines Gefäßverschlusses im Gehirn, eines Herzinfarktes, einer Lungenembolie oder eines Gefäßverschlusses in den Augen oder den Gliedmaßen“, weist Dr. Oliver Ickrath, Leiter der Sektion für Interventionelle Elektrophysiologie am Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart , auf die Gefahren hin, welche mit dem Vorhofflimmern einhergehen. Sehr häufig entsteht das Vorhofflimmern durch eine Vorhofüberlastung als Folge verschiedener Herzkrankheiten. Herzfehler, Herzschwäche und Kranzgefäßkrankheit verursachen oft diese Rhythmusstörung. Auch Virusinfekte oder Alkohol können der Auslöser sein. Sehr häufig kann man jedoch keine Ursache finden. Man spricht dann von einem idiopathischen Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern bedeutet ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Rund 20 Prozent aller Schlaganfälle sind die Folge eines Vorhofflimmerns. Die Ursache liegt in dem fehlenden mechanischen Zusammenziehen der Vorhöfe im Moment des Vorhofflimmerns. Hierdurch kommt es zu einem geminderten Blutfluss in den Herzvorhöfen, was wiederum zur Bildung von Blutgerinnseln führt. Und der Entstehungsort solcher Blutgerinnsel ist fast immer das sogenannte „Vorhofohr“, eine Aussackung des linken Vorhofs. Wenn diese Blutgerinnsel dann aus dem Herzen ins Gefäßsystem gelangen können sie Adern im Gehirn verstopfen und es kommt zum Schlaganfall.

„Es ist wichtig zu verhindern, dass sich Gerinnsel im Vorhofohr bilden“, sagt Professor Dr. Hartmut Hanke, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart. Dies geschieht meist durch eine medikamentöse Gerinnungshemmung welche mit bekannten Präparaten wie Marcumar oder ähnlichen Medikamenten als Dauermedikament durchgeführt wird.“ Der Nachteil dieser Behandlung ist jedoch, dass, je länger die Gerinnungshemmung durchgeführt wird, umso größer die Gefahr ist, dass der betroffene Patient Blutungskomplikationen wie Magen oder sogar Hirnblutungen bekommen kann“, warnt Professor Hanke. Und bei einigen Patienten die bereits ein erhöhtes Blutungsrisiko haben kann keine gerinnungshemmende Therapie verabreicht werden, obwohl ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall besteht. Doch für diese Patienten und auch für alle übrigen gibt es jetzt eine sinnvolle und äußerst risikoarme operative Alternative. „Wir verschließen das Vorhofohr im Herzen einfach mit einem Schirm“ , bringt es Dr. Ickrath auf den Punkt.

Dieser Vorhofohrverschluss geschieht mit einem Herzkatheter - einer seit vielen Jahren etablierten Therapie, bei der über die Leistenvene ein Katheter eingeführt wird der dem Blutfluss durch die große Hohlvene in den rechten Vorhof folgt. Von dort gelangt der Arzt in den linken Vorhof und anschließend in das Vorhofohr, welches eine sackartige Ausstülpung der Vorkammern des Herzens ist. Sie ist ohne eine bestimmte Funktion und kann daher ohne Probleme verschlossen werden. Über den Herzkatheter wird ein Schirmchen in das Vorhofohr eingeführt und dort aufgespannt. Es bleibt im Eingang des Vorhofohrs liegen und verhindert so, dass sich hier gefährliche Blutgerinnsel bilden können. Das Schirmchen wächst ein und bereits nach wenigen Wochen besteht selbst bei einem dauerhaften Vorhofflimmern keine Gefahr mehr, dass sich Blutgerinnsel bilden. Der Eingriff selbst dauert nur ca. 45-60 Minuten und schon nach zwei bis drei Tagen kann der Patient wieder nach Hause gehen.

„Dies ist eine realistische Alternative zur medikamentösen Therapie für Patienten mit Vorhofflimmern ihr Schlaganfallrisiko zu minimieren und erspart ihnen die lebenslange Medikamenteneinnahme“, sagen die beiden Experten Hanke und Ickrath, die bereits seit September letzten Jahres am Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart dieses Therapieverfahren erfolgreich eingeführt haben, welches auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Weitere Informationen und Termine: Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart - Sekretariat der Inneren Klinik II - Tel. 0711/26392400.




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