Schönheitsoperation oder plastische Chirurgie?

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Interview mit Prof. Milomir Ninkovic, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie Städtisches Klinikum München-Bogenhausen.

GCOM: Herr Professor, der Begriff „Plastische Chirurgie“ wird sehr oft mit Schönheitschirurgie gleich gesetzt. Wie würden Sie den Unterschied laienverständlich erklären?

Prof. Ninkovic: Die „Plastische Chirurgie“ beinhaltet alle Methoden, die man im Bereich der rekonstruktiven als auch in der ästhetischen Chirurgie verwenden kann. Wobei zu betonen ist, dass die heutige Basistechnik in der ästhetischen Chirurgie in der plastischen Chirurgie entwickelt wurde. Schönheitschirurgie hingegen ist ein rein deutscher Begriff ohne fachliche Schützung Jeder Arzt kann sich Schönheitschirurg nennen, auch wenn er keine Ausbildung in ästhetischer Chirurgie vorweisen kann.

GCOM: Wie lange dauert die Ausbildung?

Prof. Ninkovic: 6 Jahre Facharztausbildung, davon 2 Jahre Common Trunk (Anm. d. Red. = basischirurgische Weiterbildung), 4 Jahre plastische und ästhetische Chirurgie

GCOM: Was sind die häufigsten Operationen, die im Klinikalltag bei den „Plastikern“ anfallen?

Prof. Ninkovic: Wir unterscheiden in zwei Gruppen: Erstens die rekonstruktive Chirurgie, wie z.B. Brustrekonstruktionen nach Krebs oder Gesichtsreanimationen nach Lähmungen, handchirurgische Fälle mit degenerativen Erkrankungen.

Die zweite Gruppe befasst sich mit ästhetischer Gesichtschirurgie und der Onkoplastischen Chirurgie.

GCOM: Wie lange dauert ein Eingriff durchschnittlich?

Prof. Ninkovic: Man rechnet mit durchschnittlich 2 – 2,5 Std.

GCOM: Wie viele Menschen umfasst Ihr Team?

Prof. Ninkovic: 25 Ärzte denen täglich 4 OP-Säle nur für plastische Chirurgie zur Verfügung stehen.

GCOM: Bei welchen Operationen sind Sie hier im Klinikum Bogenhausen führend?

Prof. Ninkovic: Wir zählen weltweit im Bereich der rekonstruktiven Chirurgie zu den führenden Kliniken. Anm. d. Red.: Was Prof. Ninkovic nicht sagt, ist die Tatsache, dass er selbst zu den 12 bekanntesten und besten Plastischen Chirurgen der Welt zählt und dafür auch ausgezeichnet wurde.

GCOM: Wie oft kommen auch Patienten zu Ihnen, die einen rein ästhetischen Eingriff wünschen und welche Eingriffe stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste der Patienten?

Prof. Ninkovic: Augenlidstraffung, Gesichtsstraffung, Bauch-Straffung, Brust-Vergrößerungen oder Brust- Verkleinerungen.

GCOM: Wie häufig müssen Sie verpatzte Eingriffe beheben und was würden Sie Mann/Frau empfehlen, ehe man sich zu einem Eingriff entschließt?

Prof. Ninkovic: Patienten mit Komplikationen nach misslungenen Eingriffen sehen wir wöchentlich. Häufig entstehen diese durch permanente Filler im Gesicht (z.B. Silikonfiller), Fettabsaugungen und falsch durchgeführte Brust-Operationen, bei denen z. B. die Wundheilung gestört ist. Operationen die nicht nur falsch geplant, sondern auch noch falsch durchgeführt wurden, bei denen Prothesen heraus kommen oder die Implantate frei liegen, sehen wir leider immer wieder.

GCOM: Kommen wir zu einem Ihrer Spezialgebiete, der Facialis-Lähmung. Die idiopathische Lähmung ist hier die am häufigsten auftretende. Weiß man schon, warum der 7.Hirnnerv schlagartig ausfällt – denn dieser Ausfall löst die Lähmung ja aus. Und trifft es zu, dass man Herpes Simplex Viren Typ1, welche sich ins Ganglion geniculi zurück ziehen als mögliche Ursache betrachtet?

Prof. Ninkovic: Beide angesprochenen Ursachen sind bislang nur Vermutungen, die bislang nicht nachgewiesen werden konnten.

GCOM: Wie schnell nach Auftreten der Lähmung sollte man operieren, und wann sollte man eine Transplantation in Betracht ziehen?

Prof. Ninkovic: Zuerst sollte man beim Auftreten einer Facialis-Lähmung einen möglichst damit erfahrenen HNO-Arzt oder Neurochirurgen oder (frühestens nach einem Jahr) einen plastischen Chirurgen aufsuchen. Eine sofortige Operation ist nicht ratsam, da die Lähmung oft von selbst wieder verschwindet. Generell muss zuallererst die Schwellung unter Kontrolle gebracht werden.

GCOM: Sie führen auch Nerven-Transplantationen durch. Wie viele davon führen Sie hier im Haus im Jahr durch?

Prof. Ninkovic: Ja das ist richtig. Wir führen diese bei onkologischen Fällen durch, wenn zum Beispiel der Tumor in den Nerv wächst. Dann muss dieser durchtrennt werden und dann wird eine Nerven-Transplantation vorgenommen.

Bei einer permanenten Lähmung des Gesichtes oder einer sogenannten kongenitalen Parese, gibt es zwei operative Vorgehensweisen: Entweder versucht man statisch die Gesichtssymmetrie zu verbessern, d.h. alles was hängt wird, bildlich gesprochen, wieder aufgehängt, die Lidfunktion wieder hergestellt. Oder die dynamische Vorgehensweise mit dem sogenannten funktionellen Muskeltransfer. Hier wird durch zu Hilfenahme des gesunden Nervs von der anderen Seite ein Muskel in die betroffene Seite transplantiert und der Muskel gibt das Lachen zurück. Diese sogenannte Cross-Face-Nerventransplantation verbindet den gesunden Nerv mit der betroffenen Seite, wo der Muskel an den Nerv angeschlossen wird – der Muskel bekommt dadurch eine Steuerung durch den gesunden Nerv und nimmt diese an. Das Lachen kehrt zurück.

Dann gibt es noch das Möbius-Syndrom1. Menschen mit diesem Syndrom können nicht lachen, weil sie weder den dazu notwendigen Gesichtsnerv noch die Muskulatur dazu besitzen (es handelt sich dabei um einen weltweit verteilten Gendefekt). Hier wird eine funktionelle Muskeltransplantation im Gesicht (Steuerung durch einen Muskelast des Trigeminus-Nervs) vorgenommen und damit kann man das Lachen (wieder) herstellen.

GCOM: Wie hoch sind dabei die Chancen dem betroffenen Patienten ein halbwegs „normales Aussehen“ zurück zu geben?

Prof. Ninkovic: Wenn die Operation rechtzeitig, das heißt innerhalb der ersten drei Monate nach einem Unfall oder einer Tumorentfernung durchgeführt werden kann, sind die Chancen sehr gut

GCOM: Wie lange dauert der Heilungsprozess nach der OP und müssen dazu beispielsweise Reha-Maßnahmen (wenn ja welcher Art) herangezogen werden?

Prof. Ninkovic: Es dauert mindestens ein Jahr um das Endergebnis beurteilen zu können. Mimikübungen helfen, wenn sich eine Funktion zeigt, denn durch Konditionierung (Anm. d. Red. = Reizübungen) der Muskulatur erholt sich diese auch schneller.

GCOM: Besten Dank Herr Professor, für das interessante Interview.


  1. Seltenes, angeborenes Syndrom, welches sporadisch auftritt und sich in erster Linie durch eine beidseitige Lähmung der mimischen Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese) äußert. (Quelle Wikipedia) 




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